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Samstag, 5. November 2016

Morsezeichen: Altersmilde


Illustration: Marisa Meroni
Längst ist es dunkel draussen. Die Lichter flimmern überm Zürichsee. Eines gar besonders stark und zack, wie eine Kerze stehe ich am Fenster und greife zur Taschenlampe! Silvia, leuchte ich aufgeregt, natürlich bin ich noch wach! Wie geht es dir denn dort drüben an der Goldküste? Seit Jahren senden wir uns immer wieder Botschaften zu, mittlerweile, so darf ichs hier sagen, ist Silvia eine alte Freundin für mich.

Silvia schaut also durch die riesige Fensterfront in ihrem grossen Wohnzimmer, schaltet die Stehlampe ein, aus, ein, aus: Ich mache mir Sorgen, Christoph hat sich verändert, ist nicht mehr der alte. Er hustet viel, schnäuzt sich laut und ungeniert in der Öffentlichkeit, sein Speichel rinnt manchmal dem Mundwinkel entlang, ohne dass er es merkt. Und hören tut er nur noch das, was er will. Meinst du, er ist tatsächlich alt geworden, mein Christoph?

Ich schlucke leer, ui, hat das Alter tatsächlich den Christoph eingeholt? Ich will was Tröstendes antworten, vonwegen ich hör doch auch as biz schlecht, darum morse ich lieber mit dir statt zu telefonieren...

Da blinkts bereits erneut von Herrliberg herüber: Eben hab ich eine neue Ausgabe von Teleblocher angeschaut, du weisst, Christophs wöchentliche und wichtige Sendung. Christoph sitzt zusammen mit Matthias Ackeret im grossen, wunderbar aufgeräumten Salon auf den goldenen Luis-Quinze-Stühlen, über ihnen unsre Anker- und Hodler-Sammlung, Originale, wohlverstanden. Das ist wirkt alles sehr schön und stimmig, dann aber klopft sich Christoph auf seine Schenkel und spricht vom Sexskandal in Basels Verkehrsbetrieben! Ha, ha, Ackeret, tschäggsch, Verkehr und Sex, grölt er laut. Doktor Ackeret hat sofort das schlüpfrige Terrain verlassen und auf den Markus Somm übergeleitet, ein hervorragender Chefredaktor, der übrigens Christophs Diktate stets fehlerfrei niederschreibt und dort in Basel mit unserer BaZ zum Rechten schaut! Apropos, letzte Woche hat Christoph eine Horde Neonazis, die ein Konzert im Sankt Gallischen gefeiert haben, gelobt, weil sie das Ganze sauber und anständig über die Bühne gebracht und die Ortschaft hinterlassen haben, ohne dass jemand zu Schaden gekommen ist. Rechtschaffene Leute seien das, meint Christoph, nur die Medien verdrehen mal wieder alles und bringen bloss das zu Papier, was sie wollen. Dass das ähnlich ist wie mit seinem Gehör, hat mein Christoph natürlich überhört. Blocher unterstützt die Nazis, haben die Zeitungen geschrieben. Wenn die wüssten, hat Christoph laut gelacht und kurzerhand die rechten Brüder eingeladen, in unser Kloster Rheinau einzukehren, um dort zu musizieren. Wo gesungen wird, da lass dich nieder, hat er gesagt, böse Menschen kenne keine Lieder! Verstehst du, angegraute Glatzköpfe, die nun von unsrer Stiftung unterstützt werden, um der klassischen Musik zu frönen? Hallo? Und ich soll mich jetzt etwa nicht sorgen?

Dann wirds finster. Meine Augen brennen, die Gleitsichtbrille taugt in der Dunkelheit nicht viel. Der Rücken schmerzt vom langen Stehen am Fenster. Ich will noch kurz etwas zurückleuchten, doch dann hab ich vergessen, was. Gute Nacht? Vielleicht wars das, man wird halt auch nicht jünger.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Schlossgespräche: Die Nacht der langen Messer

Tief unten drängt sich der Rhein am Felsen vorbei, die feuchte Kälte klettert langsam hoch und dringt in die alten Gemäuer des Schlosses Rhäzüns ein. Im Innenhof bückt sich Christoph Mörgeli, in einen dicken Wintermantel gehüllt, etwas ungelenk über die Rosenstöcke und klaubt vereinzelte braune, leicht verfaulte Blätter von den Dornen. Seit er nicht mehr seine Zeit im Nationalrat verplempern muss, ist er viel häufiger im Schloss anzutreffen, sehr zur Freude von Silvia, die nie genug Christophs um sich versammelt haben kann, wie sie manchmal scherzt. Mörgeli, ruft Christoph Blocher aus dem Fenster des Herrenzimmers, schau schnell ins Verlies, obs etwas Wasser und Brot braucht und komm danach hoch zu uns, unsre Strategiesitzung fängt jetzt an! Im Zimmer versammelt sind Adrian Amstutz, der Fraktionschef, der diese Tage über sich hinauswächst, wie Blocher freudig festgestellt hat, sämtliche Antworten, die Christoph dem Amstutz aufgeschrieben und dieser der Presse zum Thema Dreier-Ticket Bundesratskandidaten wiedergegeben hat, waren ohne Abweichungen 1:1 zum Originaltext. Das beweist, dass Amstutz nun schon viel besser lesen kann, als noch zu Beginn seiner Zeit als Präsident der Fraktion. Toni Brunner, als Protokollführer der Schlosssitzungen mit Block und Bleistift bewaffnet, läuft zu seiner persönlichen Bestform auf, seit er mit seinen Zeichnungen die wichtigsten Beschlüsse festhalten kann. Die Parteileitung hat seither viel mehr Respekt vor ihm. Konzentriert malt er eine Sonne mit drei aufrechten und zwei leicht geknickten Strahlen. Ein schwörendes SVP-Bundesratssünneli. Roger Köppel zu seiner rechten schüttelt den Kopf. Infantilismus ist die Vorstufe der kompletten Idiotie, raunt er leise seiner Nachbarin Magdalena ins Ohr. Hä, Mister Köppel, wot häv yu, krächzt sie, können wir nicht endlich loslegen, wir brauchen hier gar keinen Beamer!
Die Wahlfreiheit des Parlaments haben wir zum Glück eingeschränkt, beginnt Blocher, möchte ja nicht wissen, wen sie dort oben in Bern als Bundesrat auf die Zettel schreiben würden, am Ende vermutlich gar mich! Die besten Kandidaten wären selbstverständlich meine Magdi oder der Köppel gewesen, referiert Christoph weiter, doch übt euch in Geduld, in vier Jahren ist es so weit. Dieser neue Bundesrat aber ist zweite Wahl und ein Strohmann, er wird von mir täglich instruiert, sonst wäre er natürlich nur ein halber Bundesrat, klärt Blocher lachend auf. Kaum hat Toni das Strichmännchen fertig gezeichnet, muss er es bereits wieder halbieren. Aufpassen müssen wir einzig auf die Sprengkandidaten aus unseren Reihen, warnt Blocher. In diesem Moment tritt Mörgeli mit einem langen Messer ins Herrenzimmer. Germann, Hurter und Brand sind nach wie vor angekettet unten im Verlies, berichtet Mörgeli, einzig fehlt die Widmer Gysel, sie hat sich befreien können und ist auf der Flucht! Blocher wird bleich und lässt sich auf seinen Stuhl sinken. Nicht schon wieder eine Widmer, die ihm Ärger macht!

