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Freitag, 12. Februar 2010

Unter einer Burka...

Siehst du, wettert Ulrich Schlüer durchs Telefon, mit einem Burka-Verbot wäre das dem Mann in Dubai nicht passiert: Erst nach der Trauung feststellen, dass die geehelichte Frau schielt und einen Bart trägt! Unter einer Burka lässt sichs halt schlecht rasieren, antworte ich ihm, aber das Schielen ist natürlich eine unschöne Sache. Hinters Licht geführt hat die Braut den armen Bräutigam samt seiner lieben Mutter, die ihm bei der Brautsuche behilflich war, fährt Schlüer fort, zeigte sie den Zweien einfach das Foto ihrer hübscheren Schwester und verheimlichte so ihr wahres Aussehen – und was lernen wir daraus? Lass die Mutter daheim, wenn du auf Frauschau gehst, vermute ich. Quatsch, ruft Schlüer, die Burka ist eine Quälerei für ihn, für sie, für uns alle! Aber Ueli, siehs doch nicht so schwarz, entgegne ich besänftigend, seinerzeit hatten selbst meine Eltern überlegt, zum Islam zu konvertieren, weil ich mit fast Dreissig immer noch ein Fräulein war. Mich in eine Burka zu stecken, damit ich endlich unter die Haube komm. Kurz bevor wir uns vom Christentum verabschiedeten, heiratete mich gleichwohl einer auch ohne Schleier. Ein Deutscher, sag ich glücklich dazu, aber da hat der Ulrich bereits aufgelegt.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Die männlichen Minarette

Ja, aber Julia, sage ich zu der Onken, als sie sich bei uns an einer Teetasse festklammert, 4000 Mails an Frauen verschicken, sie darin auffordern, ein Ja in die Urne zu legen, der Anti-Minarett-Initiative zuzustimmen, da kannst du ja gerade so nur eine Beitrittserklärung der SVP anhängen. Julia Onken nickt stumm. Und jetzt wunderst du dich, dass Gerüchte kursieren, du und der Schlüer, ihr hättet unter der Bettdecke gemeinsame Strategien aufgebaut, red ich weiter. Stimmt, pflichtet mir Onken bei, Minarette sind männliche Machtsymbole und Moscheen sind Männerhäuser, Burkas etwas für unterdrückte Frauen oder sag mir eine, die so ein Ganzkörpertuch freiwillig trägt? Ich denke an meine zugewonnenen Kilos in den letzten Tagen und an mein Spiegelbild von heute morgen, ja, also eine wüsste ich schon. Dann die Türkin mit ihren Einkaufstüten, fährt Julia fort, zwei Meter hinter ihrem Ehemann her laufend, so ein Bild kränkt mich zutiefst, so dass ich am liebsten zu ihr hingehen und rufen würde, hallo, wir sind in einem Land mit Gleichberechtigung von Mann und Frau! Von Mann und Frau, überleg ich kurz, was sagen die Männer, welche zwei Meter hinter ihren Frauen laufen, um diverse Einkaufstaschen von Agent Provocateur, Bally bis hin zu Jimmy Choo ihre Frauen nachtragen müssen? Du siehst den Sinn der Sache nicht, schimpft mich Julia, den Minarett-Baustopp haben wir nun gewonnen. Der nächste Schritt ist das Burka-Verbot, eine totale Verschleierung, das muss verboten werden, zumindest, wenn damit die Ausübung des Berufs behindert, erklärt Julia abschliessend und verlässt unser Haus. Sie habe eben noch ein Date. Vor der Tür wartet der Schlüer. Beide winken mir kurz zu. Velokurier, ruf ich noch fragend hinterher, wenns da den Schleier in die Speichen zieht, ist das eine Behinderung? Aber das hören sie bereits nicht mehr...

Montag, 23. November 2009

Der Muezzin in der Kirche

Ein Skandal ist das, schimpft Ulrich Schlüer durchs Telefon, womöglich ist dieser Muezzin in dieser reformierten Kirche noch auf diese Kanzel gestiegen und hat zu diesem Gebet aufgerufen, echauffiert er sich. Er redet vom letzten Samstag, dem Jubiläumskonzert „850 Jahre Kirche Thalwil“, ein katholischer, ein reformierter und ein Jugend-Chor singen Jenkins „The armed man“ – eine Messe über Krieg und Frieden in allen Zeitaltern, Ländern und Konfessionen. Ein Muezzin erhebt mittendrin seine Stimme. Zu Gott. Und vor ausverkauften Bänken. Das Publikum ist berührt, schaurig schön seis gewesen, spricht die Gemeindepräsidentin danach. Jetzt kommen sie schon in unsre Kirchen, flüstert Schlüer mir aufgeregt ins Ohr, dabei haben wir noch nicht einmal über das Minarettbau-Verbot abgestimmt. Ja, ja, antworte ich, ein Skandal ist das. Das mit dieser Initiative. Aber da hat er schon aufgelegt.