Sonntag, 22. November 2020

Lieber Herr Berset. Jetzt schreibe ich Ihnen ja schon ziemlich lange. Gut, zugegebenermassen ist die Korrespondenz ein wenig einseitig. Deshalb käme es mir auch nicht in den Sinn, Ihnen von einer «ausstehenden Schuld» zu schreiben und hundertuusig Franken zu fordern. Das Erpressen ist sowieso nicht so meins. Auch habe ich keine Ferien-Fotos, die Sie belasten könnten. Nach Ligurien wollten Sie uns ja nicht begleiten. Nun aber kritisiert der Herr Mörgeli in der Weltwoche, dass das Foto, das die Erpresserin Ihnen zugestellt hat und auf dem Ihr Kopf und nicht etwa ein anderes Berset-Teili zu sehen ist, von der Bundesanwaltschaft bereits gelöscht wurde. Auch alle anderen Daten, die im Zusammenhang mit Ihnen und der Dame standen, wurden ausradiert. Kaum zu glauben, dass der Herr Lauber, damals noch im Amt, auch tiffig handeln konnte. Unter uns gesagt, es nimmt mich ja schon es bitz Wunder, was da vor acht Jahren geschehen ist. Ich hab kurz gegoogelt, wenn ich Berset Bundesrat eingebe, ist der erste Vorschlag Muriel Zeender Berset und der zweite Berset Scheidung. Ui, das finde ich, haben Sie nicht verdient. Bleiben Sie gesund und an Weihnachten zu Hause. Wo auch immer das dann ist. Merciviumau.

Sonntag, 11. Oktober 2020

 

Lieber Herr Berset
Ich hoffe, Sie haben schöne Herbstferien gehabt. Wir auch. Wir mussten ja die Pläne ein wenig ändern, Sie haben ja kurz vor unserer Abfahrt in den Süden Ligurien auf die Quarantäne-Liste gesetzt. Unter uns, lieber Herr Berset, wir sind trotzdem gefahren. Der Hotspot lag ja 160 km entfernt. Ligurien hat weniger Fallzahlen als die Schweiz. Und trotzdem sagt das BAG, es sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, die Quarantäne-Regel anzupassen. Ja, wann denn, lieber Herr Berset? Im 2050? Selbstverständlich haben wir uns trotzdem an Ihre Quarantäne-Guillotine gehalten und offiziell beim Ärztetelefon abgeklärt: Tag 1 ist nach dem Abreisetag aus dem Risikogebiet. Wir sind also danach erst ein paar Tage durch die Toskana gekurvt, ein wenig im Veneto gewesen (ui, das ist ja ab heute Mitternacht auf Ihrer Liste – aber das Covid schlägt dort erst nach 12 Uhr so richtig zu!) und durchs Tirol ins Allgäu gerauscht. Das Allgäu hat übrigens Tirol als Risikozone benannt, daher sind wir dort nicht ausgestiegen. Die Schweiz hingegen ist den Tirolern milde gestimmt, stossen sie ja ans Liechtenstein und mit Landeck an Graubünden. Wussten Sie, dass Landeck ein hohes Risiko hat, schauen Sie nur mal auf die Corona-Ampel-Karte der Österreicher. Aber für Grenzgänger gelten ja wieder andere Corona-Quarantäne-Regeln, n’est pas? Diese zu ändern ist wohl ebenfalls nicht der richtige Zeitpunkt, wo hab ich das bloss schon mal gehört? Inzwischen sind wir zu Hause, fühlen uns so gesund wie zu Ferienbeginn und haben brav das Formular für Einreisende aus Risikogebieten ausgefüllt. Und uns für drei verbleibende Tage in die häusliche Quarantäne gesetzt. Heute ist übrigens unser letzter Tag. Vielleicht wollen Sie ja noch kurz kontrollieren, ob ich Ihnen auch wirklich von daheim aus schreibe? Merciviumau!