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Schlossgespräche: Ross und Reiter

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, schimpft Christoph Blocher und schaut streng in die Runde. Eine ausserordentliche Sitzung im Schloss Rhäzüns ist einberufen. Draussen pfeift der Herbststurm hässig um die Mauern und rüttelt an den Fenstern. Drinnen im Herrenzimmer sitzen Amstutz, Mörgeli, Köppel, Brunner und Martullo am polierten Eichentisch. Letztere natürlich neben ihrem Vater. Dass wir die Wahlen gewinnen ist sonnenklar, fährt Blocher fort, wir müssen uns heute einzig auf den zweiten Bundesrat einigen, damit wir alles zackig vorwärts bringen, dort oben in Bern. Nicht so schnell, ruft ein sichtlich aufgeregter Toni Brunner, es ist doch meine erste Sitzung als Protokollführer! Christoph hat ihm einen Laptop hingestellt. Mit einem ausgeklügelten Rechtschreibeprogramm. Doch als hätte ers geahnt, wie langsam Tonis Finger über der Tastatur kreisen, liegt daneben noch ein Notizblock bereit. Ein Sünneli hat der Brunner Toni nun schon darauf gemalt und dahinter ein Fragezeichen. Das steht für Bundesrat, klärt er den Roger Köppel auf, der ein wenig konsterniert auf das sonst noch leere Blatt Papier schielt. Köppel räuspert sich, drückt seine Brille auf dem Nasenrücken zurecht und als er gerade zu einer brillanten Rede ansetzen will, winkt Magdalena Martullo ab. Roger, spar dir deine schlauen Worte für den Nationalrat auf. Was wir hier suchen ist der neue, der richtige Bundesrat aus unserer Reihe, komm, machen wir doch grad mal eine Übung dazu: Was würdest du tun, wenn du als Bundesrat eine Präsentation machen willst und dein Beamer ist kaputt? Hä? Mister Köppel, was würdest du tun? Hä, Mister Amstutz? Brunner Toni kaut angespannt auf dem Bleistift herum, das Sünneli hat er durchgestrichen und „kaputt“ darunter gekritzelt. Hä, Mister Mörgeli, doppelt Martullo nach, what is se first sing to do? Vater Christoph lehnt sich entspannt in seinen Louis-quinze-Stuhl zurück, schon gut hat er seine Magdi ins Ausland geschickt, das Internationale verkörpert sie helvetisch souverän, logisch, se apple does not fall far from se tree! Amstutz schnaubt und streicht sich eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht. Mörgeli neben ihm lächelt süffisant, seit ich meine Haare färbe, sehe ich aus wie neununddreissig und selbst meine Freundinnen werden immer jünger, verstehst du? Martullo blafft ihn an: Mister Mörgeli, wenn du hier nichts zur Lösung beitragen kannst, dann hör gefälligst auf zu tuscheln! Die Herren schweigen. If you have a problem you need to fix it!, hilft Martullo ihnen auf die Sprünge. Ich könnte mich leicht als Bundesrat wählen lassen, versucht Amstutz sich zu erklären, man nennt mich schliesslich den Alpen-Richard-Gere, die Frauen vom ganzen Berner Oberland stehen hinter mir, doch als Fraktionspräsident unserer Partei kann ich ja nicht gleichzeitig Ross und Reiter sein! Ha, ha, schnaubt Martullo verächtlich, damit hat unsereins kein Problem, ich gehe locker als Ross durch und reiten kann ich auch! Und da wirds den Männern in der Runde schlagartig klar, dass sie nur Steigbügelhalter für die neue Bundesrätin sind! Während Köppel verbissen auf seiner Unterlippe kaut, Amstutz und Mörgeli blutleer auf ihren Stühlen kleben, applaudiert Christoph seiner Tochter. Inzwischen hat Toni konzentriert ein stämmiges Pferd gezeichnet. Das Protokoll ist jetzt fertig, strahlt er stolz.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Morsezeichen: Es weihnachtet sehr, Herr Fehr

Dunkel ists draussen. Ich blicke aus dem Fenster direkt in die vielen Lichter, die weihnächtlich blinken. Eine wahre Freude ists. Doch auf einmal erkenne ich, dass das Leuchten nicht nur christlich ist, es mischen sich auch ein paar Morsezeichen meiner Freundin Silvia darunter. Wir tauschen uns ja regelmässig aus. Über Gott und die Welt. Quer über den See. So steht Silvia am Wohnzimmerfenster hoch über Herrliberg und zieht an ihrer Leuchte. Christoph derweil sitzt neben ihr und ich bin etwas verunsichert, ob diesmal nicht er selbst die Botschaft morst... Eine Frechheit ist das Ganze, man will dem rechtschaffenen Politikerfreund Hans das Bein stellen! Ein gezielter Angriff auf die SVP, hier geht es gar nicht um die Sache, nein, hier spricht man von boshaften Anschuldigungen, blitzt es von der Goldküste her. Was ist denn passiert, unterbreche ich kurz. Dem Fehr Hans wird nachgesagt, er hätte eine asylsuchende Kroatin als Putzfrau angestellt. Asylsuchenden darf man selbstverständlich keinen Arbeitsplatz geben, das weiss selbst der Fehr, hat er doch immer wieder über Mehrfach- und Härtefälle-Gesuche von Asylsuchenden geschimpft, wummert es kräftig herüber. Nur in diesem Falle ists halt ein wenig anders: Das erste Asylgesuch der Kroatin wurde abgelehnt, danach ein Härtefall-Gesuch für das zweite eingereicht und Ursula Fehr selbst setzte sich für diese Bewilligung ein, blinkts eifrig und goldküstenseitig, denn noch nie war Fehr so sehr zufrieden mit einer Putzfee. Zudem sprechen wir hier ja von Minimalbeträgen, die 31jährige Kroatin hat als Gegenleistung für ihren Einsatz oftmals bloss Naturalien erhalten, echauffiert sichs weiter von drüben. Ich schlucke leer, das hätte ich jetzt dem Fehr nicht zugetraut. Naturalien? Kleiner Heimlifeiss! Lässt Frauen für sich arbeiten und revanchiert sich al modo di Berlusconi? Ein Cavaliere-Delikt? Nicht was du denkst, antwortet es prompt aus Herrliberg, nein, die Frau Fehr, die Gemeindepräsidentin von Eglisau und übrigens eine Bezirksrichterin, die mit dem Gesetz bestens vertraut ist, hat der guten Putzfrau mit einigen Schreiben ausgeholfen. Und manchmal, wenn die Kroatin mehr putzte als die Fehr schreiben konnte, wurde mit etwas Geld nachgeholfen. Und übrigens, Rainer Hohler, der für die SP in Bülach als Gerichtspräsident amtiert, hat dieselbige putzige Dame ebenfalls für sich arbeiten lassen und Hohler hat es versäumt, sich von ihr die Papiere des Migrationsamts vorlegen zu lassen! Als Gerichtspräsident! Man stelle sich das mal vor! Eine Schande ists! Hohler muss demissionieren, ereifert sich die Blocher-Seite. So gesehen müsste ja auch der Fehr zurücktreten, zünde ich nach Herrliberg. Siehst du, zischt es subito, genau das meinen wir, immer stürzt man sich auf die SVP! Das hatten wir bereits mit Mörgeli und der Sache an der Uni, mit Freysinger wegen seiner kleinen dummen Fahne – bei einem Walliser ist die Fahne ja der Normalzustand – und nun mit Hans Fehr und seiner Putzfrau im Asyl!
Dann aber scheints abgelöscht überm See. Dunkel halt. Nur ein paar frisch geputzte Weihnachtsmänner samt Girlanden schimmern von Balkongeländern her. Hüben wie drüben. In diesem Sinne: Fröhliche und saubere Weihnachten!

