Sonntag, 1. Mai 2016

Verschiffter Sonntag

Illustration: Marisa Meroni, 2016
Wenns draussen regnet und schifft, berichten die Sonntagszeitungen voll bekifft. Stopp! Falscher Einstieg! Entschuldigung. Also nochmals: Wenn der Regen sich über den Sonntag legt, die Sonntags-Zeitung mich sehr bewegt. Genau. So stimmts.

Also: Heut hab ich gelesen, dass vielleicht die Victoria Beckham sich von ihrem Ehemann trennt. Oh nein, Vicky, nein, du darfst den David nicht verlassen! Ich find ihn so wunderbar, wirklich, und er hat ganz viele Zeichnungen und Skizzen auf seinem Körper! Andere Kinder müssen stets in ein iPhone oder ein Tablet stieren, aber deine können still neben dem Vater sitzen und ihn einfach nur bestaunen! Je nachdem wie er sich bewegt, ists wie Daumenkino! Und zudem ist David auch sonst ganz viel mit den Kids zusammen, tschuttet und sitzt danach gebügelt und gestrählt am Laufsteg mit der gesamten Kinderschar und schaut zu, wie du deine eigene Mode auf lebendigen Stelzen präsentierst. Das machen imfall echt nicht viele Familien.

Victoria arbeitet hart am Familienglück, macht sechsmal die Woche Sport, nur so hat sie ihre Figur unter Kontrolle, das steht dann noch as biz weiter unten in dem Artikel. Und mir sagt das: Es wird auch Vicky nichts geschenkt. Nicht mal die Nüsse. Denn ab und an esse sie auch eine Handvoll davon. Handvoll? Die Hände der Victoria sind nicht grösser als die ihrer Tochter Harper Seven, die ist imfall erst vier.

Die Sonntagszeitung berichtet ein paar Seiten später über genau das, was Vicky nicht macht: Essen. Und zwar mit Starkoch Nenad Mlinaveric, dem 18 Gault Millau Punkte gehören und beinahe so gutaussieht wie der Andreas Caminada. Das Auge isst ja mit, nicht wahr? Er präsentiert ein Gericht, das unsereins nicht mal mit der Hirngrösse einer Nuss auf Victorias Hand nachkochen will: „Linsen mit verbranntem Lauch und geräuchertem Seidentofu“. Wo sind wir denn? Die Seide steht für die Haut Couture, vielleicht, wer weiss, der verbrannte Lauch für die Victorianischen Kochkünste, denn wer Nüsse abzählt, muss ja noch nicht wirklich den Lauch im Griff haben. Das Schwarze des Lauchs wird danach ausgeschafft, das munzige Lauchherz bleibt übrig, ein paar eingewanderte Linsen kommen danach dazu und zack, legt der Tofu seinen Seidenmantel darüber. Ein wenig Räuchermehl darüber bis der Tofu qualmt. Mit Alufolie abdecken (das steht im Rezept) und überschüssigen Rauch mit separater Alufolie inhalieren (dies wiederum nicht auf Rezept). Tofukiffen bis die Vicky dir voll einfährt. Oder du vom Fisch fällst. Glaubt es mir. Gelingt ganz bestimmt. Aber nur, wenns am Sonntag schifft. Und David neben dir sitzt.

Freitag, 29. April 2016

Weiss der Geier? Der Geier weiss das!


Isis und Nordhorn, die zwei alten schwulen Geiervögel aus dem Tierpark Nordhorn, brüten über einem Ei. Ein Ei, das die Geierlisa auf einem Ast sitzend zu Boden plumpsen liess, vermutlich hat sie nicht an ein Ei gedacht, als sie abdrückte. Nun, das Ei heil unten angekommen, eine Tierpflegerin hats sofort bemerkt, aufgelesen, die Geierlisa herbeigerufen und ihr das Ei gezeigt. Die Geierin darob den Kopf geschüttelt, nein, ein Nest dafür bauen möge sie sicher nicht, wer sagt ihr denn, ob der Vogel darin nicht einen Vogel hätte, nach so einem bösen Sturz? Die Tierpflegerin darauf kurz überlegt, ob sie das Ei zu sich nehmen sollte, aber dann hat sie sich vor den vielen komplizierten Schreiben der Fachstelle für Adoption gefürchtet und die Kesb schon an ihrer Haustüre klingeln hören, so hat sie das Ei flugs zu Isis und Nordhorn gebracht. Hey, Jungs, hat sie gesagt, ihr seid die einzigen Vögel hier im Park, die in einer festen Bindung leben und ein eigenes Nest haben. Noch gibt es kein Gesetz, das schwulen Geiern eine Vogel-Adoption verbieten könnte, wollt ihr euch also diesem Ei annehmen, als ob es euer eigenes wäre? Isis nicht lange gefackelt und sich auf das Ei gesetzt. Ganz die Frau in der Beziehung. Und Nordhorn sofort ausgeflogen, um Nahrung für seine kleine Familie zu organisieren. Ganz der Mann halt. Soll einer sagen, bei den schwulen Geiern sei die Welt nicht in streng katholischer Ordnung. Jetzt aber ist der Tierpark ein wenig desorientiert, weil niemand recht weiss, wer denn der biologische Vater des Vogeleikindes ist. Lisa wurde nie mit, pardon, Vögeln erwischt, was ja nichts heissen muss, unsereins passt ja auch ein wenig auf, nicht wahr? Im Prinzip könnte sowohl Nordhorn als auch Isis der Vater sein, denn weiss der Geier, was der schwule Geier immer treibt? Aber natürlich darf auch eine unbefleckte Empfängnis in Betracht gezogen werden. So wird auch die katholische Kirche ihren Segen zu Isis und Nordhorn geben. Dann haben die Vögel uns wieder etwas voraus. Zum Himmel fahren sie ja eh schon alle...