Samstag, 26. September 2020

Lieber Herr Berset. Gestern haben Sie Ligurien auf die Quarantäne-Liste gesetzt. Päng! Und damit unsere Ferienpläne abgeschossen. Denn genau heute hätten wir dahin fahren wollen. Asoneiaberau!! Jetzt haben wir das Hotelzimmer stornieren müssen. 160 Kilometer vom Hotspot La Spezia entfernt. La Spezia liegt ja gefährlich nah an der toskanischen Grenze. Toskana aber kommt nicht auf die Liste, sagen Sie. Vielleicht weil das BAG schon längst dort ein Reka-Haus für die Herbstferien gebucht hat? Im restlichen Ligurien gibt es übrigens viel tiefere Fallzahlen. Ähnlich wie in der Schweiz. Darum hat sich gestern noch die ligurische Regierung bei Ihnen gemeldet und Sie gebeten, nicht die ganze Region auf die Quarantäne-Liste setzen. Sie schütteln jedoch den Kopf, no no Ligurien ist Ligurien und damit basta! Wo kommen wir denn hin, wenn wir genau hinschauen würden und nur dort die Leute in Quarantäne schicken, die sich in einem Hotspot umamt haben? Nach Lausanne zum Beispiel. Aber wir fahren nun haarscharf an La Spezia vorbei und lassen uns 20 km nach der Grenze in Forte dei Marmi nieder. Toskana ist ja auch schön. Also glaubs. Die Rechnung vom Hotel dürfen wir ja dann Ihnen schicken. Merciviumau!

Dienstag, 1. September 2020

Lieber Herr Berset. Corona ist also noch längst nicht geschluckt. Die Wirte können sich zwar auf den Winter freuen, weil sie mit Heizpilzen etwas Wärme in den Aussenbereich schleudern dürfen. Das ist natürlich für die Gäste angenehm, so muss das Schnipo bei kalten Temperaturen nicht am Teller festfrieren. Und selbst die Stange schäumt weiterhin. Apropos Bier: Morgen will der Bundesrat entscheiden, ob ab dem 1. Oktober, wenn die 1000-er Regel fällt und Grossveranstaltungen wieder möglich sind, der Alkoholausschank in Stadien verboten werden soll. Alkohol und viele Menschen sind eine gefährliche Mischung, sagen Sie. Wobei viel Alkohol und wenig Menschen auch nicht ganz ohne ist. Dieses Verbot würde nur beim Sport gelten, Musikanlässe wären davon ausgenommen. Dabei ist doch grad mancher Fussballmatch nur mit Alkohol zu ertragen. Nun, mir ist das eigentlich ziemlich Wurst, lieber Herr Berset, ich finde Bier durch die Maske gefiltert eh nicht fein. Aber für die gebeutelten Süd- und Nordkurven-Fans sollten Sie das vielleicht morgen nochmals diskutieren. Die müssen ja schon ihre Pyros ins Stadion schmuggeln, wie wollen sie denn noch die vielen Bierdosen an der Eingangskontrolle vorbeibringen? Merciviumau.

Mittwoch, 12. August 2020

Lieber Herr Berset. Die 1000er Grenze wird fallen, haben Sie heute mitgeteilt, die Tschütteler können also ab Oktober wieder vor recht gefüllten Rängen in den Rasen schnäuzen. Unsere Jugend hat nun zum Club-Glück auch die Alternative Konzert im Hallenstadion. Oder Bahnhof Spreitenbach oder Thalwil, weil die Nachtzüge aus Zürich das Partyvolk nicht mehr zu jeder Stunde heimfahren. Fast sind es Zeiten wie ganz früher. Einzig die Sache mit den Skigebieten, da haben Sie sich nicht nur Freunde gemacht. Erste Gespräche mit Frankreich und Österreich haben Sie geführt. Italien käme ebenfalls noch ins Boot, damit es eine koordinierte Eröffnung der Skigebiete gibt, erklärten sie weiter. Ich finde das eine gute Idee. Nicht jedoch Hans Wicki, der als Präsident des Verbandes Seilbahnen Schweiz im Ständerat sitzt, der fährt Ihnen nämlich prompt à la voiture oder wie wir Deutschschweizer sagen, an den Karren. Man könne doch die Winterorte nicht alle über einen Kamm scheren, hat Wicki ausgerufen, Österreich, Italien, Schweiz! Ha ha, Kamm scheren, Herr Berset, das müssen Sie nicht persönlich nehmen. Aber schon poltert Wicki weiter, eine Absprache mit den Wintertouristikern und den Seilbahnen hätte es erst gebraucht! Strenge der Bundesrat grenzüberschreitende Abmachungen an, bevor er die Branche zu Rate ziehe, zäume er das Pferd von hinten auf! Mais entre nous, wer sich verkehrt herum auf den Sattel schwingt, ist weiss Gott froh, ist der Zaum am Schwanz angebracht, n’est-ce pas?! Also reiten wir eine Runde rückwärts, lieber Herr Berset, und hoffen wir, dem Covid wirds trümmlig dabei. Und im besten Fall löst es sich auf. Merciviumau.

