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Montag, 2. November 2009

Miss Handicap

Es gibt eine Miss Schweiz, eine Miss Ostschweiz, eine Miss Zürich und eine von Bern, eine Miss Bodensee, eine Miss Tuning. Eine Miss Sixty, eine Miss Marple und eine Miss Issippi. Seit Samstag haben wir nun eine Miss Handicap. Corinne Parrat, schön und jung. Und spielt Golf. Ah, nein, das ist gar nicht ihr Handicap. Sie hört nichts. Aber das sieht man nicht. Hingegen die anderen attraktiven Frauen, die an der Miss Handicap-Wahl teilnahmen, waren offensichtlich handicapiert. An den Rollstuhl gebunden oder – gar nicht harmlos – armlos. Wieso hat denn nicht eine von denen gewonnen, frag ich. Jede der tollen Frauen hat ihr Handicap, sagt mir darauf die Initiantin der Veranstaltung Michelle Zimmermann, hätte eine Rollstuhlfahrerin gewonnen, man hätte gesagt: typisch Klischee! Und dazu brauchen wir diese Wahl nicht. Stimmt. Da hat sie recht. Diese Wahl brauchts tatsächlich nicht. Schliesslich hat schon mit der diesjährigen Miss Schweiz Wahl eine Schönheit gewonnen, der man ihr Handicap nicht ansieht: Das mangelnde Allgemeinwissen...

Sonntag, 13. September 2009

Nadine at home

Natürlich denke sie jetzt nicht an eine Rückkehr in die Schweiz, gesteht Nadine Vinzens, erst müsse sie noch intensiv an ihrer amerikanischen Schauspielkarriere arbeiten. Wir sitzen an unsrem Küchentisch, Nadine knabbert an einem Rüebli. Seit sie damals fürs Schweizer Fernsehen mit ein paar anderen Swiss-Promis um das „Goldene Rüebli“ kochte, hat sie die Karotte für sich entdeckt. Gesund, günstig und vor allem kalorienarm. Dabei war sie schon schlank bei der Miss Schweiz Wahl im Jahr 2002. Das Krönchen setzte man ihr damals nicht auf den Kopf, sondern man stülpte es ihr über und zog es um ihre Taille fest. Dieses Siegerfoto ging um die Welt, sorgte selbst im magerwahnsinnigen Hollywood für Aufsehen und öffnete Nadine ein Türchen nach Los Angeles. Kurz nach ihrer Ankunft heiratete sie dort einen Punk-Rock-Gitarristen. Jedoch die Ehe ging bald in die Brüche. Ich habe sie noch gewarnt: Überlegs dir gut, ob du Neshawn Hubbard heiraten willst, sein Name ist sehr, sehr schwierig auszusprechen! Doch, doch, wir lieben uns, hat sie gesagt. Nach nur drei Jahren hat ers nicht mehr ertragen, dass sie ihn immer und immer wieder falsch angesprochen hat. Wir haben uns getrennt, lächelt Nadine tapfer, trotzdem bleib ich weiterhin in L.A und arbeite intensiv an meiner Schauspielkarriere.“ Nur nicht aufgeben. Und so durfte Nadine in einem Musikvideo von Britney Spears als Britney Spears-Double mitmachen. Sie spielte eine von dutzenden Doppelgängerinnen, die eine Horde Paparazzi von der echten Britney ablenken sollen. „Das war extrem schwierig. Wir trugen alle blonde Perücken, sexy Kleidchen und mussten wild herumtanzen“, erklärt mir Nadine. Auf diese schauspielerische Meisterleistung hin wurde sie für CSI New York entdeckt. Darin durfte sie eine Prostituierte mimen, die leicht bekleidet auf der Flucht vor Verbrechern ist. Ohne umgebracht zu werden, not easy, präzisiert Nadine. Gar den Text habe sie gut gekonnt, sie musste einfach ganz, ganz laut schreien. Aber im richtigen Moment, strahlt sie mich an. Auch das ein weiterer Schritt in ihrer amerikanischen Schauspielkarriere. Kurz darauf machte sie in einem Werbeclip-Wettbewerb für die Steuererklärungsfirma Taxslayer mit: Eine, die sich auszog, das Fürchten zu lernen. Geschauspielert wars gut, nur hat sie mit ihrem Grisons-English an der Zielgruppe vorbei gesprochen. Die 25 000 Dollar Gewinnsumme somit nicht an sie. Inzwischen klopfte ein neuer Auftrag an: Ein hüllenloses Geräkel im „Girls Gone Wild“-Magazin. Das gehört einem Freund von mir, klärt sie mich auf, daher hab ich gewusst, auf was ich mich einlasse. Ein gewisses Interesse an ihr zeige inzwischen sogar der Playboy. Apropos, ihre neue Liebe, das hat sie nicht nur mir, sondern der ganzen Schweiz verraten, ist ein Gärtner. Ein gutaussehender Gärtner. Der in Wirklichkeit ein berühmter Schauspieler ist. Liiert ist vielleicht ein wenig übertrieben, gesteht sie, ich kenn ihn aus Desperate Houswifes, wir sind uns über den Weg gelaufen, wie das halt so üblich ist in Hollywood, und sind uns äh, näher gekommen. Es ist Jesse Metcalfe! Wow, ich schlucke leer. Wieder so ein schwieriger Name, das kann ja nicht gut gehen...

