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Dienstag, 12. Oktober 2010
Im Haus der Freiheit
Unglaublich ist das, Eveline flieht aus ihrem Justiz- und Polizeidepartement und sucht Asyl im Finanzdepartement! Und ich frage mich, warum bloss hat sie das gemacht? Will sie partout nicht mehr länger im Bundesrat bleiben als bis zu den nächsten Wahlen? Christian Levrat sitzt am Stammtisch mitten im sonnigen Haus der Freiheit. Er schüttelt den Kopf. Non merci, er will auch keinen naturtrüben Most, den ihm Toni Brunner vor die Nase hält. Lieber etwas Klares, spricht Christian zu seinem Gastwirt, er wolle jetzt alle seine Sinne beisammen halten. Toni lächelt und stellt eine schöne Flasche Obstler auf den Tisch. Ja, ja, die Sinne, die können manchmal schnell abhanden kommen. Auch er kenne das Problem. Mit der Eveline. Jedoch seine Partei hatte einfach kurzen Prozess mit dieser Verräterin gemacht. Christian nickt, oui, je sais, ihr habt sie gevierteilt und aus euren Reihen gekippt, aber wir von der SP leben nicht mehr im Mittelalter. Wir hatten da eher etwas Zeitgemässes im Sinn, einen kleinen Sprengstoffanschlag auf ihr Heim in Felsberg. Das war dann schwieriger als gedacht, bei den vielen Häusern kommt man leicht durcheinander. So bleibt uns nur, Madame Eveline nächstes Jahr nicht mehr zu wählen. Auf das trinken wir, gluckst ein glücklicher Toni, die Wahlvorbereitungen könnten nicht besser laufen. Sie gönnen sich beide einen grossen Schluck sauberes Obstwasser. Micheline hätte das Finanzdepartement übernehmen können, von mir aus die Eveline als ihre Stellvertreterin. Jetzt ist es vice versa. Pas bien. Und Calmy muss weiterhin ins Ausland reisen, mon dieu, wie wird sich Gaddafi freuen. Ich hätte es euch schriftlich geben können, flüstert Toni dem Christian zu, Parteipräsidenten unter sich müssen schliesslich zusammenhalten, dass sie keine Linke ist, da habt ihr Brüder euch wohl selbst ein Ei gelegt. In euer sozialdemokratisches Nest. Ein Kuckucksei, un oeuf de coucou, lacht Toni laut und schenkt Freund Christian ein weiteres Obstwässerchen ein. Mon dieu und jetzt ist das Vögelchen geschlüpft und schaut erschrocken aus dem Nest, wie der Uhu nach dem Waldrand, sagt Christian nicht mehr ganz so deutlich. Sprecht ihr von mir, fragt Fulvio Pelli, der eben in die Wirtsstube tritt. Och, raunt Levrat, der hat mir gerade noch gefehlt. Non, non, wir haben wichtigere Themen als Lügengeschichten aus dem Malcantone. Toni steht auf, begrüsst den FDPler gut gelaunt, ist es doch Brunners fulminante Idee, die beiden Streithähne auf einem aktiven, unabhängigen und neutralen SVP-Boden zusammen zu bringen. Fulvio nimmt seine beschlagene Brille ab, das passiert ihm oft, dass der klare Durchblick fehlt, wenn er einen Raum betritt. Nimm einen Schluck Freiheitswasser, amico mio, begrüsst Toni seinen Gast, sichtlich stolz darauf, auch die italienische Sprache zu beherrschen. Ich verzichte im Moment auf die Strafanzeige, beginnt Pelli, während er sich Levrat gegenüber setzt. Und ich hätte mich diplomatischer ausdrücken sollen, entgegnet dieser. Sie umarmen sich schweigend, dazu braucht es tatsächlich keine Worte mehr. Pelli nimmt die Brille ab und wischt eine Träne der Rührung weg: Wisst ihr, meine Freunde, das Ganze war nämlich nur gut gemeint von unserem Hans-Ruedi Merz, als er den Kollegen seine Nachfolge-Empfehlung vorgeschlagen hat: Bü..Bü..Bündnerfleisch!
Samstag, 16. Januar 2010
Zweifel an Zweifel?