Freitag, 30. August 2013

Schlossgespräche: Der neue Despot

Christoph steht im Herrenzimmer in seinem Schloss Rhäzüns, hoch über dem noch jungen Rhein. Er schaut nachdenklich durchs Fenster hinab zum ungestümen Wasser, welches sich wild in Wellen wirft, als ob es hier schon wüsste, dass es alsbald die Schweizer Lande verlassen muss, um seinen Weg in einem unsicheren Europa fortzusetzen. Christoph schüttelt diesen traurigen Gedanken ab, er hat weiss Gott andere Probleme im Moment. Freysinger hat einen neuen Kommunikationsberater. Der ihm helfen soll, seine prosaischen Reden zu schreiben. Hat Freysinger nicht jeweils grossmäulig verkündet, selbst eine dichterische Ader zu besitzen? Da klopft es fein an der Tür, Christoph weiss, das kann nur seine Silvia sein, die den eilends herbeigerufenen Gast zu ihm bringt. Herein, ruft er ungeduldig und Silvia zu, sie solle doch dem Mörgeli ausrichten, eine Karaffe Herrschäftler aus dem Schlosskeller zu holen! Seit Mörgeli seine verstaubte Stelle im Medizinhistorischen Institut in Zürich verloren hat, dient er bis auf Weiteres hier in den Schlossräumen von und zu Rhäzüns. In schwierigen Situationen muss die Familie zusammenhalten, hat Christoph ihm damals gesagt, und statt Trübsal blasen kannst du dich ebenso gut nützlich machen. Christoph setzt sich an den runden Eichentisch, rechts neben seinen treuen Hofschreiber Köppel. Freysinger tritt ein, Meister, begrüsst er Christoph, ich bin auf schnellstem Weg vom Wallis hierher geflogen, Ueli hat mir einen Gripen ausgeliehen, zwinkert er kriegslustig. Christoph schüttelt den Kopf. Wenn du vorher deine genialen Einfälle mit mir besprichst, könnten wir uns solche Kurztripps auf Staatskosten sparen. Wie um Himmelswillen kommst du bloss auf diese abstruse Idee, den Slobodan Despot einzustellen? Ein Despot als deine schreibende Hand? Freysinger schluckt leer, ich dachte, der Despot sei die beste Wahl, weit herum als „brillante Feder“ bekannt. Köppel rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Die Brillanz ist einzig mir zuzuschreiben, ich nehm das so ins Protokoll, nuschelt er und drückt seine Brille auf dem Nasenrücken zurecht. Von Slobodan sagt man, er sei ein Genozid-Leugner, blafft Christoph, der das Massaker in Srebrenica als unbeabsichtigter Völkermord sieht und somit der UNO widerspricht. Freysinger nickt und Christoph doppelt nach: Der UNO widersprechen und dann als Nächstes der EU widersprechen? Plötzlich verstummt Christoph. Er hält inne und blickt langsam über seinen Brillenrand hinaus direkt in Freysingers Augen: Vielleicht hast du recht, Oskar, und es braucht tatsächlich einen weiteren Despoten in unserer Reihe! Hast du das aufgeschrieben, Köppel? In diesem Moment tritt Mörgeli mit dem Weinkrug ins Zimmer. Füll zügig die Gläser auf, strahlt Christoph, wir feiern ein neues Gebot: Er lebe hoch, der zweite Despot!



Donnerstag, 22. August 2013

Morsezeichen: L’Expérience Blocher


Ein heftiger Lichtstrahl trifft mich abends mitten ins Gesicht. Ich steh auf und schau zur Goldküste herüber, nehme die extrastarke Taschenlampe vom Fenstersims und leuchte in kurzen Abständen zur anderen Seeseite: Silvia, ich hab schon gedacht, ihr hättet Herrliberg verlassen!
Seit Jahren schon tauschen wir uns regelmässig aus. Kommen die Lichtzeichen spärlich, mach ich mir Sorgen ob wohl alles mit rechten Dingen zu und her geht. Drüben am Hügel des Pfannenstiels. Alles bestens, morst Silvia, sie habe sich nach dem schillernden cineastischen Startschuss in Locarno ein paar ruhige Tage gegönnt. Die Premiere von „L’Expérience Blocher“ am Filmfestival von Locarno sei derart geglückt, dass sogar die ewig nörgelnde Susanne Leutenegger Oberholzer erst sprachlos war und später wortreich den Regisseur bedrängt hätte, einen ebensolchen eindrücklichen Film über ihr Leben zu drehen. Ha, das ist natürlich Humbug, wo Leutenegger Oberholzer draufsteht ist noch lange nicht Christoph Blocher drin! Und wer bitte sehr – ausser Susanne selbst – würde diesen wohl doch eher sparsam besetzten Kurzfilm sehen wollen? Eben. Zudem sollten Frauen in einem gewissen Alter von Nahaufnahmen Abstand nehmen, zündet Silvia weiter, will man tiefe Furchen sehen, schaut man sich lieber eine Doku über die Viamala an. Wechseln wir auf etwas Wichtiges, fährt Silvia fort, ich bin diesen Sommer oft zitiert worden, mein kluges Statement zu den jungen Müttern von heut hat für ein Rauschen im Blätterwald gesorgt. Es liegt mir tatsächlich am Herzen, dass sich die jungen Mütter auf die wahren Werte des Lebens besinnen, nämlich um das Wohl des Ehemannes und der Kinder. Die meisten Frauen gehen bloss arbeiten, weils grad ‚en vogue’ ist und die Freundinnen es chic finden. Moment, leuchte ich dazwischen, das zweite Einkommen ist existenziell für die meisten Familien! Ich hätte ja auch gern eins! Kurz ist kein Licht von Herrliberg her auszumachen, dann erscheint es erneut: Ich kenne niemand, der zur Arbeit gezwungen wird, in meinem Umfeld sind bestausgebildete Frauen am Herd geblieben, höchstens von einer Köchin, einer Nanny und einer Zugehfrau unterstützt, ansonsten war die Frau auf sich alleine gestellt. Ich hab das selber hingebungsvoll gemacht: Ich mit den Kindern daheim und mein Christoph in der Wirtschaft. Und alle sind wir erfolgreich geworden, verkündet Silvia kräftig. Arbeitet Magdalena nicht zu hundert Prozent bei der Ems-Chemie, frage ich blinkend. Ja, ja, blitzt es subito zurück, nur ist das etwas ganz anderes, unser Magdeli ist stark, gescheit und selbstbewusst, sie steht ihren ganzen Mann. Dazu hab ich sie erzogen. Selbstständigkeit ist das A und O, auch in einer guten Beziehung, berichtet Silvia weiter, nun jedoch muss ich aufhören, Christoph will morgen früh raus und ich soll ihm noch die Kleider zurecht legen.
Das Licht bricht ab und es ist wieder ganz dunkel über dem Zürichsee. Schwarz wie Oprah Winfrey. Aber für die Handtaschen-Geschichte ists jetzt zu spät.