Freitag, 14. August 2009

Müssen Missen wissen?

Glanz und Gloria des SF 1 prüfte die Miss Schweiz Kandidatinnen. Auf Herz und Verstand. Sie mussten Schweizer Wahrzeichen benennen. Das Matterhorn zum Beispiel. Als Berg erkannt (1 Punkt), jedoch nicht wie er heisst (da war der Punkt wieder weg). Unglaublich für den Wallis-Tourismus Direktor, er hat die jungen Frauen eingeladen, damit sie sich vor Ort das Horn einprägen können. Karina Berger, die Ur-Miss, hatte ihre Mädchen verteidigt: Es war eine ungewohnte Perspektive des Matterhorns. Stimmt. So gross und von vorn...
Das Bundeshaus als wichtiges Gebäude gesehen (plus 1 Punkt), eine Kirche vielleicht (minus 1 Punkt). Hans Rudolf Merz ein Bundesrat (1 Punkt), der Kleine aus dem Appenzell (2 Punkte), als Christoph Blocher demaskiert (2 Punkte weg). Das Genferwappen als Schweizer Wappen (1 Punkt), dem Kanton Bern zugedacht (adieu 1 Punkt). Der Vierwaldstättersee als See vermutet (1/2 Punkt). André Reithebuch als Mister Schweiz sammelte für alle Punkte. Und auch die Murmeltiere wurden richtig identifiziert. Die putzigen Tiere (plus 1 Punkt), die so lustige Geräusche machen: oink, oink (minus 1 Punkt). Daraufhin hat der Tourismusdirektor von Graubünden eine Einladung an die jungen Frauen geschickt: sie dürfen sich eine Woche lang auf dem Murmelpfad im Avers auspfeifen lassen!

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Morsezeichen: Die Misere der Missen

Samstagabend spät. Es blinkt wieder von Herrliberg her. „Missen müssen wissen“, morst mir Silvia direkt in unsere Stube. Und ob ich noch wach sei. Selbstverständlich, spätestens jetzt, leuchte ich sofort zurück. „Wir haben gerade zusammen die Miss Schweiz Wahl geschaut. Der Christoph und ich. Und sind entsetzt, er als alt Bundesrat und ich als alt Lehrerin, dass die Kandidatinnen unsere sieben Magistraten nicht aufzählen konnten.“ Ich überschlag sie schnell im Kopf. Und komm auf sechseinhalb. Hüte mich aber, dies zurück zu funken. Zudem geht es ja nicht um meinen Wissensstand. Für eine Misswahl komm ich eh nicht in Frage. Zu alt halt. „Eine Miss repräsentiert das Land, muss natürlich hübsch anzusehen sein und sie muss sich auskennen. Auch in Sachen Staatskunde. Da darf auf die Frage nach dem mächtigsten Schweizer Politiker nicht gestottert werden, sondern es muss eine rasche Antwort kommen! Die wissen wir zwei natürlich, jedoch keine der Missen“, blitzt es von der Goldküste herüber. Wenn man bedenkt, dass eine Miss gar Präsidentin von Amerika werden kann, ist eine solide Grundausbildung durchaus sinnvoll. „Am besten fängt man damit eben schon im Kindergarten an“, antworte ich harmlos. Doch das Licht auf der anderen Seite ist schon aus.