Trotzdem surrten
in Thusis kürzlich wieder die Kameras. Die Soldaten der RS-Komödie „Achtung,
fertig, Charlie“ rückten in den WK ein. Der neue Streifen heisst ab sofort „Achtung,
fertig, WK“. Das kann man originell finden. Unter uns gesagt, es war halt
einfach die günstigste Lösung. Bloss keine grossen Änderungen, die die Kosten
unnötig in die Höhe treiben. Das Bundesamt für Kultur hatte zwar etwas Geld
gesprochen, doch das VBS um Ueli Maurer herum zierte sich. Das Drehbuch dieses
WK-Streifen passte dem Militär gar nicht. Achtung, fertig lustig sagte darauf
der Ueli, 250'000 Franken investieren, quasi ein Sechstel Gripen, für etwas,
das uns nicht gefällt? Sicher nicht. Schon bei Charlie fühlte sich das VBS
nicht richtig dargestellt, zu komödiantisch. Zum Lachen gehen wir nämlich in
den Keller. Spass gibts bei der Truppe nur im Geheimen. Mit lustigen Ritualen
zum Beispiel. Aus Rekruten in der RS Hackfleisch machen, sie im WK zu Hamburgern
formen und das Ganze mit einer Hamburger-Taufe zelebrieren: Bis zum Erbrechen
gammliges Fischfleisch oder Katzenfutter essen. Auf dem Set in Thusis gabs dann
aber Steinbock. Oder Lama. Das war hart, Mann!
Mittwoch, 3. Juli 2013
Aus Mittelbünden: Achtung, fertig, Ueli
Also ich finde
ja, die Wanderung mit Nik Hartmann rund um den Beverin war eine schöne und
gelungene Sendung. Auch wenn die versprochenen Steinböcke Lamas waren. Und der
Beverin im Nebel und Schnee versank. Nichtsdestotrotz, ich hab unsren
Unterländerfreunden versichert, dass er der schönste Berg ist weit und breit
und dass er sich nur deshalb versteckte, weil er den Ansturm auf seinen Gipfel
fürchtet. Ein Paul Züllig ist ihm schon genug. Und es war vermutlich selbiger Züllig,
der mit dem Wettergott einen Deal abschloss, Dramen wie sie kürzlich unterhalb
des Mount Everest stattfanden, sollten sich schliesslich nicht wiederholen. So
ists zu erklären, dass das Schweizer Fernsehen seine Equipe mit Hartmann kein
zweites Mal losschicken wird, um bei besten Verhältnissen die Steinböcke rund
um den Beverin nachzuliefern.
Mittwoch, 26. Juni 2013
Paarungszeit
Und nun zu Adam und Eva: Männer haben
bloss deshalb den Drang, mit möglichst vielen verschiedenen Frauen zu schlafen,
weil sie eine Unmenge an Testosteron und schweren Samen mit sich herumschleppen
und sich biologisch erleichtern müssen. Frauen hingegen sind da etwas weniger
belastet, ihre Anzahl Eier ist limitiert, so dass sie sehr genau prüfen, wer
als bester Genträger für ihre Nachkommen strammstehen könnte. Also theoretisch
gesehen. Praktisch läufts ja dann doch mehr auf ein ‚Probieren geht über
Studieren’ hinaus. Item. Männer neigen zu Promiskuität und Frauen zu Monogamie.
Soll heissen: Männer holen sich den Appetit auswärts, essen auswärts, ebenso
gerne daheim und dann wieder auswärts. Was aber eine anständige und ehrbare
Frau ist, definiert sich über ihre Kochkunst und das Sexualleben und Letzteres
sollte auf keinen Fall ausschweifend sein. Das Begehren und Verlangen der Frau
wird durch ihren tiefen Testosteronspiegel flach gehalten. Sagt man.
Aber zum Glück haben Adam und Eva
nicht nur geschlafen. Inzwischen wissen wir, dass Frau durchaus lustig sein kann,
das Rhesusaffenweibchen lässt grüssen. Sexuell gesehen sind Frauen für die
Monogamie offenbar noch viel weniger geeignet als Männer. Das hat kürzlich der
„New York Times Magazine“-Autor Daniel Berner in seinem neuen Buch „What Do
Women Want?“ festgehalten. Zahlreiche Experimente weisen darauf hin: Frauen und
Männern wurden Filme von schwulen, lesbischen und heterosexuellen Paaren sowie
Affen beim Sex gezeigt. Die Frauen kauten angeregt auf ihren Unterlippen herum und
spannten ihren Beckenbodenmuskel an – und zwar in allen Fällen, selbst bei
kopulierenden Affen. Die Männer hingegen reagierten niederschwellig und höchstens auf
das, was man eh erwartet hatte...
