Donnerstag, 18. August 2011

Schlossgespräche: Eine Sparstrategie

Es drängt, wir müssen handeln, hat der Meister gerufen und seine zwei getreuen Gefährten zu einem Treffen im ehrwürdigen Schloss Rhäzüns geladen. Dunkle Gewitterwolken treiben über den herrschaftlichen Sitz hinweg, erste Tropfen peitschen ans alte Gemäuer. Zieh die samtenen Vorhänge zu, bittet Christoph seine Silvia, wir wollen das Düstere lieber draussen lassen. Und wie ers sagt, pocht es unten laut und heftig an der Eingangstür. So klopft nur der Toni, raunt Christoph, lass ihn herein, er will ja gern der erste sein! Silvia eilt, begrüsst den Gast und nimmt ihm seinen vom Regen schwer durchnässten Umhang ab. Doch daraus schält sich zu ihrer grossen Verwunderung nicht etwa der Toni, nein, es ist Filippo. Toni hat sich in der Rosenhecke verheddert, aber er wird demnächst ebenfalls hier auftauchen, flüstert Filippo Silvia zu und steigt die Treppe hoch zum Saal. Setz dich, mein Freund, spricht Christoph, höchste Zeit, dass du endlich da bist. Wir müssen die neue Strategie besprechen. Der Franken ist zu stark, es gilt ihn zu retten! Meine konkreten Vorschläge sind eine Rationalisierung der Bundesbetriebe und tiefere Steuern. Filippo nickt, er selbst könnte es nicht treffender formulieren. Steuersenkungen für grosse Unternehmen, natürlich zum Wohl des einfachen Volkes, präzisiert Christoph und überschlägt im Kopf schon mal grob den Zugewinn für sein Familien-Imperium. Lächelnd reicht er Filippo die Hand. Jetzt zahlt sich dein langes Aussitzen in der FDP aus, zusammen wird es uns gelingen, die Kosten des Staates herunterzufahren, spricht Christoph weiter, klappt es, werde ich dich zu meinem Vize-Chef-Strategen machen, dann gehörst du offiziell mit Haut und Haar zur SVP! In diesem Moment platzt ein leicht lädierter Toni in den Saal. Entschuldigt bitte, japst er und klaubt ein paar letzte Dornen aus seinem Jackett, ich wurde von einer dunklen Gestalt abgedrängt und hab mich in Silvias Rosenstrauch verfangen. Nun aber bin ich da und zu allem bereit. Christoph winkt ab. Schon erledigt, der Filippo und ich sind uns längst einig. Jetzt gilt es nur noch, das Ganze umzusetzen. Am besten sparen wir auf dem Buckel der Invaliden. Die können sich eh nicht wehren, erklärt Christoph seine Gedankengänge. Eine neue Plakatkampagne, wirft Filippo ein, mit einem Rollstuhl vielleicht, einem leeren, wie er den Berg herunter purzelt. Ha, klopft sich Toni auf die Schenkel, das kenn ich, da gabs unlängst einen Fall oberhalb von Maienfeld, mit einer Deutschen, wie hiess sie noch mal.. Klara, genau, und beschuldigt wurde damals ein Schweizer, ein gewisser Peter, er soll zu jenem Zeitpunkt mit einer Heidi unterwegs gewesen sein, wenn ich bloss wüsste, wo ich das gelesen habe. Christoph schaut über seinen Brillenrand zu Filippo, er lächelt milde, gut gemacht Toni, das ist genau das, was wir gesucht haben. Das Sujet mit dem Ausländer, der im Rollstuhl sitzt, dann aber auf wundersame Weise doch selbst zu Fuss weiter geht, am liebsten nach Hause. Und während er dem Toni den Arm um die Schulter legt, ruft er seiner Frau zu: Silvia, mach die Vorhänge auf, mich dünkt, draussen lacht bereits die Sonne! Und bring uns etwas Wein, einen Herrschäftler am liebsten, wir haben allen Grund anzustossen!