Mittwoch, 5. August 2020

Lieber Herr Berset. Jetzt bin ich grad aufm Heimweg aus unsren Ferien. Ein Glück nicht aus Spanien. Da müsste ich ja voll in die Quarantäne. Aber nur, wenn ich am Samstag um fünf nach Mitternacht einreise. Genau genommen also erst am sehr frühen Sonntag. Ich hoffe, das Covid, das ich aus dem Sangriakübel mitgetrunken hätte, würde sich ebenfalls an das Zeitlimit halten. Oder wie sehen Sie das? Und nicht auszumalen, ich wäre dabei noch schwanger. Da käme ich glatt in die Risikogruppe. Mit meinem Heuschnupfen und meinem Ü55-Alter gar in die Hochrisikogruppe. Also, halten wir uns weiter an die Regel: wir schützen uns und bleiben hoffentlich gesund! Merciviumau!

Donnerstag, 16. Juli 2020

Lieber Herr Berset. Das mit den Fallzahlen variiert ja täglich, im Moment sind sie grad wieder steigend. Aber ich frage Sie als Fribourger und als Gesundheitsminister jedoch wegen eines anderen Falls. Nämlich der der Freiburger Kathedrale. Da redete sich gestern der katholische Bischof Charles Morerord um roten Kopf und weissen Kragen. Ein Glück trug er dabei eine Maske, da musste man nur das halbe Leid anschauen. Erklärungsnot ohne Ende, da gings um sexuelle Übergriffe und Missbräuche, die anscheinend nicht stattfanden oder niemand hatte das richtig mitbekommen, weil sie damals ja die Masken auf den Augen trugen. Ein Weihbischof, der eingeweiht war oder vielleicht auch nicht, eine unabhängige Untersuchung, die zum Schluss kam, dass in der Pfarrei keine homoerotische Atmosphäre herrschte, also alles klar unterm Talar. Der eine Priester musste trotzdem sein Köfferlein packen, derweil sich sein designierter Nachfolger nackt auf einer Homo-Datingplattform präsentierte und sich in einer Illustrierten bei seiner Familie und dem Klerus entschuldigte: er habe den Posten als Heil und Wandel verstanden. Hä? Verstehen Sie mich nicht falsch, lieber Herr Berset, von mir aus dürfen alle Brüder und alle Schwestern machen, was sie wollen. Sofern keine Kinder im Spiel sind. Aber meinen Sie, wie die katholische Kirche damit umgeht, kann das gesund sein? Merciviumau.

Samstag, 4. Juli 2020

Lieber Herr Berset. Es bitzli verwirrlich war das mit den Masken ja schon. Erst hatte Ihr Herr Koch erzählt, dass sie unnötig sind, also nicht Sie, sondern die Masken, sie nützen nicht nur nichts, sie sind sogar gefährlich, hat er gesagt. Ohalätz, böse Masken aber auch! Inzwischen wissen wir, dass wir uns und andere schützen können, wenn wir solche Dinger korrekt aufsetzen. Also nicht lässig ums Ohr hängen oder über die Stirn schieben. Und nun herrscht Maskenpflicht im Zug, im Bus, im Schiff, im Boot - weil wir ja eh alle im gleichen sitzen. Aber warum erst ab Montag? Ist es, weil das Virus dieses schöne Wochenende nochmals nutzen wird, um in Badis, in Restis und in Clubs herumzulümmeln? Oder weil Migros und Coop schon seit Donnerstag mit Masken ausgeschossen sind, ihre Lager zwar gut gefüllt sind ("Wir haben keinen Engpass mit Masken!") und es nur mit ihrer Logistik hapert? Quasi die Masken der neue WC-Papier-Gau sind? Oder was meinen Sie? Merciviumau.