Und jetzt? Emotionale Nähe und
Geborgenheit als Voraussetzung für Sex ist Frauen ebenso wichtig und unwichtig
wie bei Männern. Das Neue, Unbekannte reizt hüben wie drüben. Und in langjährigen
Beziehungen schwindet die Lust aufeinander. Bei Frauen jedoch bedeutend
schneller als bei den Männern. Ohalätz. Weshalb das so ist, wird bis jetzt nicht
wissenschaftlich belegt. Hingegen sicher ist: Die Lust lässt sich wesentlich
länger erhalten, wenn Paare getrennt wohnen. Jedem sein eigenes Häuschen sozusagen.
Fragen wir mal die Weinbergschnecke. Der alte Zwitter. Kommt aus seinem Haus,
paart sich mit der erstbesten Schnecke, die über seinen Schleim kriecht und
schnackselt über Stunden bis die Hütte bebt. Danach ziehen sich Herr und Frau
Weinbergschnecke getrennt voneinander in das eigene Domizil zurück und warten
auf die Paarungszeit im nächsten Jahr... Eigenes Heim, Glück allein?
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Montag, 17. Juni 2013
Münchhausens Schwester
Im Pflegeheim „Münchhausen“ vor den Toren Münchens hat sich eine Anästhesieschwester kurzerhand selbst und absolut unbürokratisch zur Ärztin befördert. Just zu jener Zeit trippelte Lothar Matthäus vorbei, suchte eine ausgewiesene Fachkraft für sein neu eröffnetes Sanatorium für abgelaufene Fussballer. Die Anästhesieschwester legte Loddar kurzerhand den „Münchhausen“-Wochenmenuplan verkehrt herum unter die Augen und behauptete lässig, dies sei die Urkunde zu ihrer Doktorarbeit. Nach intensivem Studium zeigte sich Loddar glücklich und stolz, eine so vielfältige Persönlichkeit für seine Residenz gewonnen zu haben. Bald darauf und ein paar chaotische Zustände später war das Heim auch schon wieder zu.
Da kam ihr die Nachricht „Ärztemangel
in der Schweiz!“ grad recht. Sie verliess Bayern und Loddar und meldete sich
als Assistenzärztin in der Rehaklinik Zurzach. Dort waren sie tief beeindruckt
von ihrem Lebenslauf – den sie öfters mal mit ein paar katastrophalen
Ereignissen aufbesserte – aber das musste die Klinikleitung ja nicht wirklich wissen.
So stand da vom grenzenlosen Einsatz bei den Ärzten ohne Grenzen in den
schlimmsten Krisengebieten. Oder dass sie just beim Anschlag auf das World
Trade Center in New York vor Ort war. Sie verletzte Ärzte, ich mein, verarztete
Verletzte und tat überhaupt viel Gutes. Als im Winter 2012 im österreichischen
Lech eine Lawine den holländischen Prinzen Friso mitriss, war sie per Zufall
grad dort und konnte so den Friso zurück ins Leben rufen. Ganze 50 Minuten hatte
sie dazu gebraucht. Leider hat er sich bis heute noch nicht dazu geäussert,
geschweige, sich bei ihr bedankt. Nach Zurzach zog sie von Klinik zu Klinik, versprach
jeweils, die fehlenden Berufsurkunden nachzuliefern. Was nie geschah. Und sie
so die nächste berufliche Station aufsuchte.
Im Nachhinein fallen natürlich
die unsachgemässen Diagnosen der selbsternannten Ärztin auf. Einer betagten
Patientin hat sie gar eine Zuckerinfusion zu lange verabreicht. Das Blut verdickte
sich zu Caramel, die Patientin starb einen süssen Tod. Subito hat die Schwester
die Einäscherung der Patientin verordnet, Tage später soll es noch nach
verbranntem Zucker gerochen haben.
Jetzt also ist sie aufgewacht.
Die bayerische Anästhesieschwester. Weiss, dass mit ihrem beruflichen Werdegang
nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Und das tut ihr jetzt auch leid.
Aber immerhin kann sie mit gutem Gewissen behaupten: ihre Doktorarbeit ist
garantiert kein Plagiat!
