Montag, 17. Juni 2013

Münchhausens Schwester


Im Pflegeheim „Münchhausen“ vor den Toren Münchens hat sich eine Anästhesieschwester kurzerhand selbst und absolut unbürokratisch zur Ärztin befördert. Just zu jener Zeit trippelte Lothar Matthäus vorbei, suchte eine ausgewiesene Fachkraft für sein neu eröffnetes Sanatorium für abgelaufene Fussballer. Die Anästhesieschwester legte Loddar kurzerhand den „Münchhausen“-Wochenmenuplan verkehrt herum unter die Augen und behauptete lässig, dies sei die Urkunde zu ihrer Doktorarbeit. Nach intensivem Studium zeigte sich Loddar glücklich und stolz, eine so vielfältige Persönlichkeit für seine Residenz gewonnen zu haben. Bald darauf und ein paar chaotische Zustände später war das Heim auch schon wieder zu.

Da kam ihr die Nachricht „Ärztemangel in der Schweiz!“ grad recht. Sie verliess Bayern und Loddar und meldete sich als Assistenzärztin in der Rehaklinik Zurzach. Dort waren sie tief beeindruckt von ihrem Lebenslauf – den sie öfters mal mit ein paar katastrophalen Ereignissen aufbesserte – aber das musste die Klinikleitung ja nicht wirklich wissen. So stand da vom grenzenlosen Einsatz bei den Ärzten ohne Grenzen in den schlimmsten Krisengebieten. Oder dass sie just beim Anschlag auf das World Trade Center in New York vor Ort war. Sie verletzte Ärzte, ich mein, verarztete Verletzte und tat überhaupt viel Gutes. Als im Winter 2012 im österreichischen Lech eine Lawine den holländischen Prinzen Friso mitriss, war sie per Zufall grad dort und konnte so den Friso zurück ins Leben rufen. Ganze 50 Minuten hatte sie dazu gebraucht. Leider hat er sich bis heute noch nicht dazu geäussert, geschweige, sich bei ihr bedankt. Nach Zurzach zog sie von Klinik zu Klinik, versprach jeweils, die fehlenden Berufsurkunden nachzuliefern. Was nie geschah. Und sie so die nächste berufliche Station aufsuchte.

Im Nachhinein fallen natürlich die unsachgemässen Diagnosen der selbsternannten Ärztin auf. Einer betagten Patientin hat sie gar eine Zuckerinfusion zu lange verabreicht. Das Blut verdickte sich zu Caramel, die Patientin starb einen süssen Tod. Subito hat die Schwester die Einäscherung der Patientin verordnet, Tage später soll es noch nach verbranntem Zucker gerochen haben.

Jetzt also ist sie aufgewacht. Die bayerische Anästhesieschwester. Weiss, dass mit ihrem beruflichen Werdegang nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Und das tut ihr jetzt auch leid. Aber immerhin kann sie mit gutem Gewissen behaupten: ihre Doktorarbeit ist garantiert kein Plagiat!

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