Freitag, 26. Juni 2020

Lieber Herr Berset. Ich hab die Swiss Covid App bereits installiert. Ging ja ganz easy. Jetzt muss ich mir einzig angewöhnen, das Handy nicht immer auf dem Küchentisch liegenzulassen. Dort hats zwar einen Herd in der Nähe, aber mit Corona hab ich ja nur selten gekocht. Ich verspreche Ihnen, ich werde das smarte Teili nun stets auf mir tragen. Gerade morgen, wenn ich zum Beispiel in die See-Badi gehe und dort zum Floss schwimme. Auf dem dann viele Kinder mit ihren Eltern und Grosseltern sitzen. Wissen Sie vielleicht, ob die App wasserfest ist? Merciviumau!

Mittwoch, 10. Juni 2020

Lieber Herr Berset. Jetzt ist ja fast alles wieder wie früher. Und endlich dürfen wir Ferien planen. Am liebsten in der Schweiz, weils ja hier schon würkli sehr schön ist. Doch die Grenzen fürs umliegende Ausland sind ab 15. Juni wieder offen… Das hat natürlich auch seinen Reiz. Hoffen wir, dass nicht alle ihre Koffer packen und trotzdem gen Italien fahren. Mit Gesichtsmaske natürlich. Aber schauen Sie mal, 10’900 Deutsche dürfen ab kommenden Montag nach Mallorca, Ibiza und Menorca fliegen. Die Spanier nennen es ein Tourismus-Pilotprojekt: sie wollen schauen, ob ihre Sicherheitsvorkehrungen halten, was sie versprechen. Denn ab 1. Juli soll es richtig losgehen. Die 10’900 Deutschen brauchen bei der Einreise auch keinen verpflichtenden Corona-Test vorweisen, weil wenn, würde dieser erst ab 1. Juli zählen. Wer Covid-19 im Gepäck hat, muss auch keine Quarantäne im Hotelzimmer erdulden, nein, er nimmt es mit an den Strand. Dort verflüchtigt sich das Virus, weils zu heiss ist oder es liegt besoffen im 5-Liter Sangria-Tetrapak, in dem 5 Trink-Röhrli stecken. Prost. Da ist mir also Italien viel näher. Ich werde Ihnen dann eine Postkarte schreiben. Bittegerngscheh.

Dienstag, 26. Mai 2020

Lieber Herr Berset. Nach einem Gottesdienst in einer Baptistengemeinde in Frankfurt haben sich über 100 Teilnehmer mit Covid-19 infiziert. Sie haben sich vermutlich den Frieden mit Handschlag gewünscht und gesungen, dass es Gott erbarmt. Ohne Mundschutz. Das würde bei uns katholischen Katholiken niemals passieren, nicht wahr? Wobei die Feuerprobe steht uns ja noch bevor, an Pfingsten öffnen die Gotteshäuser wieder ihre Pforten für heilige Messen. Dann schauma mal, wie es sich bei uns verhält. Bis dahin haben vereinzelte Kirchen ja die Kommunion to go angeboten. Das ist natürlich keine Selbstbedienung gewesen, wo jeder am Altar nach einer Büchse greifen kann, nein, Sie müssen es sich eher wie bei Mac Donalds vorstellen, sozusagen eine Art Mac Christ. Sie gehen in die Kirche hinein und bestellen das Menu Hostie einfach und schon erhalten Sie von einem Seelsorger ein Dösli mit einer Hostie drin. Wenn Sie mögen, ordern Sie noch ein Getränk dazu und Sie bekommen eine Flasche Weihwasser obendrauf. Praktischerweise gibt es auch die Drive-in Variante, da fahren Sie einmal mit dem Auto um die Kirche herum, halten unterm Sakristei-Fenster an und geben Ihre Wünsche auf. Auch hier ists wie bei Mac Donald, Sie müssen mit Wartezeiten rechnen. Und nein, die katholische Kirche fragt nicht nach Ihrem Namen und auch nicht nach Ihrer Telefonnummer. Hat das damit zu tun, dass Covid-19 nicht katholisch ist? Oder wissen Sie warum? Merciviumau.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Lieber Herr Berset. Eben habe ich fürs Znacht ein paar Rüebli gerüstet, da muss man ja nicht viel dabei denken. Da stolperte plötzlich der Gedanke in mein Hirn, dass einzelne Buchstaben in diesen Tagen mehr Gewicht haben als andere. Das mag vielleicht eine Verschwörungstheorie sein, aber denken Sie bloss an das R, das wird zurzeit in allen Medien erwähnt, so als R-Wert oder R-Zahl zum Beispiel. Tausche ich es gegen ein B aus, ist der Wert vermutlich auf null gesunken. Ausser in meinem Fall beim Rüsten, da hätte ich auf einmal ein Büebli in der Hand. Und aus dem Muttertag würde flugs ein Buttertag. Stellen Sie sich vor, wie die Butterlobby und das Buttermeitli Sarina Arnold sich freuen könnten. Einen ganzen Tag lang alles in Butter: Vorzugsbutter, Kochbutter, Käsereibutter, Bratbutter! Oder das B schleicht sie in ein Wort hinein, das geht ja auch, und so wird aus dem Anstand zack, ein Abstand. Kürzlich habe ich in der Migros eine Freundin getroffen und zwischen Raviolibüchsen und Teigwaren auf Distanz gesprochen, wie toll es ist, dass wir jetzt wieder auswärts essen gehen und uns in einer Bar an einem Tisch festhalten können. Was uns jedoch nicht ganz klar ist: Weshalb müssen wir bereits um 24 Uhr nach Hause? Ist das Coronavirus erst ab Mitternacht so richtig aktiv? Oder braucht auch ein Virus mal eine Ruhepause? Merciviumau und bleiben Sie und wir weiterhin gesund.