Sonntag, 9. Juni 2013
Vierzig, fünzig, sechzig
Heidi Klum ist kürzlich vierzig geworden. Und hat eine tolle Party
geschmissen. All meine Freundinnen müssen einen verrückten Hut tragen, hat Heidi
aufgeregt gekreischt. Somit die Feier ohne mich stattgefunden hat. Denn ich
habe gar keinen Hut. Vierzig sein macht überhaupt nicht weh, hat Heidi gemeint, ich
fühl mich so toll! Eigentlich ist vierzig das neue Dreissig, sagt sie glücklich,
schwenkt lustig ihren schwarzen Zylinder und entschwindet Arm in Arm mit ihrem
Bodygard in den neuen Lebensabschnitt.
Penelope Cruz mit 40 das neue Bond-Girl – ist sie dafür nicht zu alt?
Das hat letzthin eine Zeitung in grossen Buchstaben gefragt. Natürlich ist sie
zu alt! Auch wenn sie unbestritten wunderschön aussieht für ihre 40. Gemäss
Heidi wäre die Penelope ja erst 30. Und selbst für dieses Alter unverschämt
hübsch. Jedoch mit vierzig Jahren ein Bond-Girl spielen? Will man das einem
James Bond antun? Denkt man bloss an den angegrauten Roger Moor, wie er bereits
etwas hüftsteif seine Gespielinnen durch die Laken geschoben hat. Und wie alt
waren diese? Zwanzig? Fünfundzwanzig? Eben. Und einem bald fünfzigjährigen Daniel
Craig wünscht man sich doch ähnliches, nicht wahr?
Bei den Männern ist das Alter sowieso irrelevant, sie sehen einfach
immer gut aus. Ausser wenn sie nicht gut aussehen. Allerdings sind das Ausnahmen.
Und als ich das letzte Mal Wladimir Putin gesehen hab, wie er mit nacktem
Oberkörper durch Sibirien galoppiert, hab ich doch nie und nimmer an einen sechzigjährigen
Russen gedacht! Und jetzt also lässt sich dieses Mannsbild von seiner
55jährigen Ljudmila Putana, pardon, Putina scheiden. Nach dreissig Ehejahren. Weil
eine Zwanzigjährige dazwischen gekommen ist. Aber das bleibt jetzt unter uns,
sonst lässt er noch meinen Blog schliessen.
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Dienstag, 21. Mai 2013
Schön, schöner, am schönsten
Die schöne Angelina Jolie hat also ihre bedrohlichen Brüste ausgehöhlt
und sie mit gesundem Material wieder aufgefüllt. Nach Einschätzung ihrer Ärzte
hatte sie ein Brustkrebsrisiko von 87 Prozent. Der Applaus von Brad Pitt, den
Medien, den Feministinnen und all den anderen war ihr sicher. In meiner Familie
gibts Osteoporose, drum überlege ich mir jetzt ernsthaft, ob ich nicht
präventiv alle Knochen entfernen lassen soll.
Mike Jeffries ist der Chef der Kleidermarke Abercrombie&Fitch und als
Gott die Schönheit verteilte, ging Jeffries einfach vergessen. Deshalb lässt er
sich irdisch von einem Halbgott in Weiss nachhelfen, um sein Gesicht ab und an
nach hinten zu ziehen. Doch wahre Schönheit kommt von Innen, das weiss selbst
Jeffries und so stellt er in das Innere seiner Läden nur schöne Boys und Girls.
Jungs gar ein bisschen lieber und am liebsten würde er sie grad ganz
verinnerlichen. Nun wünscht sich der verschönerte Chef von A&F nur noch
schöne Kundschaft. Also schön gleich schlank, daher maximale Kleidergrösse 38
bei den Frauen. Bei den Männern zeigt er sich erneut grosszügiger. XXL darfs hier
schon sein. Sixpackmässig natürlich, nix Beerpack. Eine knallharte Gesichtskontrolle
am Eingang ist vorerst nicht geplant, denn Jeffries will ja öfter mal selbst
unangemeldet in seinen Shops vorbeischauen.
Am liebsten hätte ich nur schöne Leute um mich herum, sagt der
Schönheitschirurg Clarence P. Davis, der eine Praxis in Zollikon hat. Aus unscheinbaren
Brüsten mache ich zwei freche, ausgewachsene Äpfel, verspricht er. Dazu braucht
es nicht mal mehr das alte Silikon, da nimmt man heute lieber körpereigenes
Fett aus den Oberschenkeln. Je nach Vorrat gibts statt knackigen Äpfeln schon
mal reife Melonen à la Pamela Anderson. Wir denken an unsere dicksten Freundinnen
und an die nächste kantonale Kürbis-Konkurrenz. Absolut in ist zur Zeit der
Brazilian Butt Lift: Mit dem eigenen Fett das Gesäss aufpolstern und die
nächste Diät einfach aussitzen.