Donnerstag, 28. Februar 2013

Morsezeichen: Dabei sein ist alles


Silvia steht an ihrem grossen Wohnzimmerfenster neben der Stehlampe und macht das Licht an. Und wieder aus. An und wieder aus. Wir senden uns ja immer mal wieder ein paar Kurznachrichten zu. Über den See hinweg. Traditionell morsen statt modern twittern. Keiner achtet auf das Blenden von Gold- zu Silberküste, da alle in ihren Smartphones versunken sind, hat Silva gemeint, selbst absolut geheime Botschaften können wir uns auf diesem Weg übermitteln. Christoph sitzt drüben im Esszimmer, blinkt Silvia, zusammen mit Wladimir – sie trinken Wodka und prosten sich gegenseitig zu. Putin bei euch zu Tisch, drück ich etwas ungläubig auf meiner Taschenlampe herum. Ja, ja, wir sind eben ein globales Haus, auch wenn Christoph gerne den Eidgenossen raushängt, unsere Beziehungen gehen weit über die Landesgrenze hinaus, wie sonst könnten wir unsrem Magdeli so gut unter die Arme greifen und überhaupt die Ems Chemie international aufrecht halten, funkt Silvia eifrig. Ich denke nach, aber muss es mit Wodka sein, könnte das nicht auch ein Wein aus der Staatskellerei Zürich sein, antworte ich vorsichtig. Nichts da, er soll sich bei uns zu Hause fühlen wie alle Russen und wir wollen schliesslich an Informationen kommen, wie man es schafft, eine Olympiade auf heimischen Boden zu holen: Die Winterolympiade 2022 gehört nämlich nach Graubünden, fährt Silvia fort, uns fehlen dazu nur noch ein paar Milliarden. Und was hat Putin damit zu tun, frage ich. Unser Freund Wladimir hat viel Erfahrung mit Olympischen Ausschreibungen, sein leidenschaftliches Plädoyer damals für Sotschi vor dem Internationalen Olympischen Komitee ist einmalig, 12 Milliarden Dollar hatte er für die Bewerbung investiert, dem IOC ein paar weitere davon gesteckt, um den Zuschlag für Sotschi zu erhalten. Die Winter-Olympiade 2014 also in Putins Land, bringt Glanz und Gloria und ihm auf Lebzeiten dankbare Untertanen – soviel haben wir nach der zweiten Flasche Wodka erfahren. Darauf ists kurz dunkel überm See. Und, leuchte ich aufgeregt, wie gehts weiter? Inzwischen ist die dritte Flasche Wodka offen, Christoph schwärmt über Russlands Schriftsteller, wie er das Land abgöttisch liebe und gar eine russische Staatsbürgerschaft in Betracht ziehe. Von seinen Enkelkindern spricht er, wie sie möglicherweise im Jahr 2022 für die Olympiade blochen, nun steht aber die Defizitgarantie des Bundes auf dem Spiel, das Schweizer Volk – normalerweise stimmt es seinen Vorschlägen immer zu – in diesem Fall bezweifle er das und ihm selbst fehlen zwar nicht die Millionen doch leider die Milliarden, um das Ganze zu übernehmen. Na sdarowje, habe sie jetzt Putin glucksen hören, mein Geld ist dein Geld, lieber Freund Christoph! Olympia 2022 soll in Graubünden stattfinden! Den Vertrag dazu unterschreiben wir morgen in deinem Schloss in Rhäzüns! Denn dein Schloss ist jetzt mein Schloss! Und dann wirds finster.

Donnerstag, 27. September 2012

Schlossgespräche – Leichen im Keller


Graue Wolken hängen tief am Himmel, jeden Moment werden sie sich über dem Schloss Rhäzüns entleeren. Silvia steht am Fenster, ein Feuer im Cheminée wärmt das Zimmer. Garstige Zeiten sinds, nicht wahr, mein Christoph, spricht sie zu ihrem Mann, der im gepolsterten Louis-quinze-Schaukelstuhl leicht auf und ab wippt. Ungeduldig trommelt er mit seinen Fingern auf den dunkel lackierten Armlehnen, Himmel noch mal, wo bleibt er denn, schimpft er laut. Am grossen runden Tisch sitzen bereits Hofschreiber Köppel und ein strahlender Brunner Toni. Das Sünneli wärmt mich halt immer, egal, obs grad scheint oder nicht, lächelt Toni. Silvia verschränkt die Arme, es zieht durch das alte Gemäuer, sie fröstelt leicht. Wollen wir schon mal anfangen, sagt Köppel, wir können ja auch ohne Mörgeli unsre Strategie besprechen. Ein Skandal ist das, schimpft Christoph, steht auf und gesellt sich zu seinen Kollegen, unser bester Mann wird verheizt und von der Uni geworfen! Nur weil seine Vorlesungen nicht besucht werden, fragt Brunner nach, oder hat das mit den alleingelassenen und ungepflegten Leichen im Keller zu tun? Köppel schüttelt den Kopf: Toni, du verstehst das nicht, das ist höhere Schule. Hier geht es um Mobbing, unsren Mörgeli hat man an der Uni geschasst, weil er ein SVPler ist, die linken Professoren haben ihn einfach nicht mehr gewollt. Obwohl er sozusagen das beste Pferd im Stall war, schliesst Köppel seine Erklärung. Toni nickt. Pferd im Stall, das hat er verstanden, das ist in etwa so wie mit seinen Kühen. Oder Säuen. Wo käme er hin, wenn er seine Tiere entlässt, nur weil sie subventioniertes Heu fressen, stellt Brunner klar.

Just in diesem Moment klopft es unten an der Pforte. Silvia huscht die Treppe hinab und bittet ihn hinein, endlich bist du da, heisst sie Mörgeli willkommen, du wirst oben im Herrenzimmer längst erwartet. Entschuldigt die Verspätung, begrüsst er seine Kameraden hastig: Es war einiges los in den letzten Tagen. Unglaublich, dieses linke Pack an unserer staatlichen Universität, beginnt er seine Rede, hat mich, den Titularprofessor einfach so kaltgestellt. Ich sei kein rechter Schaffer, behauptet man, mein Inventar im medizinischen Institut sei veraltet und verstaubt, hoho, wo sind wir denn? Meine Leichen im Keller nicht gut gepflegt? Einmal eingelegt in ein Glas, halten die doch für die Ewigkeit! Dass ich meine Vorlesungen seit 13 Jahren unverändert halte, ist doch ein Zeichen von Kontinuität und dass sie gar nicht besucht werden, ein weiteres Zeichen, nämlich welch faule Banausen die heutigen Studenten sind, also bestimmt nicht mein Problem! Dafür habe ich während dieser Zeit viel für unser Volk recherchieren und Missstände aufdecken können, ich sprech von den Invaliden und Asylanten, die zum Schein dem Staat auf der Kasse liegen und ich rede davon, dass  auch ein Nationalbankchef Leichen im Keller hat, so hab ich ihn geschasst! Mörgeli schaut erwartungsvoll in die Runde. Gut gemacht, erhebt Christoph Blocher seine Stimme, wir sind stolz darauf, einen wie dich in unseren Reihen zu haben, der sich wahrlich um die Leichen im Keller sorgt und dafür, dass alle, die zum Schein auf  Staatskosten leben, unverzüglich entfernt werden! Ich habe geschlossen. Das Protokoll ist natürlich vertraulich, raunt Blocher dem Schreiber ins Ohr, ich erwarte die Details wie gewohnt in der nächsten Weltwoche.