Sonntag, 10. Mai 2020

Lieber Herr Berset. Was für einen prächtigen Muttertag haben Sie uns doch ermöglicht. Stellen Sie sich den Andrang in den Restaurants vor, hätten diese heut schon öffnen können. Nun aber haben Sie uns nochmals zu einem Tag im Freien ohne Konsumzwang verholfen. So bin ich heute Mittag zur brütenden Sonnenhitze losgerannt, um ein wenig zu schwitzen, denn, so hat ja schon Donald Trump geraten, geht an die Sonne, die Hitze tötet das Virus oder legt euch ins Solarium! Sein privates im Westflügel des Weissen Hauses hat er generös seinen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt. Mindestens drei davon sind jetzt Covid-19 positiv getestet worden. Stand heute in der Sonntagszeitung. Aber vielleicht ja Fake News. Und wie ich so renne und schwitze und den Viren trotze, kommt es mir: Seit Jahren leide ich an Wallungen, lieber Herr Berset, das könnte ja heissen, das dieses Virus bei mir mehrmals am Tag sowieso vernichtet würde, oder? Also ohne Joggen an der Sonne? Und no öppis: Beim letzten Schreiben an Sie hab ich mich wohl es bitzli deprimiert gezeigt, dabei steht bei mir alles bestens. Und ich muss auch niemanden von Ihrem Mitarbeiterstab haben, der bei mir in der Küche hilft. Unsere Küche ist gerade so gross, dass sich bloss ein halber Mensch darin aufhalten könnte. Das könnte also schwierig werden. Ausser, Sie hätten bei sich oben in Bern vielleicht einen halben Bundesrat, dann würd ich sagen, ok, schicken Sie ihn mal. Ansonsten: gut so wies ist und morgen gehen wir auswärts essen! Ins Lieblingsrestaurant! Yeah und merciviumau!!

Dienstag, 5. Mai 2020

Lieber Herr Berset. Jetzt sitze ich schon recht lange dihei im Homeoffice, habe mich unter anderem sinnvoll weitergebildet und meinen Laptop stets am Küchentisch platziert. Das ist ziemlich praktisch, weil der Herd ja ganz nah ist. Die Rezepte gehen mir aus, aber grad noch bis zum Muttertag sollte es reichen. Ein Glück gehen dann am Montag endlich die Restaurants wieder auf. Wir müssen einfach unseren Namen und die Telefonnummer angeben, wenn wir einen Tisch reservieren wollen. Unter uns gesagt: Wir haben das auch schon vor Corona gemacht. Easy. Das Servicepersonal braucht keine Schutzmaske, haben Sie heute ebenfalls gesagt, wenn sie die Teller in Plastikhandschuhen am leeren Nachbartisch abstellen. Und wir mit Plastikhandschuhen danach greifen. Also nach dem Teller, nicht nach dem Kellner. Einzig unklar: Muss ich beim Essen eine Maske tragen? Und wohin nun mit dem vielen Plastik? Merciviumau.

