Mittwoch, 26. Januar 2011

Im Januarloch

War es nicht so, dass wir uns damals nach der weihnachtlichen Völlerei von ausgekochten Cervelathäuten ernährten? Seit aber die Wursthüllen auf pflanzlicher Basis hergestellt werden, boykottiert gar der Hund dieses Mahl. Zum Glück gibts bunte Sonderaktionen, die vom Grossverteiler angeboten werden und dank günstigem Easy-Kredit mit Cumuluspunkten wirkt der Januar nur halb so grau.
Leila Trabelsi, die Ehefrau des gestürzten tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali, hat sich diesen Januar ein wenig anders ausgemalt. Überstürzt hat sie anderthalb Tonnen Gold aus ihrer Bank abgeholt. Nicht leicht das Ganze. Alles in Prada- und Gucci-Rollkoffern verstaut und ab damit durch einen geheimen Tunnel. Jetzt sitzt sie irgendwo mit ihrem Ali Baba bei seinen 40 Freunden in Saudi-Arabien. Im Exil. Auf dem ganzen Gold. Natürlich ist das nicht der einzige Wert, der ihnen geblieben ist. Auf ein paar Schweizer Konti sollen sich weitere Guthaben türmen. Die Vereinigung der Tunesier in der Schweiz hat eine provisorische Einfrierung allfälliger Gelder der Ben Alis gefordert. Bei diesen Temperaturen durchaus machbar.
Auch Cavaliere Silvio hat schon bessere Monate erlebt. Die Affäre Ruby scheint ihm über sein eingepflanztes Kopfhaar zu wachsen. Von einem Komplott seitens der Richter spricht er. Denn diese wollen nicht akzeptieren, dass er im Dezember erneut das Vertrauen des Parlaments erhalten hat. Die Vorwürfe, dass sich eine beträchtliche Anzahl junger Frauen für Papi Silvio prostituiert, weist er als absurd zurück. Er habe niemals für solche Dienste bezahlen müssen. Und zudem sei er längst mit einer jungen Signorina liiert. Die Öffentlichkeit habe er nur deshalb nicht darüber informiert, weil er erst abwarten wollte, bis das hübsche Mädchen volljährig ist. Nun ist seine politische Immunität aufgehoben, gut möglich, dass einige Fälle ins geliftete Auge gehen.
Beschauliches in Monaco: Fürst Albert will seine Verlobte Charlene Wittstock vor den Altar führen. Endlich. Der alte Zauderer. Hat sich wohl gedacht, bevor noch mehr aussereheliche Kinder ans monegassische Tageslicht kommen, ists wohl gescheiter, die schöne Schwimmerin unter die Haube zu bringen und daheim in seinen eigenen vier Palastwänden eine ordentliche Familie aufzubauen.
Nicole Kidman hat die ihrige um ein weiteres Mädchen vergrössert. Eine Leihmutter hat das Kind zur Welt gebracht. Schwangerschaft und Geburt sozusagen outsourced. Wunderbar. Das gibt keine unnötigen Gewichtszunahmen und das Initiieren von Botox schadet dem Ungeborenen tatsächlich nicht. Faith Margaret heisst das Töchterchen, darüber freut sich sein zweieinhalbjähriges Schwesterchen Sunday Rose bestimmt. Und wir uns selbstverständlich ebenfalls. Ob, wo und wann es getauft wird, ist nicht bekannt. Dafür hat Papst Benedikt hingegen schon einundzwanzig Kinder in der Sixtinischen Kapelle taufen dürfen. Allesamt Nachkömmlinge von Angestellten des Vatikans. Wer spricht hier von konservativen Werten des Papstes? Eben. Einzig bei der Namensgebung hat der Pontifex sein Veto eingelegt. Christliche und bitteschön keine Firlefanznamen wie Fifi Trixiebelle, Pixi Frou-Frou, Pepsi-Carola, Poppy-Honey oder Bunny-Holly.
Apropos Bunny: Hugh Hefner will sein Bunny-Imperium wieder in seinen Händen wissen. Und es dem Mutterkonzern der Zeitschrift mit dem Häschen-Logo abkaufen. Stimmen die Aktionäre zu, kann der eine Playboy von der Börse genommen und der andere zum alleinigen Besitzer werden. Für etwa 180 Millionen Dollar und somit zwölf Prozent über Hefners früherem Angebot. Wahrlich kein Schnäppchen. Ein Loch im Januar sogar. Doch als alter Playboy wird er damit umgehen können.

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