Ärzte, die von
der Muse geküsst werden, die malen, musizieren und Gedichte rezitieren, sind
vielleicht nicht die besseren Ärzte, doch auf alle Fälle sind sie die
feinfühligeren. Eine Analyse im „Journal of General Internal Medicine“ hat gezeigt:
Angehende Ärzte mit Neigung zu Musik und Kunst bringen mehr Empathie gegenüber
Patienten auf und gehen emotional intelligenter auf die Nöte der Kranken ein
als der Halbgott in Weiss. Auch sind sie besser vor Burn-out geschützt.
Über 700 zukünftige Doktoren wurden in diese
aktuelle Erhebung einbezogen. Derjenige, der ein Instrument spielte - und sei
es nur die Flöte zu blasen, hö hö – oder häufiger Konzerte oder Ausstellungen
besuchte und ins Theater ging, zeigte sich seltener erschöpft, war offener
gegenüber Neuem und empfänglicher für die Gefühle seiner Flöte und seinen
anderen Mitmenschen. Und der Kunstgenuss steigerte erst noch sein Wohlbefinden. Der Autor
dieser Studie spricht von einem Zusammenführen der linken und rechten
Hirnhälfte, zum Wohl der Patienten. Und der Ärzte. Medizinfakultäten sollten
daher Studierende ermutigen, sich auch mit Literatur, Kunst und der Musik zu
beschäftigen. Statt nur Physik, Chemie und Biologie zu büffeln, sollten
angehende Ärzte sich mit Geisteswissenschaften, Sprache und Kunst
auseinandersetzen. Wer die Tragödien grosser Literatur, die Gefühlsaufwallungen
guter Musik und den Pinselstrich genialer Maler kennt, hat mehr Verständnis für
die Bedürfnisse und Leiden seiner Patienten. Und: Es passieren weniger
Kunstfehler!
Donnerstag, 1. Februar 2018
Sonntag, 3. Dezember 2017
#Metoo
#Metoo ist also das Deutschschweizer-Wort
des Jahres 2017. So oft wie das in den letzten Wochen und Monaten gebraucht
wurde, kein Wunder. Ich will mich gar nicht darüber lustig machen, was all den
Frauen passiert ist. Überall auf der Welt. Und nun auch im Bundeshaus. Mais im
Bundeshuus, weil Sex im Bundeshuus? Ja, denn in der Wandelhalle sind einige Männer
oft schon nach der zweiten Flasche Fendant ihrer Hand nicht mehr mächtig. Erst lag
sie noch zart auf der Schulter der Gesprächspartnerin und zack, rutschte sie
nach unten, zur Taille und darunter. Kürzlich passiert bei einem
CVP-Nationalrat, der zwar schweizweit bekannt ist, nicht weil er unter der
Bundeshauskuppel sitzt, sondern besoffen unterm Busch im Garten seiner
Geliebten. Der verheiratete Christ. Der auch in Bern dem Alkohol nicht
abgeneigt ist und anderntags gar nicht mehr weiss, bei wem seine Hand unterm Röckli
gelandet ist. Und vor allem, wie sie dorthin gekommen ist. #Metoo rufen jetzt die Frauen. Und zwar so laut, dass der persönliche
Sekretär von Martullo Blocher im Vorzimmer einen Bürotisch aufgestellt hat, auf
welchem Listen aufliegen, in die sich #Metoo-Frauen eintragen können. Mit
vollem Namen des greifenden Übeltäters, das zumindest fordert Nathalie Rickli,
eine SVP-Nationalrätin. Namen sollen fallen, um Frauen zu schützen. Und Männer
ebenso. Denn nicht jeder ist ein Frauengrüsel. Und verschickt womöglich noch Dickpics
von sich.
Dickpic? Fast
hat es dieses Wort auch noch auf das Jahreswort-Podest geschafft. Dickpic ist der Begriff
für ein Foto, das ein Selfie von Genitalien zeigt. Männlichen Ursprungs. Dickpic
ist nicht zu verwechseln mit dem gemütlichen Picknick. Wobei, das eine
vielleicht aus dem anderen entstanden ist? Da liegt der Mann auf der
flauschigen Wolldecke, blinzelt in die Sonne und schaut den Vögeln zu, bis ihm schwindlig
wird. Er wartet auf seine Angebetete, die sich furchtbar verspätet. Um die Zeit
zu überbrücken, lässt er seinen Zipfel leicht duselig, aber lässig aus dem Hosenstall
schauen und schiesst davon ein dickes Bild, ein sogenanntes Dickpic. Davon
überzeugt, dass es ein hochstehendes Foto ist, leitet er es seiner Freundin
weiter, die es sofort in die #Metoo-Whatsapp-Gruppe stellt und zack,
das dicke Pic in aller Munde ist.