Die Intim-Chirurgie boomt, erklärt Davis weiter, Schamlippen schämen
sich, wenn sie zu gross sind, daher werden sie zack, in die richtige Form
gestutzt. Er hätte ja am liebsten, dass seine schwangere Frau einen
Kaiserschnitt plane. Damit nach der Geburt untenrum alles so ist, wies vorher
war. Sollte seine Frau im Alter mal etwas verblassen und sich nicht operieren
wollen, dann gäbe es wahrscheinlich Probleme.
Die meisten Patientinnen in seiner Praxis sind zwischen 22 und 45.
Natürlich gabs schon mal Fettabsaugen bei einer 12jährigen. Dem schweren Kind
wurde der Einlass ins Abercrombie&Fitch-Paradies verweigert. Das ergab eine
klare psychische Indikation für das arme Geschöpf. Unlängst hat sich bei ihm
eine 87jährige unters Messer gelegt. Weshalb, das hat sie leider wieder
vergessen, aber mit dem Resultat war sie dennoch äusserst zufrieden.
Silvia Affolter, die fast vergessene Ex-Miss Schweiz, streicht sich täglich
Hämorrhoiden-Crème um die Augen. Tränensäcke ade, sie habe jetzt eine Haut wie Baby-Popo,
strahlt sie. Immerhin hat ihre 87jährige Schönheitsschwester im Geiste noch
nicht vergessen, wo diese Creme tatsächlich hinkommt. Und so frage ich mich, ob
man das Füdli nun mit Fett aufspritzen oder das Gesicht mit Füdli-Creme in
Schuss halten soll. Die Falten sind schon da und der Fragen viele. Aber ohne
Knochen im Gesicht fällt bei mir ja eh bald alles komplett zusammen...
Samstag, 30. März 2013
Schlagen und geschlagen werden
Also ich hab mich bis jetzt nicht
wirklich zu den Bellers geäussert. Am Karfreitag nun die Meldung, dass die
Bellers sich in einem Nobelrestaurant in Florida um ein T-Bone-Steak
gestritten hatten, gar so schlimm, dass er ins Gefängnis musste, da hab ich
mich schon ein wenig gewundert. Wo bleiben denn da die christlichen Werte?
Hätte man sich nicht um einen Fisch herumdiskutieren können? Walter Beller,
Schweizer Baulöwe (64) und Multimillionär und seine Irina, russischer Haustiger
(40): Sie lobt sein Geld, er ihren Körper – keiner hat mehr und keine hat einen
schöneren, daher dürfen alle alles sehen. Gemeinsam spazieren sie durch die
Schweizer Illustrierte, zeigen die Suite in St. Moritz und die Villa am rechten
Zürichseeufer. Irinas Kleiderschrank ist da wie dort so gross wie unsre
Wohnung, bietet genügend Asyl für stille Pelztiere, schliesslich haben sies hier
drin viel besser als draussen im kalten Wald, aber das ist ja längst bekannt. Auch,
dass sie an einem Buch schreibt, nackt in einem Luchsmantel für über 100 000
Franken. Denn auf Textiles darunter könne sie locker verzichten, nicht jedoch auf
Schmuck von Tiffany. Sagt sie lächelnd. Kleider machen Leute, das war früher,
heute weiss jeder, es ist das Diamanten-Collier, das den Menschen ausmacht.
Zurück zum Wesentlichen: Die Bellers
hatten in Florida in einem Nobelrestaurant einen Platz fürs Dinner reserviert.
Der war noch nicht frei, so setzten sie sich an die Bar. Schwupps waren ein paar
Flaschen Champagner getrunken, etwas Weisswein obendrauf und – sie hätten es
wissen sollen, Weisswein macht Löwe und Tiger immer aaagggrrressiv. Endlich hungrig
zu Tisch, begannen sie sich über Vorspeisen zu streiten, plötzlich lag ein
T-Bone-Steak auf Bellers Teller, die Bellerin stach gierig mit der Gabel zu,
er wehrte sich mit seinem Besteck und zack, statt im Steak steckte Bellers
Gabel im Jochbein seiner Ehefrau. Blut floss, Irina schrie: Mordio und
Scheidung und Police! Subito der Löwe im Knast und der Tiger in der Hotelsuite,
quasi allein daheim. Die Moral von der Geschicht? Weisswein auf Champagner
trinke nicht. Und schenkt der Löwe kaum in Freiheit ihr ein Swarovski-Kleid, tut
dem Tigerchen die Scheidung doch sehr leid. Versöhnliches somit zu Ostern.