Donnerstag, 30. April 2020

Lieber Herr Berset. Ich habe nun ein schönes Ganzkörper-Tattoo und mir die Haare zurechtstutzen lassen, im Baumarkt ein neues Lavabo und im Gartencenter Geranien gekauft. Ich würde sagen, ich bin wieder ein ordentlicher Mensch. Also glaubs. Bald darf ich auch wieder in ein Restaurant sitzen, mit Abstand zum Nachbartisch, wo vielleicht grad der Ueli Maurer isst. Kä Luscht, würde er mir sagen, sollte ich ihn was fragen. Ich denke, bald ist wieder alles, wies mal war. Merciviumau und allen einen guten 1. Mai. Hoffentlich ohne Krawall. Oder wenn, dann nur vermummt. Einfach wegen der Ansteckungsgefahr. Ah neiiii!!!

Sonntag, 26. April 2020

Lieber Herr Berset. Heut ist Sonntag. Also glaubs. Oder Samstag? Freitag? Egal. Was ich aber weiss: am Montag öffnen die Coiffeure ihre Scheren und die Gartencenter verkaufen ihre Kräutertöpfli und es bitz Humus. Das hilft vielleicht nicht gegen Corona, aber zumindest hebt es die eine oder andere Moral. Merciviumau. Und danke ebenso, dass Sie uns nicht raten, Desinfektionsmittel zu trinken. Auch wenn sie auf Ginbasis hergestellt sind. Achtung: Sarkasmus! Wobei, so ein Gin Tonic wäre jetzt sicher nicht schlecht...

Freitag, 17. April 2020

Lieber Herr Berset. Am kommenden Montag würde das Sechseläuten stattfinden. Sie wissen schon, das ist der grosse Zürcher Feiertag, da reiten erwachsene Männer in Strumpfhosen hoch zu Ross um einen brennenden Scheiterhaufen, auf welchem zuoberst ein Styroporschneemann namens Böögg steht. Je schneller sein Kopf explodiert, desto schöner wird der Sommer. Ich schwörs. Nun aber darf dieses wichtige Ereignis nicht stattfinden, sagen Sie. Und die Zürcher erhalten damit auch keinen freien Tag geschenkt, den sie hätten zu Hause verbringen können. Ok, dann bleiben wir halt einfach so dihei. Aber fast noch wichtiger: Wie wird denn nun der Sommer 2020? Merciviumau.

Montag, 13. April 2020

Lieber Herr Berset. Wir haben am Freitagmorgen kurz überlegt, ob wir nicht in unser Ferienhaus ins Tessin fahren sollten. Weils so wenig Verkehr hatte. Dann aber kam uns noch rechtzeitig in den Sinn, dass wir ja gar kein Ferienhaus im Tessin haben. Um die Hecken zu schneiden. Oder der Zia Maria den Einkauf vor die Türe zu legen. Also sind wir daheim geblieben. Wie Sie es uns geraten haben. Immerhin ist mir die Decke hier nur einmal auf den Kopf gefallen: Von Karfreitag bis Ostermontag. Man muss es ja auch mal positiv sehen. Merciviumau.

Dienstag, 7. April 2020

Lieber Herr Berset. Gestern habe ich gelesen, dass ein indisches Elternpaar ihren am 27. März geborenen Zwillingen etwas ungewöhnliche Vor-, doch in der jetzigen Zeit recht geläufige Namen gegeben hat: Corona und Covid. Ehrlich wahr. Meine Frage: Kann das ein gesunder Start ins Leben sein? Vielleicht müssen Sie noch wissen, wie die Eltern heissen: Gin und Tonic. Wobei ich jetzt gegen einen solchen auch nichts hätte... Merciviumau.

