Donnerstag, 1. Februar 2018

Wenn der Doktor den Goethe zitiert...

Ärzte, die von der Muse geküsst werden, die malen, musizieren und Gedichte rezitieren, sind vielleicht nicht die besseren Ärzte, doch auf alle Fälle sind sie die feinfühligeren. Eine Analyse im „Journal of General Internal Medicine“ hat gezeigt: Angehende Ärzte mit Neigung zu Musik und Kunst bringen mehr Empathie gegenüber Patienten auf und gehen emotional intelligenter auf die Nöte der Kranken ein als der Halbgott in Weiss. Auch sind sie besser vor Burn-out geschützt.
Über 700 zukünftige Doktoren wurden in diese aktuelle Erhebung einbezogen. Derjenige, der ein Instrument spielte - und sei es nur die Flöte zu blasen, hö hö – oder häufiger Konzerte oder Ausstellungen besuchte und ins Theater ging, zeigte sich seltener erschöpft, war offener gegenüber Neuem und empfänglicher für die Gefühle seiner Flöte und seinen anderen Mitmenschen. Und der Kunstgenuss steigerte erst noch sein Wohlbefinden. Der Autor dieser Studie spricht von einem Zusammenführen der linken und rechten Hirnhälfte, zum Wohl der Patienten. Und der Ärzte. Medizinfakultäten sollten daher Studierende ermutigen, sich auch mit Literatur, Kunst und der Musik zu beschäftigen. Statt nur Physik, Chemie und Biologie zu büffeln, sollten angehende Ärzte sich mit Geisteswissenschaften, Sprache und Kunst auseinandersetzen. Wer die Tragödien grosser Literatur, die Gefühlsaufwallungen guter Musik und den Pinselstrich genialer Maler kennt, hat mehr Verständnis für die Bedürfnisse und Leiden seiner Patienten. Und: Es passieren weniger Kunstfehler!

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