Apropos Tiger und schlagen: Der
Tiger Woods hatte ja einiges durchgemacht. Fremdgegangen ist er. Mehrmals und
überall. Pfui. Seine Familie weg, Sponsoren weg, Karriere weg. Und jetzt? Ist Lindsey
Vonn da. Nach ihrem schlimmen Unfall getröstet vom Tiger. Aus Freundschaft
wurde plötzlich mehr. Die schöne, erfolgreiche Skikanone hat mit ihren starken
Oberschenkeln den Tiger fest im Griff. Sein Erfolg ist zurück. Number 1!!!!,
twittert sie stolz. Wie wird Vonn mit Woods Sexsucht umgehen, hat man sich
bereits gefragt. Maria Höfl-Riesch gratuliert ihrer Freundin, sie freue sich ehrlich
für das neue Liebesglück. Und zittert heute schon vor Lindseys Comeback auf den
Skiern, denn Vonn fährt nächste Saison allen davon. Dem Tiger im Tank sei Dank.
In diesem Sinne: Friedliche und frohe Ostern!
Donnerstag, 28. Februar 2013
Morsezeichen: Dabei sein ist alles
Silvia steht an ihrem grossen Wohnzimmerfenster neben der Stehlampe und
macht das Licht an. Und wieder aus. An und wieder aus. Wir senden uns ja immer
mal wieder ein paar Kurznachrichten zu. Über den See hinweg. Traditionell
morsen statt modern twittern. Keiner achtet auf das Blenden von Gold- zu
Silberküste, da alle in ihren Smartphones versunken sind, hat Silva gemeint,
selbst absolut geheime Botschaften können wir uns auf diesem Weg übermitteln. Christoph
sitzt drüben im Esszimmer, blinkt Silvia, zusammen mit Wladimir – sie trinken Wodka
und prosten sich gegenseitig zu. Putin bei euch zu Tisch, drück ich etwas
ungläubig auf meiner Taschenlampe herum. Ja, ja, wir sind eben ein globales
Haus, auch wenn Christoph gerne den Eidgenossen raushängt, unsere Beziehungen
gehen weit über die Landesgrenze hinaus, wie sonst könnten wir unsrem Magdeli
so gut unter die Arme greifen und überhaupt die Ems Chemie international
aufrecht halten, funkt Silvia eifrig. Ich denke nach, aber muss es mit Wodka
sein, könnte das nicht auch ein Wein aus der Staatskellerei Zürich sein, antworte
ich vorsichtig. Nichts da, er soll sich bei uns zu Hause fühlen wie alle Russen
und wir wollen schliesslich an Informationen kommen, wie man es schafft, eine Olympiade
auf heimischen Boden zu holen: Die Winterolympiade 2022 gehört nämlich nach Graubünden,
fährt Silvia fort, uns fehlen dazu nur noch ein paar Milliarden. Und was hat
Putin damit zu tun, frage ich. Unser Freund Wladimir hat viel Erfahrung mit
Olympischen Ausschreibungen, sein leidenschaftliches Plädoyer damals für
Sotschi vor dem Internationalen Olympischen Komitee ist einmalig, 12 Milliarden
Dollar hatte er für die Bewerbung investiert, dem IOC ein paar weitere davon gesteckt,
um den Zuschlag für Sotschi zu erhalten. Die Winter-Olympiade 2014 also in
Putins Land, bringt Glanz und Gloria und ihm auf Lebzeiten dankbare Untertanen
– soviel haben wir nach der zweiten Flasche Wodka erfahren. Darauf ists kurz dunkel
überm See. Und, leuchte ich aufgeregt, wie gehts weiter? Inzwischen ist die dritte
Flasche Wodka offen, Christoph schwärmt über Russlands Schriftsteller, wie er
das Land abgöttisch liebe und gar eine russische Staatsbürgerschaft in Betracht
ziehe. Von seinen Enkelkindern spricht er, wie sie möglicherweise im Jahr 2022 für
die Olympiade blochen, nun steht aber die Defizitgarantie des Bundes auf dem
Spiel, das Schweizer Volk – normalerweise stimmt es seinen Vorschlägen immer zu
– in diesem Fall bezweifle er das und ihm selbst fehlen zwar nicht die Millionen
doch leider die Milliarden, um das Ganze zu übernehmen. Na sdarowje, habe sie
jetzt Putin glucksen hören, mein Geld ist dein Geld, lieber Freund Christoph!
Olympia 2022 soll in Graubünden stattfinden! Den Vertrag dazu unterschreiben
wir morgen in deinem Schloss in Rhäzüns! Denn dein Schloss ist jetzt mein
Schloss! Und dann wirds finster.
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