Apropos
Mund: Eine Mutter aus Grossbritannien möchte, dass Dornröschen verboten wird.
Zumindest im Kindergarten und in der Schule ihrer Kinder. Denn die Prinzessin
wird vom Prinzen im Schlaf auf den Mund geküsst. Ein klarer Fall von einem
nicht einvernehmlichen Kuss. Pfui aber auch, meine Herren Grimm.
Dienstag, 22. August 2017
Doktor Wuff
In Bern
steht eine Hunde-Uni. Sie gehört zur Abteilung für Tierschutz der Berner
Vetsuisse-Fakultät. Hier kann also der Hund studieren,
auch wenn er sich am Abend zuvor noch einen Kater eingefangen hat. Der
Professor, ein Bär von einem Mann, weist zwischendurch seine Assistentin an, kleine
Häppli an die Studi-Meute zu verteilen. Sogenanntes Studentenfutter. Manchmal verputzt
die dumme Gans jedoch die Hundeguetzli selbst. Das ist natürlich ungünstig,
denn Professor Bär lässt das Futter ja nicht ohne Hintergedanken verteilen,
nein, vielmehr beobachtet er damit das Verhalten der Stu-Tiere. Und nimmt das
Ganze mit einer Kamera auf. Sind die Lefzen weit nach hinten gezogen,
das Maul offen und es wird gehechelt, zeigen die Hunde ihr Stressgrinsen und
fressen erst recht alles auf. Bellen und grölen sie dabei, haben sie ihre erste
Studierangst überwunden und dürfen an der Lecktube von Frau Gans schnüffeln und
eben lecken. Das mag für das Menschohr ein wenig irritierend wirken, doch für die
Studentenhunde, die ja hier sitzen, damit sie keine blöden Kühe mehr sind, ist
das völlig normal. Schliesslich wollen sie den Unibesuch auch mit etwas
Angenehmen verbinden.
Wer jetzt
denkt, ich hätte beim Schreiben ein paar Hundeguetzli geraucht, dem sage ich: Schau
hier nach, wenn du mir nicht glaubst: hundeunibern.ch – Verhalten, Kognition und
Emotionen bei Haushunden.
Wau.
Dienstag, 7. Februar 2017
Trali, trala, Talar
Der katholische Pfarrer von Padua hatte mit blumigen Worten seine
Schäfchen in der Kirche bei der Stange gehalten. Nach der Messe gar der einen
oder anderen hübschen Signora die Hand ein wenig länger gedrückt und ihr dabei
etwas ins Ohr geflüstert, das ihr die Härchen im Nacken aufstellte und sie
statt nach Hause zu Mann und Kind lieber kichernd in Don Andreas Sakristei verschwand.
Handschellen, Peitschen, Sexspielezuge und weisse Stiefel mit hohen Absätzen
hatte der Don dort im Schrank neben seinem geistlichen Talar gelagert. In der
Stube schimmerte die Kerze und warf das ewige Licht auf selbstgedrehte Filme
über, nun ja, etwas irdische Gelüste halt. Alle DVD-Hüllen mit Namen von
Päpsten versehen. Der Schutzpatron als Schutzhülle: Benedikt im Pornoland. Die
Protagonisten, darunter Don Andrea selbst, trugen nichts als rahmengenähte
Lederschühchen. Aber nun ist alles aufgeflogen, eine der Darstellerinnen wirft
dem Don vor, er hätte sie mit der Peitsche geschlagen. Böser Don. Und nun prüft
die Polizei, ob er die Videos mit den Papstnamen verkauft habe, denn wie schliesslich
musste sein teurer Lebensstil finanziert werden? Einen roten Jaguar soll er gar
gelenkt haben, Don Tausendsassa. Der Ortsbischof ist ob dieser Hiobsbotschaft
„Diverse Päpste in Pornos gesichtet“ sofort aus seinen heissen Missionstagen in
Südamerika zurückgekehrt und hat seinen leichtlebigen Pfarrer subito in eine
andere Diözese versetzt. Ein Neubeginn also für Don Andrea. Gott vergelts.