Dienstag, 8. März 2016

Unter uns Frauen: Wechseljahre


Heute, am Tag der Frau, da lese ich gerade in einer Wochenzeitung, wie es ist, Mittfünfzigerin zu sein, die Falten gar keine Rolle spielen, weil die innere Gelassenheit so gross und einzig betrüblich, die Affären ein wenig weniger. Die Affären weniger? Die Wechseljahre, ach nicht schlimm, weil Gefühlsschwankungen hat jede mal und klar kann es vorkommen, dass es die eine stärker trifft als die andere, aber im Prinzip genügen schon ein paar Tropfen eines Nachtschattengewächses und easy, chills, um mit den Worten meiner pubertären Tochter zu sprechen, die sich mit Gefühlsschwankungen sehr gut auskennt, solange sie nicht über ihre eigenen sprechen muss.

Die innere Gelassenheit, ich geb es zu, die fehlt mir. Die äussere übrigens auch. Wenn sich am Morgen im Badezimmer der Spiegel überm Lavabo automatisch abdunkelt, sobald ich davorstehe und mir bloss die Zähne putzen will, nehm ich das natürlich sehr persönlich. Da wein ich schon, bevor ich mich hab anschauen können. Die reinste Achterbahn in unsrem Haus ist das, wenn es Mutter und Tochter gleichzeitig erwischt. Ich mit meinen Wallungen und sie mit ihren Pubertätsschüben. Im Prinzip müsste in jeder Packungsbeilage der Antibaby-Pille stehen: Achtung, wenn Sie jetzt schwanger werden wollen, dann rechnen Sie bitte aus, wie alt Sie sind, wenn Ihre Tochter (wahlweise auch der Sohn) fünfzehn ist. Wobei das Ganze nicht einfach zu eruieren ist, die Pubertät kann ja mit zwölf beginnen und die Wallungen mit fünfundfünfzig noch nicht aufhören...

Zum Tag der Frau wünsch ich mir keine Wechseljahre mehr. Die Pubertät genügt vollauf. Weshalb müssen wir Frauen uns nochmals mit Bibeli am Kinn und auf der Stirn abmühen, gegen fiese Gewichtszunahme kämpfen und den Schweiss vom Gesicht wischen, der wie aus dem Nichts tief in dir drin erhitzt wird und zack aus den Poren geschossen kommt und du hoffst, das Gegenüber bemerkt es nicht, was es sehr wohl macht und nicht recht weiss, soll es dich jetzt mitleidig an- oder beschämt wegschauen?

Selbstverständlich gibt es auch Männer, die in den Wechseljahren stecken. Werden sie aber danach gefragt, so antworten sie: Wechseljahre? Nein, kenn ich nicht. Oder meinst du die Jahre, in denen ich das Familienauto in einen Rennboliden und von meiner Ehefrau zu einer viel Jüngeren gewechselt habe? Dabei lächeln sie stolz und streichen sich das dunkel gefärbte Haupthaar über ihre sehr hohe Stirn zurück.

Das löst mir jetzt grad wieder eine Wallung aus.