Ich denk, dass dein gutes Aussehen allein genügt, um als SVP-Kandidat in den Zürcher Stadtrat gewählt zu werden, sag ich zu Karl Zweifel, als er mir ein Päckchen Zweifel-Chips und seine Wahlempfehlung „Kein Zweifel an Zweifel: Zweifel im Stadtrat!“ in die Hand drückt. Klar, antwortet Karl, mein langes, schwarzes Haar, mein unverschämter Charme, mein Charisma, meine Schönheit halt, deswegen werden mich sehr viele Frauen, und vermutlich einige Männer, wählen, gibt er unumwunden zu. Er habe zudem eine verblüffende Ähnlichkeit mit Gilles Tschudi, ergänzt Zweifel stolz. Du meinst diesen Schweizer Schauspieler, der auf fiese Rollen abonniert ist, der gerne böse ist im Schweizer Film und somit schlägst du die Brücke zur SVP, bring ich meine Zweifel an Zweifel. Tschudi mimte den Ospel in Grounding und Ospel ist ein Freund von Blocher, klärt mich Zweifel auf. Und im letzten Tatort spielte Tschudi den Waffenhändler Hutter, Hutter Jasmin gehört zur SVP, somit schliesst sich der Kreis, lacht Karl. Trotzdem, auf meine Schönheit allein darf ich mich nicht verlassen, ich muss auch noch ein paar gute Inhalte bringen, meinen Intellekt beweisen, sinniert er weiter. Verräterinnen, wie Eveline Widmer-Schlumpf eine ist, hätte man im Mittelalter gevierteilt. Ein Abreissen von Körperteilen der Verurteilten, indem Pferde in unterschiedliche Richtungen zerrten, präzisiert Karl, und ich wäre einer der vier Reiter gewesen! Mit zusammengekniffenen Tschudi-Augen schaut er mich an. Ich würde mich doch lieber aufs Aussehen verlassen, rate ich ihm zum Abschied und öffne die Zweifel-Chips. Oh, selbst da wenig Inhalt drin, aber immerhin etwas...
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Donnerstag, 26. November 2009
Polanski am Fuss gefesselt!
Das ist jetzt natürlich alles streng geheim, vertraut mir Ueli Maurer an. Angehörige seiner Armee werden Roman Polanski die Fussfessel umlegen, ihn nach Gstaad bringen und in sein Häuschen verbannen. Ein paar Soldaten warten im Garten, dies jedoch nur pro forma. Polanski bewegt sich schliesslich in seinem Chalet als freier Mann, kann machen, was, wo und mit wem er will. Selbst Carli Hirschmann könnte er einladen, auch in Gstaad kein unbeschriebenes Blatt, lacht Ueli. Die Kontrolle seiner Schritte überwacht Kollega Widmer-Schlumpf eigenhändig, ein GPS am Fussgelenk demzufolge unnötig. Die 20 Franken pro Tag ans Messgerät zahlt Polanski übrigens aus eigenem Sack. Chapeau. Das würde nicht jeder machen. Und zudem hat er sich verpflichtet, seine Ausweispapiere bei der Kantonspolizei Zürich zu deponieren, die Fluchtgefahr sozusagen ausgeschlossen. Wozu denn die 4,5 Millionen Franken Kaution, frag ich. Die hat Polanskis Anwalt in meinem Departement deponiert, wird Polanski nun doch über den Gartenzaun abhaun, dann fliessen diese Millionen in mein Armeebudget. So komm ich doch noch zu zusätzlichen Geldmitteln und Christoph wird stolz auf mich sein, strahlt Ueli mich an, salutiert, steigt auf sein Velo und fährt davon.
Dienstag, 13. Oktober 2009
Polansiks viele Stimmen
Was haben wir doch in den letzten Tagen nicht alles gehört und gelesen, was mit dem armen Künstler passiert ist, fast jeder und jede hat sich sich zur Affäre geäussert. Einen Roman könnte man darüber schreiben. Den Polanski Roman.