Dienstag, 31. Januar 2017
Brille: Fielmann
Bei Fielmann werden Brillen verkauft. Und zwar von
bebrilltem Personal. Jeder Mitarbeiter bei Fielmann trägt eine Fielmann Brille.
Und nein, das ist kein Zwang, spricht die brillentragende Geschäftsleitung,
vielleicht höchstens es bizeli, denn die Mitarbeiter mit den Adleraugen tragen
Fensterscheiben durchs Geschäft. Also nicht jetzt die Glasdinger von 80 x 150
cm auf den Achseln, nein sie tragen Fensterscheiben hinter
Fielmann-Brillenfassungen. Keine Korrektur bedeutet bei Fielmann trotzdem eine
Scheibe haben. Aber mit einem Brillengestell auf der Nase kann sich der Berater
einfach besser in den Kunden einfühlen. Und der Kunde weiss, hier spricht
ein Mensch mit jahrelanger Brillenerfahrung. Der nimmt mich ernst. Ernsterer
als ein unbebrillter.
Fielmanns Zahlen geben Fielmanns Brillen recht: Der Laden
brummt. Und diese clevere Strategie wird bereits kopiert: Bei Ferrari fährt nun
der Mechaniker-Lehrling in einem Testarossa ans Fliessband nach Modena.
Zahnärzte schlagen sich ihre gesunden Zähne aus, damit sie sich besser in die Patienten
mit den übelsten Zahnproblemen einfühlen können. Beate Uhse lässt ihre
Mitarbeiterinnen in Adams Kostümen um die Regale flitzen. Tierärzte gebären eigene Kälber.
Und Bestatter bestatten sich selbst. Immer im Sinne von: Voll auf den Kunden
eingehen.
Samstag, 5. November 2016
Morsezeichen: Altersmilde
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| Illustration: Marisa Meroni |
Längst ist es dunkel draussen. Die
Lichter flimmern überm Zürichsee. Eines gar besonders stark und zack, wie eine
Kerze stehe ich am Fenster und greife zur Taschenlampe! Silvia, leuchte ich aufgeregt,
natürlich bin ich noch wach! Wie geht es dir denn dort drüben an der Goldküste?
Seit Jahren senden wir uns immer wieder Botschaften zu, mittlerweile, so darf
ichs hier sagen, ist Silvia eine alte Freundin für mich.
Silvia schaut also durch die
riesige Fensterfront in ihrem grossen Wohnzimmer, schaltet die Stehlampe ein,
aus, ein, aus: Ich mache mir Sorgen, Christoph hat sich verändert, ist nicht
mehr der alte. Er hustet viel, schnäuzt sich laut und ungeniert in der Öffentlichkeit,
sein Speichel rinnt manchmal dem Mundwinkel entlang, ohne dass er es merkt. Und
hören tut er nur noch das, was er will. Meinst du, er ist tatsächlich alt
geworden, mein Christoph?
Ich schlucke leer, ui, hat das
Alter tatsächlich den Christoph eingeholt? Ich will was Tröstendes antworten,
vonwegen ich hör doch auch as biz schlecht, darum morse ich lieber mit dir
statt zu telefonieren...
Da blinkts bereits erneut von Herrliberg
herüber: Eben hab ich eine neue Ausgabe von Teleblocher angeschaut, du weisst, Christophs
wöchentliche und wichtige Sendung. Christoph sitzt zusammen mit Matthias
Ackeret im grossen, wunderbar aufgeräumten Salon auf den goldenen Luis-Quinze-Stühlen,
über ihnen unsre Anker- und Hodler-Sammlung, Originale, wohlverstanden. Das ist wirkt alles sehr schön und stimmig, dann aber klopft sich Christoph auf seine
Schenkel und spricht vom Sexskandal in Basels Verkehrsbetrieben! Ha, ha,
Ackeret, tschäggsch, Verkehr und Sex, grölt er laut. Doktor Ackeret hat sofort
das schlüpfrige Terrain verlassen und auf den Markus Somm übergeleitet, ein
hervorragender Chefredaktor, der übrigens Christophs Diktate stets fehlerfrei
niederschreibt und dort in Basel mit unserer BaZ zum Rechten schaut! Apropos, letzte
Woche hat Christoph eine Horde Neonazis, die ein Konzert im Sankt Gallischen gefeiert
haben, gelobt, weil sie das Ganze sauber und anständig über die Bühne gebracht
und die Ortschaft hinterlassen haben, ohne dass jemand zu Schaden gekommen ist.