Freitag, 3. April 2020

Lieber Herr Berset. Wir brauchen also keinen Maskenschutz, haben Sie gesagt, nicht, weil wir keine Masken haben, sondern weil das mit dem Schutz noch in keiner Studie belegt ist. So werden wir weiterhin vor dem Einkaufen dihei tief einatmen und erst nach dem Verlassen des Lebensmittelladens wieder ausatmen. Wenn möglich in keine fremden Gesichter. Was mir aber noch immer fehlt, ist Ihre Empfehlung zur häuslichen Quarantäne für den Nachbarn, Sie wissen schon, der mit dem Laubbläser. Da wäre ich Ihnen sehr verbunden. Merciviumau!

Freitag, 27. März 2020

Lieber Herr Berset. Nein, wir fahren über Ostern nicht ins Tessin. Bittegerngscheh. Wir halten uns im Prinzip sowieso an alles, was Sie empfehlen. Aber öppis hätte ich doch noch: können Sie nicht auch die Laubbläser unter die Corona-Guillotine legen? Merciviumau! Und ein schönes Wochende!

Samstag, 21. März 2020

Lieber Herr Berset. Jetzt war ich eben in der Migros meines Vertrauens. Mit Klebebändern am Boden, die für den nötigen Abstand sorgen, ist sie bestens ausgerüstet. Auch, dass nur noch ein Kunde pro 10 qm Ladenfläche eintreten darf, ist eine gute Sache. Problemtisch nur, wenn sich dann 50 Kunden gleichzeitig über die Gurken beugen oder den Kopf in den Salat stecken. Vielleicht müssten Sie das auch noch kommunizieren. Oder veranlassen, dass die Gurken in die Regale der WC-Papiere eingefüllt werden. Dort hats ja jetzt ja genügend Platz. Merciviumau!

Donnerstag, 19. März 2020

Lieber Herr Berset. Sagen Sie uns doch bitte nochmals laut und deutlich, dass die Versorung mit Nahrungsmitteln für alle sicher gestellt ist. Dabei könnten Sie noch erwähnen, dass Rösti im Beutel und Büchsenravioli bestimmt Verstopfung verursachen und man daher nicht drei Tonnen Toilettenpapier pro Person im Haushalt bunkern soll. Merciviumau.

Mittwoch, 29. Januar 2020

Meghan-Marklen wir mal es bitz


Neulich habe ich einen interessanten Artikel im Tages-Anzeiger gelesen: To Meghan-Markle ist jetzt ein Verb. Es bedeutet: «Dich selbst und deine geistige Gesundheit genügend wertzuschätzen, um einen Raum/eine Situation/eine Umgebung zu verlassen, wenn dein authentisches Selbst nicht willkommen oder erwünscht ist.» Aha.

Jetzt haben wir ja erst noch von Megxit gesprochen und damit die neue Prinzen-Rolle gemeint, die Harry mit seiner Meghan und klein Archie ausübt, da sie ja das königliche Nest in England verlassen und nach Kanada ziehen, wo sie niemand kennt. Oder dass die britische Presse ein regelrechtes Bashing mit Meghan betrieben hat, das sogenannte Mashing. Und nun reden wir von to Meghan-Markle beziehungsweise wir Meghan-Marklen mal oder wenns schon passiert ist, dann haben wir ge-Meghan-Markled! Ha ha, wie praktisch ist denn dieses Verb?

Der Tagi klärt mich auf, dass es so öppis schon immer gegeben hat, Eponyme heissen diese Wörter. Wie zum Beispiel das Papiertaschentuch, das wir kurz Tempo nennen und damit nicht die Geschwindigkeit meinen. Oder besser: wenn wir uns beim Arzt mit Schürzen schützen gegen die Strahlen, die ein gewisser Wilhelm Konrad Röntgen entdeckt hat, lassen wir uns röntgen.  

Aber hey, es bieten sich ja noch andere, aktuellere Königsmitglieder an, aus denen wir Verben basteln können: Wenn du ewig auf etwas wartest, zum Beispiel auf eine Krone, dann heissts, ich bin grad am Prinz-Charlesen. Sitzt du mit 98 Jahren noch hinterm Steuer und baust einen Unfall, ist das voll ge-Prinz-Philipped. Bewegst du dich unerlaubt unterhalb von jungen Gürtellinien, ist das ge-Prinz-Andrewed. Oder einfach: ge-schmacklos und ge-rusig!