Dienstag, 25. September 2012

Schlossgespräche – Gefangen im Netz


Das erste gefallene Laub wirbelt vom Wind getrieben durch den Schlosshof von und zu Rhäzüns. Der Herbst hat sich angemeldet und während die Gemahlin des Gutsbesitzers sanft an den welken Rosenblättern zupft, schreitet ein grossgewachsener Wanderer mit reichlich beladenem Rucksack des Weges direkt auf die schwere Pforte zu. Grüss dich, Oskar, lächelt Silvia aus gebückter Haltung dem finster dreinblickenden Freysinger zu, der Christoph erwartet dich oben in der Herrenstube. Oskar nickt zurück, ei, ei, die Silvia, denkt er sich, auf Rosen gebettet, wenn das kein gutes Omen ist... Er schmunzelt, eilt ins Schloss und die herrschaftliche Treppe hinauf zum Herrenzimmer. Kurz angeklopft, da ertönt schon des Schlossherrn Stimme: Komm, wir haben auf dich gewartet. Oskar drückt die Klinke und betritt die herrschaftliche Stube. Düster erscheint sie ihm, die Vorhänge zugezogen, bloss die Kerzen auf dem silbernen Leuchter spenden flackernd etwas Licht. Oben am Tisch der Christoph, zu seiner Rechten sitzt mit gespitztem Stift und blütenweissem Papier vor sich der Hofschreiber Köppel, seinen Praktikanten Somm neben sich. Links von denen findet sich der Brunner Toni, man sagt gar, er sei der Präsident dieser Schweizer Volkspartei. Papperlapapp, ruft Christoph, Präsident bin und bleibe ich, auf Lebzeiten! Aber das müssen die da draussen ja nicht unbedingt wissen. Setz dich Freysinger, wir haben zu reden und zu handeln! Oskar lässt scheppernd den mitgebrachten Rucksack zu Boden und nimmt Platz. Schon bellt Christoph: Wir haben keine Zeit zu verlieren, fangen wir also an – Freysinger, du hast das Wort. Oskar streicht seine im Nacken zusammengebunden Haare zurecht und beginnt räuspernd: Diese Räubergeschichte – die ich übrigens selbst nicht besser hätte schreiben können – ist wohl etwas aus dem Ruder gelaufen. Der Tod des Moldawiers auf der Ibergeregg nicht geplant, die Protagonisten allgemein überfordert, wie unser Schwyzer Parteikollega Sepp Spiess, der auf Facebook darüber schwadroniert und sich exponiert. Und so schliesse ich, spricht Freysinger weiter, meinen Essay mit folgender Quintessenz: Für unsre Parteikollegen muss ein Social Media Verbot verfügt werden! Um sie zu schützen, denn es kann schnell passieren, dass man irgendeinen Stuss zusammenschreibt! Vor allem, wenn man steinhässig oder betrunken ist, was ja die beiden Aggregatszustände unserer Parteikollegen sind, bevor sie zu heisser Luft werden! Sehr gefährlich! Christoph beugt sich zufrieden vor: So ists recht, und überhaupt, wo kommen wir denn hin, wenn die Medien jetzt schon sozial sind! Habt ihr alles aufgeschrieben, raunt er dem Köppel und dem Somm zu. Und während diese eifrig nicken, gleichzeitig noch ihren Facebook-Status auf dem neuen iPhone 5 aktualisieren, packt Freysinger die mitgebrachten Walliser Weine aus seinem ledernen Rucksack. Kameraden, erhebt Oskar feierlich die Stimme, jetzt haben wir uns aber einen gehörigen Schluck verdient! Prost!

Freitag, 8. Juni 2012

Morsezeichen: God save the Queen

Lang ists her, denk ich mir, dass ich etwas von meiner Freundin Silvia gehört hab. Also stell ich mich ans Fenster und zünde mit meiner grossen Taschenlampe quer über den fast schwarzen See. Kurz danach leuchtets von Herrliberg zurück. Es gehe ihr gut, sie habe gerade eine interessante Sendung im Fernsehen geschaut. Ich ebenfalls, antworte ich ihr, nämlich das diamantene Thronjubiläum der Queen Elizabeth! Unglaublich, wie tapfer sich die Lisbeth an der Krone festhält, fahre ich fort, die Engländer lieben ihre Königin, weil sie seit 60 Jahren jeden Morgen aufsteht, um ihr Amt auszuführen. Tagein, tagaus, einmal Königin, immer Königin! Silvia will etwas dazwischen blinken, jedoch meine Begeisterung über die Monarchin duldet keine Unterbrechung. Die Engländer lieben ihre Queen, weil sie seit 64 Jahren mit dem gleichen Mann verheiratet ist, zu ihm steht, auch wenn er wieder mal in ein Fettnäpfchen getreten ist. Die Engländer lieben ihre Queen, weil sie als letzte grosse Instanz ihrer Familie gilt und ihren Sohn Charles vermutlich niemals auf den Thron lässt. Ich setze kurz meine Lampe ab, das viele Lob lastet schwer auf meinem Arm. Du hast recht, blitzts zurück, die Monarchie ist etwas Wunderbares! Mein Christoph ist jetzt in Österreich unterwegs, hab ihn vorhin im ORF gesehen, funkt Silvia in meine Stube, man hat ihn dort als wortgewandte Galionsfigur vorgestellt und er solle bitte sehr dem österreichischen Volk die Vorteile der direkten Demokratie erläutern. Doch Christoph hat gemeint, er sei weit davon entfernt, diese zu vergöttern. Schon wichtig, dass jemand den Mächtigen im Land auf die Finger schaue, idealerweise sei das aber ein noch mächtigerer. Der König nämlich!
Pause. Bist du noch da, morse ich schüchtern zu Silvia herüber. Natürlich, antwortet sie endlich, und ich sag dir eines, sollte das Schweizer Volk tatsächlich demokratisch einen König wählen wollen, dann kanns nur den einen geben! Und während ich mich frage, ob ich wohl lieber einen mit der Krone oder einen in der Krone hätte, ists bereits dunkel auf der anderen Seeseite.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Morsezeichen: Zeit zu lügen