Samstag, 30. Januar 2016

Rauchen ist eh gefährlich

Die E-Zigarette ist ja die Neue bei den Rauchern. Wobei, unter uns gesagt, sieht sie ja immer ein wenig aus als wäre sie bloss ein dampfender Kugelschreiber im Gesicht. Aber im Moment cool und jawoll: Eh gesünder als der alte Tobak.
Aber nun die Nachricht dieser Tage: Ein 20jähriger Kölner klemmt seine E-Zigarette zwischen die Lippen. Sein E-Teil hat er kurz zuvor neu zusammengesetzt und mit einem frischen E-Akku ausstaffiert. Man muss sich das so vorstellen wie damals, als wir unser Töfflil frisierten, um danach mit Höchstgeschwindigkeit durchs Dorf zu knattern, das hebt das E-go, wir waren dabei e-xtrem cool. Aber am Auspuff gezogen und das Abgas inhaliert, das haben wir dann doch nicht. Jedoch der Kölner mit seinem getunten Kugelschreiber schon und zack beim ersten Zug: Bumm!! Voll das Teil explodiert und sein Gebiss implodiert.
Nicht lustig? Nicht lustig! Aber bei Tom und Jerry haben wir gelacht. Der Tom mit einer Dynamit-Stange zwischen den Lippen, der Jerry, der ihm Feuer gibt. Paff, die grosse Explosion! Der Kater mit dem schwarzen Gesicht zahnlos, ratlos.
Und die Moral von der Geschicht: Rauchen lohnt sich e-nicht.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Schlossgespräche: Die Nacht der langen Messer

Tief unten drängt sich der Rhein am Felsen vorbei, die feuchte Kälte klettert langsam hoch und dringt in die alten Gemäuer des Schlosses Rhäzüns ein. Im Innenhof bückt sich Christoph Mörgeli, in einen dicken Wintermantel gehüllt, etwas ungelenk über die Rosenstöcke und klaubt vereinzelte braune, leicht verfaulte Blätter von den Dornen. Seit er nicht mehr seine Zeit im Nationalrat verplempern muss, ist er viel häufiger im Schloss anzutreffen, sehr zur Freude von Silvia, die nie genug Christophs um sich versammelt haben kann, wie sie manchmal scherzt. Mörgeli, ruft Christoph Blocher aus dem Fenster des Herrenzimmers, schau schnell ins Verlies, obs etwas Wasser und Brot braucht und komm danach hoch zu uns, unsre Strategiesitzung fängt jetzt an! Im Zimmer versammelt sind Adrian Amstutz, der Fraktionschef, der diese Tage über sich hinauswächst, wie Blocher freudig festgestellt hat, sämtliche Antworten, die Christoph dem Amstutz aufgeschrieben und dieser der Presse zum Thema Dreier-Ticket Bundesratskandidaten wiedergegeben hat, waren ohne Abweichungen 1:1 zum Originaltext. Das beweist, dass Amstutz nun schon viel besser lesen kann, als noch zu Beginn seiner Zeit als Präsident der Fraktion. Toni Brunner, als Protokollführer der Schlosssitzungen mit Block und Bleistift bewaffnet, läuft zu seiner persönlichen Bestform auf, seit er mit seinen Zeichnungen die wichtigsten Beschlüsse festhalten kann. Die Parteileitung hat seither viel mehr Respekt vor ihm. Konzentriert malt er eine Sonne mit drei aufrechten und zwei leicht geknickten Strahlen. Ein schwörendes SVP-Bundesratssünneli. Roger Köppel zu seiner rechten schüttelt den Kopf. Infantilismus ist die Vorstufe der kompletten Idiotie, raunt er leise seiner Nachbarin Magdalena ins Ohr. Hä, Mister Köppel, wot häv yu, krächzt sie, können wir nicht endlich loslegen, wir brauchen hier gar keinen Beamer!
Die Wahlfreiheit des Parlaments haben wir zum Glück eingeschränkt, beginnt Blocher, möchte ja nicht wissen, wen sie dort oben in Bern als Bundesrat auf die Zettel schreiben würden, am Ende vermutlich gar mich! Die besten Kandidaten wären selbstverständlich meine Magdi oder der Köppel gewesen, referiert Christoph weiter, doch übt euch in Geduld, in vier Jahren ist es so weit. Dieser neue Bundesrat aber ist zweite Wahl und ein Strohmann, er wird von mir täglich instruiert, sonst wäre er natürlich nur ein halber Bundesrat, klärt Blocher lachend auf. Kaum hat Toni das Strichmännchen fertig gezeichnet, muss er es bereits wieder halbieren. Aufpassen müssen wir einzig auf die Sprengkandidaten aus unseren Reihen, warnt Blocher. In diesem Moment tritt Mörgeli mit einem langen Messer ins Herrenzimmer. Germann, Hurter und Brand sind nach wie vor angekettet unten im Verlies, berichtet Mörgeli, einzig fehlt die Widmer Gysel, sie hat sich befreien können und ist auf der Flucht! Blocher wird bleich und lässt sich auf seinen Stuhl sinken. Nicht schon wieder eine Widmer, die ihm Ärger macht!

Dienstag, 1. Dezember 2015

Wo ist sie denn, die gute Fee?

