Sonntag, 13. September 2009

Nadine at home

Natürlich denke sie jetzt nicht an eine Rückkehr in die Schweiz, gesteht Nadine Vinzens, erst müsse sie noch intensiv an ihrer amerikanischen Schauspielkarriere arbeiten. Wir sitzen an unsrem Küchentisch, Nadine knabbert an einem Rüebli. Seit sie damals fürs Schweizer Fernsehen mit ein paar anderen Swiss-Promis um das „Goldene Rüebli“ kochte, hat sie die Karotte für sich entdeckt. Gesund, günstig und vor allem kalorienarm. Dabei war sie schon schlank bei der Miss Schweiz Wahl im Jahr 2002. Das Krönchen setzte man ihr damals nicht auf den Kopf, sondern man stülpte es ihr über und zog es um ihre Taille fest. Dieses Siegerfoto ging um die Welt, sorgte selbst im magerwahnsinnigen Hollywood für Aufsehen und öffnete Nadine ein Türchen nach Los Angeles. Kurz nach ihrer Ankunft heiratete sie dort einen Punk-Rock-Gitarristen. Jedoch die Ehe ging bald in die Brüche. Ich habe sie noch gewarnt: Überlegs dir gut, ob du Neshawn Hubbard heiraten willst, sein Name ist sehr, sehr schwierig auszusprechen! Doch, doch, wir lieben uns, hat sie gesagt. Nach nur drei Jahren hat ers nicht mehr ertragen, dass sie ihn immer und immer wieder falsch angesprochen hat. Wir haben uns getrennt, lächelt Nadine tapfer, trotzdem bleib ich weiterhin in L.A und arbeite intensiv an meiner Schauspielkarriere.“ Nur nicht aufgeben. Und so durfte Nadine in einem Musikvideo von Britney Spears als Britney Spears-Double mitmachen. Sie spielte eine von dutzenden Doppelgängerinnen, die eine Horde Paparazzi von der echten Britney ablenken sollen. „Das war extrem schwierig. Wir trugen alle blonde Perücken, sexy Kleidchen und mussten wild herumtanzen“, erklärt mir Nadine. Auf diese schauspielerische Meisterleistung hin wurde sie für CSI New York entdeckt. Darin durfte sie eine Prostituierte mimen, die leicht bekleidet auf der Flucht vor Verbrechern ist. Ohne umgebracht zu werden, not easy, präzisiert Nadine. Gar den Text habe sie gut gekonnt, sie musste einfach ganz, ganz laut schreien. Aber im richtigen Moment, strahlt sie mich an. Auch das ein weiterer Schritt in ihrer amerikanischen Schauspielkarriere. Kurz darauf machte sie in einem Werbeclip-Wettbewerb für die Steuererklärungsfirma Taxslayer mit: Eine, die sich auszog, das Fürchten zu lernen. Geschauspielert wars gut, nur hat sie mit ihrem Grisons-English an der Zielgruppe vorbei gesprochen. Die 25 000 Dollar Gewinnsumme somit nicht an sie. Inzwischen klopfte ein neuer Auftrag an: Ein hüllenloses Geräkel im „Girls Gone Wild“-Magazin. Das gehört einem Freund von mir, klärt sie mich auf, daher hab ich gewusst, auf was ich mich einlasse. Ein gewisses Interesse an ihr zeige inzwischen sogar der Playboy. Apropos, ihre neue Liebe, das hat sie nicht nur mir, sondern der ganzen Schweiz verraten, ist ein Gärtner. Ein gutaussehender Gärtner. Der in Wirklichkeit ein berühmter Schauspieler ist. Liiert ist vielleicht ein wenig übertrieben, gesteht sie, ich kenn ihn aus Desperate Houswifes, wir sind uns über den Weg gelaufen, wie das halt so üblich ist in Hollywood, und sind uns äh, näher gekommen. Es ist Jesse Metcalfe! Wow, ich schlucke leer. Wieder so ein schwieriger Name, das kann ja nicht gut gehen...

Donnerstag, 10. September 2009

Kulturlabor

Es gibt ja verschiedene Arten, sich der Kunst zu nähern. Eine davon, man lässt sich von Jürg und Raquel Marquard in ihre Turmsuite des Badrutt’s Palace einladen. Um die kunstvolle Kunstmesse ART-Masters mitten in St. Moritz zu bestaunen. Einlass erhält, wer einerseits zum Jetset gehört und andrerseits eine grosse Menge Botox injiziert hat. Weil es doch eine Art Art-in-Art Ausstellung ist, gebildete vor bildender Kunst sozusagen.
Ein anderer Weg führt ins neu eröffnete Thalwiler Kulturlabor. In „Family by Thomas Ott and Peter Lüthy“ stellen zurzeit der Thalwiler Künstler Lüthy und sein Schwiegersohn Ott, der renommierte Zürcher Comic-Zeichner mit seinen wunderbar düsteren schwarz-weissen Bildern, gemeinsam aus. Ich hab mich für Letzteres entschieden, aus vier Gründen: Erstens erinnern mich Otts schaurige Portraits an den St. Moritzer Jetset, zweitens gehör ich diesem leider nicht an, drittens liegt das Kulturlabor direkt vor Ort und viertens sorgt dort ‚cultur4dinner’ für Speis und Trank. Vermutlich reichhaltiger als in St. Moritz. Sollten sich dabei ein paar Pfunde dazukultivieren, was solls. Ich werde sie als Faltenfüller einsetzen, die Botoxspritzen damit ersetzen und das dafür freigewordene Geld im Thalwiler Kulturleben umsetzen.