Es hat wieder mal geblinkt. Spät am Abend. Hoch oben vom Herrliberger Hügel her über den See hinweg. Direkt in unsere Küche hinein. Ist für dich, hat mein Liebster gesagt und sich dezent mit einem ‚Frauengespräche belauscht man nicht’ zurückgezogen. Ein feiner Schein dringt zu mir. Lang, kurz, kurz, lang, tatsächlich, es ist Silvia. Die an ihrem Stubenfenster steht und an der antiquierten Stehlampe das Licht an- und ausmacht. Ob ich noch wach bin, will sie wissen. Aber natürlich, mors ich mit der Taschenlampe sofort zurück, lange nichts mehr gehört, wie gehts denn dir? Dunkel bleibts, nichts dringt mehr durch den dicken Nebel. Und während ich meine Leuchte aufschraube, um neue Batterien einzusetzen, schimmerts endlich wieder und ich erkenne, das Schimmern ist ein Wimmern. Es geht mir nicht sonderlich gut, meldet sich Silvia zögernd, nach so vielen gemeinsamen Ehejahrzehnten... Pause. Lange Pause. Und ich seh schon die Schlagzeile vor mir: „Christoph verlässt Silvia – ist die junge Nathalie Rickli der Grund?“, da flimmerts erneut: Immer hab ich zu ihm gehalten, all die vielen Jahre. Sämtliche Lügen haben wir gemeinsam abgesprochen. Und uns immer geschworen, nichts wird publik. Wir halten alles unter dem christlichen Deckmantel! Angefangen mit der Ems Chemie, die er damals von der verbliebenen Besitzerfamilie nach dem plötzlichen Tod des Patrons für einen Schnäppchenpreis erlogen hatte. 20 Millionen, mehr gäbe sie nicht her, gar einen unbekannten Käufer hätte er in der Hinterhand. Dass Christoph selbst derjenige war und die Firma über 80 Millionen Wert hatte, verschwieg er. Auch das Lügenkonstrukt um die Basler Zeitung haben wir miteinander gestrickt, den Suter Moritz als Strohmann eingebaut, den Freund Ospel hingestellt, später als fast alles in sich zusammenfiel den Tettamanti vorgeschoben. Und selbst beim Fall Hildebrand: Der nicht von uns bestellte Informatiker, der von diesem eingeschaltete Anwalt Lei, alles gelogen. Und jetzt lese ich in der Zeitung, dass Christoph zugibt, er lüge ja den ganzen Tag! Sähe er eine Frau, die hässlich sei, dann sage er ihr doch nicht, sie sei hässlich. Er sage: Sie sehen ja noch hübsch aus. Und weisst du, was er mir jeden Morgen beim Aufwachen, am Mittag und vor dem Schlafgehen ins Ohr säuselt, blendet sie mir fragend in die Küche. Ich schüttle den Kopf und seh leuchtend die Antwort: DU SIEHST JA NOCH HÜBSCH AUS!

Montag, 9. Januar 2012

Schlossgespräche: Vorbei die Zeit zu schweigen

Seit Tagen schon leert der Himmel schwere Schneeflocken über den Rhäzünser Boden. Meterhohe Schneewälle hüllen das Schloss ein. Christoph steht am Fenster, zieht den samtenen Vorhang leicht zurück und schaut ins Weiss hinaus. Man könnte meinen, der liebe Gott wolle etwas zudecken, aber nicht mit uns, jetzt ists Zeit aufzudecken, poltert er und klopft dem jungen Informatiker der Bank Sarasin auf die mageren Schultern. Am lodernden Kaminfeuer wärmt sich Roger Köppel seine Fingerknöchel auf, den Laptop auf den Knien, bereit, jeden Satz zu dokumentieren. Mein Hofschreiber, flüstert Christoph dem IT-Mann ins Ohr, du kannst ihm vertrauen. Er ist mir fast treuer als mein eigener Sohn. Roger rückt sich leicht verlegen die Brille zurecht, Komplimente hört er selten. In diesem Moment tritt Hans Kaufmann in das Herrenzimmer. Wunderbar, mein Zürcher Lehnsmann hat den Weg in das Bündner Refugium gefunden, begrüsst Christoph seinen Nationalratskollegen und bittet die Versammelten, sich an den polierten schweren Eichentisch zu setzen. Roger, lass das Feuer sein und komm zu meiner Rechten, heisst er den Köppel. Zur Linken der Kaufmann, obwohl er ja sonst ein ganz Rechter ist, zwinkert Christoph kurz. Ihm zur Seite der Informatiker, der sich schüchtern vorne auf die Kante des brokatenen Stuhles setzt. Sein leicht schwermütiger Blick schweift zu den grossen Fenstern hin, tief, tief unten treibt der Rhein, ein paar Schritte bloss, ein kurzer Sprung... Wollen wir die Sache hier beenden, beginnt Christoph, die Zeit zu schweigen ist vorbei, jetzt wird gesprochen. Hildebrand ist untragbar, er hat seine Frau nicht im Griff, ein gemeinsames Konto hätte ich meiner Silvia nie erlaubt. Wie weiss man da, wann und wo sie darauf zugreift? Und wie soll ich dann noch beweisen können, dass ich davon nichts gewusst habe? Eben. Dank unserem aufmerksamen Freund, dem ich selbstverständlich einen kleinen Zustupf von meinem eigenen Konto überweisen werde, haben wir den Hildebrand endlich abgebrannt.
Derweil der IT-Mann starr zum Fenster hinausblickt, klöppelt Roger seine Finger flink über die Tastatur seines Computers. Hans Kaufmann schweigt, er hat seine Schuldigkeit getan und beim Abgang fällt ihm auf, dass am anderen Ende des Tisches, fernab des schimmernden Kaminfeuers, ein weiterer Gast im Halbdunkeln sitzt, welcher unentwegt an seiner Fliege zupft. Endlich ist der Moment gekommen, den Schweizer Bankenplatz zu retten, fährt Christoph fort, wir haben nun den Auftrag den besten Mann an die Spitze der Nationalbank zu befördern: Meinen lieben, guten Freund Martin Ebner.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Schlossgespräche: Die neue Strategie

Ein eisiger Wind heult um die dicken Mauern des Schlosses und rüttelt an den alten Fenstern. Der Himmel zeigt sich dunkel und wahrlich nicht von seiner schönsten Seite. Tief unterhalb der Gemäuer tost aufbrausend der Hinterrhein, als wüsste er hier schon, dass er demnächst mit dem Vorderrhein fusionieren wird. Ob er will oder nicht. Drinnen im alten Saal flackert und wärmt das Kaminfeuer. Die dicken, samtenen Vorhänge sind zugezogen, nichts deutet auf einen Sturm im Inneren hin. Mein Stuhl wackelt, raunt Christoph, während er am grossen Tisch am unteren Rand mit seinem Sackmesser Striche ritzt. Caspar nickt, ja, da muss wohl ein Handwerker gerufen werden, um das Bein zu richten. Eben ist Mörgeli ins Zimmer getreten. Der Regen hat seine Haarfarbe leicht verwässert, ein schwarzes Rinnsal läuft vom Scheitel über die Stirn der Nase entlang und tropft stetig auf sein weisses Hemd, ansonsten ist er glatt wie immer. Ich habe ein paar Strategieblätter vorbereitet, räuspert sich Christoph, warten wir noch auf den Brunner und dann legen wir los. Und just als er den Namen ausgesprochen hat, klopfts laut und heftig am Eingangstor. Silvia huscht die breite Treppe herunter und drückt die schwere Tür einen kleinen Spalt weit auf. Das Losungswort, zischt sie in die kalte Luft hinaus. Tripper B, flüstert der Draussenstehende. Silvia bittet ihn kopfschüttelnd herein, Triple B heissts, Toni, merk dir das endlich, tadelt sie ihn und nimmt ihm seinen durchtränkten Umhang ab. Kurz später betritt Toni das Herrenzimmer. Entschuldigt die Verspätung, bei mir hat eine Kuh gekalbert, darauf hab ich im Haus der Freiheit ein paar Schnäpse getrunken, hickst Brunner und setzt sich Mörgeli auf den Schoss. Christoph straft ihn mit einem strengen Blick. Anwesend sind längst Baader und Blocher und jetzt endlich Brunner, beginnt Christoph seine eilends einberufene Krisensitzung, ebenfalls Mörgeli und als Protokollschreiber mein stets loyal ergebener Hofchronist Köppel. Köppel zwinkert etwas verlegen, es sei doch gar seine Pflicht, die Missstände und Probleme aufzudecken, die Christoph ihm jeweils diktiere. Christoph nickt, so ists recht. Und nun geb ich euch die neue Strategie bekannt, die Ende Januar an unserer nächsten Delegiertenversammlung gutgeheissen wird: Wir wählen Eveline Widmer-Schlumpf ab. Wer nicht spurt, wird ausgeschlossen aus unserer Partei. So. Mehr hab ich dazu nicht zu sagen, schliesst Christoph seine Rede. Während Köppel noch eifrig am Protokoll feilt, steht Toni auf, haben wir diese Strategie nicht grad jetzt gehabt? Na und, bellt Christoph zurück, deine Kuh kalbert ja auch jedes Jahr und du freust dich immer, als wärs das erste Mal!