Was für eine Anzeige! Eine Fee gesucht! Mit Herzblut und Freude, so stehts geschrieben, wie gemacht für mich! Denn wir Feen bestehen aus nichts anderem als aus Herzblut. Und Freude. Die gewünschte Fee also soll in ein exklusives Haus bei Luzern entschweben. „Bei“ Luzern ist natürlich nicht „in“ Luzern. Aber, unter uns Feen, über solche Details zwinkern wir locker hinweg, wenn der Rest stimmt, nicht wahr? Ein stilvolles Ambiente zaubern? Sauber sein? Den Blick fürs gewisse Detail haben? Easy. Gehört zum Feen-ABC. Der Arbeitgeber ist cool, kultiviert und dynamisch. Zudem hat er auch einen Rücken. Einen breiten vermutlich. Durchtrainiert. Grrrr. Diesen soll die Fee ihm freihalten. Klar. Feen lieben den Rücken freihalten. Gleichzeitig ein Händchen haben für ...? Na, na, liebe Fee, eine Schelmin, wer an was anderes denkt, das Händchen haben wir bloss für exklusive Garderobe. Sicher doch. Pelzmäntelchen und Lederstiefelchen gehören schliesslich zur Grundausrüstung aller Feen. Die Lackfeen geben gar noch einen drauf und ich bin mir sicher, dass der coole, kultivierte Unternehmer mit ihnen auch darüber dynamisch verhandeln kann. Natürlich sollen administrative Arbeiten nicht zu kurz kommen, immer dann, wenn der Arbeitgeber rückenfrei die Fee zum Diktat auf seinen Schoss bittet. Die Fee darf übrigens gerne dort vor Ort bei Luzern nächtigen, wenn der Herr des Hauses ausser selbigem ist, weil sich dann nämlich seine Tiere einsam fühlen. Der Rottweiler und die Piranhas im Aquarium. Für eine Fee kein Problem, denn eine Fee liebt alle Geschöpfe. Selbst solche scharfe. Und sollte der dynamische und kultivierte Monsieur spontan ins Heim zurückkehren, hat er in seinem Mahagonischrank sicher die eine oder andere Lederpeitsche, um den Rottweiler aus der Fee zu treiben. Und allerspätestens hier bin ich keine Fee mehr und der Job also nichts für mich.

Dienstag, 24. November 2015

Elektro-Schreck-Mobil

Ich bin ja ein ausgesprochener Autofan. Marken und Motoren, Technik, Innenausstattung, da überschlägt sich mein Herz! Kein Erlkönig, der unerkannt an mir vorbeireitet. Ich kenne die Autos unserer Bundesräte, den silbernen 4x4-Subaru von Ueli Maurer zum Beispiel und weiss, dass sein Sohn ihn in eine Hauswand gesetzt hat. Zum Glück glimpflich davon gekommen, Mauer wie Maurer. Ich sehe den Tesla von Doris Leuthard vor mir und hab gehört, dass sie mit dem Elektro-Turbo mindestens eine Million Kilometer fahren muss, um den lebenszyklusweiten Input an Material, Energie und Wasser für die Herstellung und den Betrieb zu egalisieren. Dies auf alle Fälle hat ein Nachhaltigkeitsforscher und Co-Direktor des Genfer Instituts für Produktedauer-Forschung unlängst geäussert. Und ein Professor von der ETH für motorsystemtechnische Projekte meint, die Ökobilanz der Elektroautos sei dürftig, am heutigen Schweizer Strommix wird sich in den nächsten 15 Jahren wenig ändern, daher sind Elektrofahrzeuge kein Gewinn für die Umwelt. Beide beziehen vermutlich Fördergelder von der Benzin- und Dieselgesellschaft und fahren während den nächsten 15 Jahren mit ihren stinkenden Verbrennern eine Million Kilometer.
Und jetzt auch noch das: Abgasfreie Elektroautos fahren völlig leise! Rollen lautlos durch die Strassen und erschrecken hinterhältig ahnungslose Bürger! Unglaublich! Mit einer Interpellation fordert die SP-Nationalrätin Bea Heim akustische Warnsignale zur allgemeinen Sicherheit. Der Bundesrat möchte entsprechende Vorschriften im Sommer 2019 in Kraft setzen und prüft das selbstauslösende Martinshorn - sobald sich das Elektromobil einem Fussgänger oder einer Hausmauer nähert - was natürlich zu akuten Herzrhythmusstörungen zumindest bei älteren Passanten führen kann. Empfehlenswerter: Bei jedem Elektromobil standardmässig eingebaute Benzin-Laubbläser, vorne angebracht, die dann mit 100 Dezibel durchs Quartier lärmen! Eine hörbar saubere Lösung für alle.