Die Liste seiner Unterstützer ist lang. Und prominent. Rolf Lyssy, der Schweizermacher-Macher, ist von Romans Unschuld überzeugt. Hat er doch die Polanski-Autobiografie gelesen und weiss daher, dass das damalige Verbrechen an diesem dreizehnjährigen Mädchen eher eine verdrehte Geschichte ist, in der Polanski am Ende beinahe verführt wurde. Das Opfer der Täter? So wie der Gärtner immer der Mörder ist? Bevor er zum Bock wurde? Ein dreizehnjähriges Mädchen soll auch nicht allein in einem fremden Haus mit einem fremden Mann in einem fremden Whirpool sitzen, es soll nicht Champagner trinken und auch keine Drogen nehmen. Das kann nicht gut gehen. Aber deswegen von einem Schwerstverbrechen sprechen? Nein, findet Herr Lyssy, ein Schwerstverbrechen ist vielleicht Mord. Und schon sind wir wieder beim Gärtner, dem Bock. Der Zeitpunkt von Polanskis Verhaftung ist willkürlich, klönt Daniel Binswanger, der grosse Schreiber (zirka zwei Meter) im Magazin des Tagesanzeigers, Willkür ist das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit, die Verhaftung mithin verwerflich. Von mangelndem Feingefühl spricht unsre Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Roger de Weck schielt auf das amerikanische Rechtsverständnis, die Ungleichbehandlung von Angeklagten sei enorm, die US-Justiz wenig Vertrauen einflössend, vom Strafvollzug ganz zu schweigen. Man dürfe drum den Roman diesem Schurkenstaat nicht ausliefern. Und Alt-Bundesrat Christoph Blocher beanstandet das Verhalten seiner Nachfolgerin Eveline Widmer-Schlumpf. In einer Kosten-Nutzen-Rechnung zahle die Schweiz nur drauf, wettert Blocher, der Imageschaden ist im Ausland viel zu gross, folglich hätte er ihn selbst vor der Einreise gewarnt, um die Verhaftung zu vermeiden. Fragt sich der Bürger, ob er sich in seiner verkürzten Amtszeit öfters so aktiv um das Image der Schweiz gesorgt hat? Jedoch diese Rechtspraxis wird von seiner Nachfolgerin nicht befolgt. Schliesslich, stellt Widmer-Schlumpf fest, gelte das Gesetz für jeden gleich. Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger will nichts von einer Vorzugsbehandlung für Polanski wissen, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen, redet er mit sonorer Stimme. Steve Lopez, ein amerikanischer Journalist, hat sich die Mühe gemacht, die „Gerichtsakten Polanski“ aus den Siebziegerjahren in Los Angeles zu studieren. Je länger er las, desto zorniger ist er geworden. Vielleicht auch, weil er selbst Vater einer Tochter ist. Wie Bänz Friedli, der Migros-Hausmann: Ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder. Und Marco Rima: Wer vergewaltigt, gehört in den Knast!
Alle haben sie also etwas dazu gesagt. Prominent und weniger. In Funk und Fernsehen und Zeitungen. Nur mich hat niemand gefragt...
Die Liste seiner Unterstützer ist lang. Und prominent. Rolf Lyssy, der Schweizermacher-Macher, ist von Romans Unschuld überzeugt. Hat er doch die Polanski-Autobiografie gelesen und weiss daher, dass das damalige Verbrechen an diesem dreizehnjährigen Mädchen eher eine verdrehte Geschichte ist, in der Polanski am Ende beinahe verführt wurde. Das Opfer der Täter? So wie der Gärtner immer der Mörder ist? Bevor er zum Bock wurde? Ein dreizehnjähriges Mädchen soll auch nicht allein in einem fremden Haus mit einem fremden Mann in einem fremden Whirpool sitzen, es soll nicht Champagner trinken und auch keine Drogen nehmen. Das kann nicht gut gehen. Aber deswegen von einem Schwerstverbrechen sprechen? Nein, findet Herr Lyssy, ein Schwerstverbrechen ist vielleicht Mord. Und schon sind wir wieder beim Gärtner, dem Bock. Der Zeitpunkt von Polanskis Verhaftung ist willkürlich, klönt Daniel Binswanger, der grosse Schreiber (zirka zwei Meter) im Magazin des Tagesanzeigers, Willkür ist das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit, die Verhaftung mithin verwerflich. Von mangelndem Feingefühl spricht unsre Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Roger de Weck schielt auf das amerikanische Rechtsverständnis, die Ungleichbehandlung von Angeklagten sei enorm, die US-Justiz wenig Vertrauen einflössend, vom Strafvollzug ganz zu schweigen. Man dürfe drum den Roman diesem Schurkenstaat nicht ausliefern. Und Alt-Bundesrat Christoph Blocher beanstandet das Verhalten seiner Nachfolgerin Eveline Widmer-Schlumpf. In einer Kosten-Nutzen-Rechnung zahle die Schweiz nur drauf, wettert Blocher, der Imageschaden ist im Ausland viel zu gross, folglich hätte er ihn selbst vor der Einreise gewarnt, um die Verhaftung zu vermeiden. Fragt sich der Bürger, ob er sich in seiner verkürzten Amtszeit öfters so aktiv um das Image der Schweiz gesorgt hat? Jedoch diese Rechtspraxis wird von seiner Nachfolgerin nicht befolgt. Schliesslich, stellt Widmer-Schlumpf fest, gelte das Gesetz für jeden gleich. Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger will nichts von einer Vorzugsbehandlung für Polanski wissen, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen, redet er mit sonorer Stimme. Steve Lopez, ein amerikanischer Journalist, hat sich die Mühe gemacht, die „Gerichtsakten Polanski“ aus den Siebziegerjahren in Los Angeles zu studieren. Je länger er las, desto zorniger ist er geworden. Vielleicht auch, weil er selbst Vater einer Tochter ist. Wie Bänz Friedli, der Migros-Hausmann: Ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder. Und Marco Rima: Wer vergewaltigt, gehört in den Knast!
Alle haben sie also etwas dazu gesagt. Prominent und weniger. In Funk und Fernsehen und Zeitungen. Nur mich hat niemand gefragt...
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