Donnerstag, 18. August 2011

Schlossgespräche: Eine Sparstrategie

Es drängt, wir müssen handeln, hat der Meister gerufen und seine zwei getreuen Gefährten zu einem Treffen im ehrwürdigen Schloss Rhäzüns geladen. Dunkle Gewitterwolken treiben über den herrschaftlichen Sitz hinweg, erste Tropfen peitschen ans alte Gemäuer. Zieh die samtenen Vorhänge zu, bittet Christoph seine Silvia, wir wollen das Düstere lieber draussen lassen. Und wie ers sagt, pocht es unten laut und heftig an der Eingangstür. So klopft nur der Toni, raunt Christoph, lass ihn herein, er will ja gern der erste sein! Silvia eilt, begrüsst den Gast und nimmt ihm seinen vom Regen schwer durchnässten Umhang ab. Doch daraus schält sich zu ihrer grossen Verwunderung nicht etwa der Toni, nein, es ist Filippo. Toni hat sich in der Rosenhecke verheddert, aber er wird demnächst ebenfalls hier auftauchen, flüstert Filippo Silvia zu und steigt die Treppe hoch zum Saal. Setz dich, mein Freund, spricht Christoph, höchste Zeit, dass du endlich da bist. Wir müssen die neue Strategie besprechen. Der Franken ist zu stark, es gilt ihn zu retten! Meine konkreten Vorschläge sind eine Rationalisierung der Bundesbetriebe und tiefere Steuern. Filippo nickt, er selbst könnte es nicht treffender formulieren. Steuersenkungen für grosse Unternehmen, natürlich zum Wohl des einfachen Volkes, präzisiert Christoph und überschlägt im Kopf schon mal grob den Zugewinn für sein Familien-Imperium. Lächelnd reicht er Filippo die Hand. Jetzt zahlt sich dein langes Aussitzen in der FDP aus, zusammen wird es uns gelingen, die Kosten des Staates herunterzufahren, spricht Christoph weiter, klappt es, werde ich dich zu meinem Vize-Chef-Strategen machen, dann gehörst du offiziell mit Haut und Haar zur SVP! In diesem Moment platzt ein leicht lädierter Toni in den Saal. Entschuldigt bitte, japst er und klaubt ein paar letzte Dornen aus seinem Jackett, ich wurde von einer dunklen Gestalt abgedrängt und hab mich in Silvias Rosenstrauch verfangen. Nun aber bin ich da und zu allem bereit. Christoph winkt ab. Schon erledigt, der Filippo und ich sind uns längst einig. Jetzt gilt es nur noch, das Ganze umzusetzen. Am besten sparen wir auf dem Buckel der Invaliden. Die können sich eh nicht wehren, erklärt Christoph seine Gedankengänge. Eine neue Plakatkampagne, wirft Filippo ein, mit einem Rollstuhl vielleicht, einem leeren, wie er den Berg herunter purzelt. Ha, klopft sich Toni auf die Schenkel, das kenn ich, da gabs unlängst einen Fall oberhalb von Maienfeld, mit einer Deutschen, wie hiess sie noch mal.. Klara, genau, und beschuldigt wurde damals ein Schweizer, ein gewisser Peter, er soll zu jenem Zeitpunkt mit einer Heidi unterwegs gewesen sein, wenn ich bloss wüsste, wo ich das gelesen habe. Christoph schaut über seinen Brillenrand zu Filippo, er lächelt milde, gut gemacht Toni, das ist genau das, was wir gesucht haben. Das Sujet mit dem Ausländer, der im Rollstuhl sitzt, dann aber auf wundersame Weise doch selbst zu Fuss weiter geht, am liebsten nach Hause. Und während er dem Toni den Arm um die Schulter legt, ruft er seiner Frau zu: Silvia, mach die Vorhänge auf, mich dünkt, draussen lacht bereits die Sonne! Und bring uns etwas Wein, einen Herrschäftler am liebsten, wir haben allen Grund anzustossen!

Freitag, 4. Februar 2011

Martullo von der Post

Während Silvia sich weiterhin um die Primarschulen kümmert und harmlos durch das Land tingelt, pendelt Tochter Magdalena fleissig zwischen Zürcher Goldküste und Bündner Chemieebene. Die väterliche Fabrik will schliesslich mit gut erzogener Härte geführt sein. Derweil sitzen die Männer daheim in Herrliberg am runden Stubentisch und hecken neue strategische Pläne aus. Du bist jetzt schon ein guter SVP-Politiker, sagt Christoph zu Roberto, aber du musst richtig auffallen, damit das Zürcher Volk dich wahrnimmt und in den Kantonsrat wählt. Roberto nickt. Christoph schiebt den Stuhl zurück, zieht schwer an der obersten Schublade der dunklen Eichenkommode, holt einen Bündel Hunderternoten und ein paar eingerollte Plakate heraus, drückt sie seinem Schwiegersohn in die Hand und schickt ihn damit hinunter ins Dorf. Aufhängen, ruft er ihm noch nach, vor der Post, in der Post. Pfeifend stapft Roberto den Hang hinab, endlich hat er eine Aufgabe, die ihm gefällt, klebt das erste Plakat auf die reservierte Werbefläche und tritt ein paar Schritte zurück. Ein gutaussehender Mann, dieser Martullo, denkt er sich, ich würde ihm sofort meine Stimme geben. Kurze Zeit darauf strahlt Robertos Konterfei um mehrere Poststellen der Goldküste. 1200 Franken kostet die ganze Aktion, aus Schwiegervaters Portokasse lässts sich gut investieren. Stolz berichtet er am Abend seiner Magdalena vom gelungenen Auftritt. Sie lächelt müde, schön den Ehemann so glücklich zu sehen, denkt sie sich und döst sofort auf dem Sofa ein. Roberto, nachdem er die drei Kindern mit einem Liedchen aus der Ganztageskrippe in den Schlaf gesungen hat, deckt seine Magdi mütterlich mit einer Wolldecke zu, sie jetzt ins Bett zu tragen wäre wohl eine zu schwere Aufgabe für ihn. Mit seinen Kräften muss er nun haushälterisch umgehen. Die SVP braucht ihn mehr denn je, viele neue Aufgaben warten auf ihn. Eine davon bereits anderntags: Sämtliche aufgehängten Plakate aus den Postfilialen subito entfernen! Kunden hätten sich beschwert, sie fühlten sich beim Briefmarkenkaufen beobachtet. Unglaublich, ruft Christoph ins Dorf herunter, wir sind freie Bürger und dürfen werben mit wem und wo wir wollen! Tatsächlich aber heisst es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen betreffend Vermietung von lokalen Werbeflächen in Poststellen: Als unzulässig gilt Werbung, die religiöse, politische oder pornografische Themen beinhaltet. Pornografisch, überlegt Martullo kurz spitz, hätte er vielleicht seine Martulla fragen sollen, ob sie sich für ihn und die SVP...? Er schüttelt den Kopf und steigt mit den restlichen Plakatfetzen langsam den Hügel wieder hinauf. Heim zu Christoph. In der dunklen Eichenkommode liegt bestimmt noch eine weitere Trumpfkarte. Da ist er sich ganz sicher.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Polansiks viele Stimmen