Rechtschaffene Leute seien das, meint Christoph, nur die Medien verdrehen mal
wieder alles und bringen bloss das zu Papier, was sie wollen. Dass das ähnlich
ist wie mit seinem Gehör, hat mein Christoph natürlich überhört. Blocher
unterstützt die Nazis, haben die Zeitungen geschrieben. Wenn die wüssten, hat
Christoph laut gelacht und kurzerhand die rechten Brüder eingeladen, in unser Kloster
Rheinau einzukehren, um dort zu musizieren. Wo gesungen wird, da lass dich nieder,
hat er gesagt, böse Menschen kenne keine Lieder! Verstehst du, angegraute Glatzköpfe,
die nun von unsrer Stiftung unterstützt werden, um der klassischen Musik zu
frönen? Hallo? Und ich soll mich jetzt etwa nicht sorgen?
Dann wirds finster. Meine Augen
brennen, die Gleitsichtbrille taugt in der Dunkelheit nicht viel. Der Rücken
schmerzt vom langen Stehen am Fenster. Ich will noch kurz etwas zurückleuchten,
doch dann hab ich vergessen, was. Gute Nacht? Vielleicht wars das, man wird
halt auch nicht jünger.
Freitag, 7. Oktober 2016
Kim, die Frau der Ringe
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| Illustration: Marisa Meroni |
Wir präsentieren Bilder von allen Kardashians-Familien-Mitgliedern:
Vater, Mutter, Schwester hier, Schwester dort, Ehemann Kayne West, Kind North
West und Kind Saint West und was auch sonst noch heilig ist! Doch am liebsten von
kimself, weil sie sich selbst ja auch so gerne sieht. Prall aufgefüllt –
Instagram platzt damit fast aus allen Nähten.
Erst vor ein paar Tagen ein brillanter Beitrag: Kim legt über ihr übergrossherziges
Dekollete einen Kim-Finger, der bestückt ist mit einem Solitär-Ring-Finger von mindestens
4,5 Millionen Dollar wert, ein Geschenk von West. Wunderbar.
Und jetzt das: Kim Kardashian ist überfallen worden! OMG! In
Paris! O mon Dieu! In einer Luxusresidenz! Der persönliche Leibwächter unterwegs
im Pariser Nachtleben zusammen mit zwei Kardashian Schwestern, die ja auch
Leibe haben, die es zu bewachen gilt, aber was dann mit Kim? Genau: Kim derweil
allein mit Kayne-Ring im Westflügel der Residence.
Doch leider, leider können wir Ihnen zu diesem Überfall keine Bilder zeigen,
die Luxusresidenz hatte keine Videokameras installiert. Unglaublich! Und das in
unserer heutigen Zeit! Wir müssen uns also bloss mit Kims Worten begnügen: Es
war grauenhaft! Ich war nur mit einem Bademantel bekleidet (auf Fotos trage ich
nämlich sonst viel weniger) und die Räuber fesselten mich und ich fürchtete um
meinen Körper, sie sprachen kein Englisch, sondern nur französisch, hallo, wo
sind wir denn hier, so eine Sprache verstehe ich doch nicht. Einziges Wort, das
mir bekannt vorkam: Ring, Ring! Ich zeigte, wo er lag, in einer Schatulle, neben
anderen Ringen. Nach sechs Minuten war der Spuk vorbei und sie entkamen mit
einer Beute von über 10 Millionen Dollar. Nur Ringe. Ich schwörs imfall!
Ein Glück konnte sich die Kim aus ihrer misslichen Lage selbst befreien,
noch in derselben Nacht flog sie nach Westen zu West, der sich seither um seine
Kim kümmert. Davon wiederum gibt es Fotos. Ganz viele. Auf Insta und allen
anderen Kanälen: Willkommen daheim in der sicheren Welt von Kim Kardashian!
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