Was haben wir doch in den letzten Tagen nicht alles gehört und gelesen, was mit dem armen Künstler passiert ist, fast jeder und jede hat sich sich zur Affäre geäussert. Einen Roman könnte man darüber schreiben. Den Polanski Roman.
Die Liste seiner Unterstützer ist lang. Und prominent. Rolf Lyssy, der Schweizermacher-Macher, ist von Romans Unschuld überzeugt. Hat er doch die Polanski-Autobiografie gelesen und weiss daher, dass das damalige Verbrechen an diesem dreizehnjährigen Mädchen eher eine verdrehte Geschichte ist, in der Polanski am Ende beinahe verführt wurde. Das Opfer der Täter? So wie der Gärtner immer der Mörder ist? Bevor er zum Bock wurde? Ein dreizehnjähriges Mädchen soll auch nicht allein in einem fremden Haus mit einem fremden Mann in einem fremden Whirpool sitzen, es soll nicht Champagner trinken und auch keine Drogen nehmen. Das kann nicht gut gehen. Aber deswegen von einem Schwerstverbrechen sprechen? Nein, findet Herr Lyssy, ein Schwerstverbrechen ist vielleicht Mord. Und schon sind wir wieder beim Gärtner, dem Bock. Der Zeitpunkt von Polanskis Verhaftung ist willkürlich, klönt Daniel Binswanger, der grosse Schreiber (zirka zwei Meter) im Magazin des Tagesanzeigers, Willkür ist das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit, die Verhaftung mithin verwerflich. Von mangelndem Feingefühl spricht unsre Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Roger de Weck schielt auf das amerikanische Rechtsverständnis, die Ungleichbehandlung von Angeklagten sei enorm, die US-Justiz wenig Vertrauen einflössend, vom Strafvollzug ganz zu schweigen. Man dürfe drum den Roman diesem Schurkenstaat nicht ausliefern. Und Alt-Bundesrat Christoph Blocher beanstandet das Verhalten seiner Nachfolgerin Eveline Widmer-Schlumpf. In einer Kosten-Nutzen-Rechnung zahle die Schweiz nur drauf, wettert Blocher, der Imageschaden ist im Ausland viel zu gross, folglich hätte er ihn selbst vor der Einreise gewarnt, um die Verhaftung zu vermeiden. Fragt sich der Bürger, ob er sich in seiner verkürzten Amtszeit öfters so aktiv um das Image der Schweiz gesorgt hat? Jedoch diese Rechtspraxis wird von seiner Nachfolgerin nicht befolgt. Schliesslich, stellt Widmer-Schlumpf fest, gelte das Gesetz für jeden gleich. Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger will nichts von einer Vorzugsbehandlung für Polanski wissen, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen, redet er mit sonorer Stimme. Steve Lopez, ein amerikanischer Journalist, hat sich die Mühe gemacht, die „Gerichtsakten Polanski“ aus den Siebziegerjahren in Los Angeles zu studieren. Je länger er las, desto zorniger ist er geworden. Vielleicht auch, weil er selbst Vater einer Tochter ist. Wie Bänz Friedli, der Migros-Hausmann: Ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder. Und Marco Rima: Wer vergewaltigt, gehört in den Knast!
Alle haben sie also etwas dazu gesagt. Prominent und weniger. In Funk und Fernsehen und Zeitungen. Nur mich hat niemand gefragt...

Freitag, 4. Januar 2008

Morsezeichen: Von Gold- zu Silberküste

Es war ein stilles, wenn nicht gar stummes Abkommen, das wir zwei getroffen haben. Die Silvia und ich. Abends, bevor sie zu Bett ging, das konnte durchaus sehr spät sein, stellte sie sich noch kurz an ihr Stubenfenster drüben in Herrliberg. Schaltete die Beleuchtung ein, aus, ein, aus und morste mir über den Zürichsee hinweg ihr Wohlbefinden. Wenn irgendwann in der Nacht das Lichtlein in kurzen Abständen über unsren Esstisch huschte, sagte mein Mann trocken: Ist für dich. Da stand ich wieder am Fenster, antwortete, so gut ich konnte. Und erfuhr, das darf ich hier ruhig verkünden, als Erste und noch Tage vor der Weltwoche von den Ängsten und Befürchtungen um den geheimen Plan, Christoph abzuwählen. Den besten Bundesrat aller Zeiten hinterhältig aus dem Gremium zu kippen. Unglaublich. Ich zittere jetzt noch, wenn ich daran zurückdenke. Wobei, ich gebs zu, nicht alles gar so deutlich in unsrer Küche zu empfangen war. Von Wähen sprach sie nämlich und einem Geheimkompott. Betty Bossi, kams mir spontan. Blochers haben Ueli zum Znacht und Silvia sucht noch nach einem währschaften Rezept, damit er sich wie bei Muttern fühlt. Ich habe ihr grad sofort zurückgeblinkt: Probiers doch mit einem Bündner Gericht – das kommt immer gut an. Jetzt seh ich das natürlich in einem ganz anderen Licht. Die sassen gar nicht zusammen, um gemütlich miteinander zu speisen, nein, da wurde bereits die inzwischen berühmte Brandrede nach der verlorenen Bundesratswahl gekaut. Silvia sah sich schon auf der Bundeshaustribüne sitzen, die Abwahl ihres Gatten direkt vor Ort mitzuerleben. Das war natürlich bitter. Eine Zeitlang bliebs dann auch sehr dunkel im Wohnzimmer auf Herrliberg. Das beunruhigte mich. Aber gestern hats wieder gefunkt. Glücklich sei sie jetzt. Und erleichtert, den Christoph wieder vermehrt im Haus zu wissen. Sie suche nur noch nach einem sinnvollen Hobby für ihn. Wenn ich eins hätte, soll ich es ihr doch rübermorsen.