Mittwoch, 10. August 2011

Ein Sommer mit viel Pipapo

Bezaubernd natürlich nicht bloss die Rückenansicht der kleinen Schwester Pippa an der Hochzeit von Kate und Prinz William. Monate später ist der Hype um ‚Her Royal Hotness’ nicht abgebrochen. Eine eigene TV-Doku ‚Crazy about Pippa’ wird ihr gewidmet. Und wenn heute eine Trauzeugin der Braut die Show stiehlt, spricht man vom Pippa-Effekt. Grad kürzlich geschehen bei Zara Philipps, einer Lieblingsenkelin der Queen Elizabeth. Der Papa-Effekt, auch dieser nicht bei allen Bräuten beliebt, trifft in Monaco zu, hat der Fürst Albert ja erst kurz vor dem Schritt zum Altar mit seiner Charlène ein weiteres uneheliches Kind anerkannt. Das macht die Ehe mit Albert nicht leichter, obwohl Charlène über dieses Geständnis ein paar Kilo verloren hat.
Apropos Gewichtsschwund: Katie Holmes, die grosse Ehefrau des Schauspielers Tom Cruise, will mit einem schlanken Körper diesen Sommer ihre Filmkarriere ankurbeln und hält sich an eine rohe Brokkoli-Diät, ab und an versüsst eine gefrorene Weintraube ihr Leben. Wer nichts isst, isst nichts – eine alte Scientologen-Weisheit. Tom hat diese ebenfalls befolgt, dabei nicht an Körpergewicht, sondern an Körpergrösse verloren.
Harper Seven heisst das langersehnte Töchterchen und somit vierte Kind der Beckhams. Harper wie die Harfe-Spielende, tönt nett und Seven, weils wie Heaven klingt. Hübsch. Zum Glück die englische Version, nicht auszumalen, das arme Kind müsste sich auf Himmel reimen. Vielleicht aber auch Seven, weil Victoria sieben Kilo zugenommen hat. Während ihren gesamten vier Schwangerschaften. Inzwischen wieder top in Form, ist doch bereits ein Monat seit Harpers Geburt vergangen. Mit strikter ‚Salat-ohne-Dressing-Diät’ und viel Pilates. Ebendieses Pilates übrigens hält Pippas Po fest im Griff. Zart umhüllt von jenem hübschen Brautjungfernkleid sieht er – dies natürlich nur unter uns – um einiges reizender aus als in einer engen Jeans. Denn dort, sind wir ehrlich, ist Pippas Po gar nicht vorhanden. Flach wie ein Brett. So. Das wäre jetzt mal gesagt. Und nun muss ich los, Pilates ruft.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Der Fürst und die Fürstin

Eine ganze Woche schon sind sie verheiratet. Der Fürst und die Fürstin. Ihre Ehe hält weiterhin. Eine gute Nachricht also. Wenn man bedenkt, dass die Braut knapp vor der Hochzeit ein Ticket am Flughafen von Nizza erstehen wollte. Südafrika einfach. Seulement für eine Person. Kalte Füsse, tuschelten die Monegassen, Albert hätte eben furchtbare innere Werte. Non, non, widersprachen die anderen, es sind die fruchtbaren Werte, die Charlène zur Flucht getrieben hätten. Zu den zwei offiziell anerkannten unehelichen Kindern kommen inzwischen zwei weitere dazu. Und diese hätten sich leider nicht aus der Liaison mit Charlène ergeben. Dafür während. Unschön das Ganze. Sie daheim im Grimaldi-Palast im Glauben, ihr Albert sei unterwegs in fürstlicher Mission, vergnüge sich, wenn überhaupt, dann höchstens mit einer Bobfahrt durch die eisige Bahn von Sankt Moritz. Dabei flitzte der Kerl durch ganz andere Kanäle. Unglaublich. Ewige Treue und viele Kinder hat er ihr nun versprochen. Jetzt müssen sie das halt nur noch gemeinsam schaffen. Dazu soll ihnen ein Ehevertrag helfen. Wunderbar. Und somit ist Charlène endlich zur schönsten Fürstin im ganzen Land aufgestiegen. Hat ein paar Tränen bei der Zeremonie vergossen, kurz in ihren weissen Schleier geschnäuzt und verstohlen in die erste Gästereihe geschielt. Direkt in die Augen von petit Nicolas. Er ihr nicht uncharmant zugenickt, einsam wie er dasass auf diesem grossen gepolsterten Stuhl, derweil seine Füsse ein paar Zentimeter oberhalb des roten Teppichs hin und her baumelten. Weit und breit keine Carla in Sicht. Mit ihrem hochschwangeren Bauch musste sie zu Hause bleiben. In Paris. Optisch zu schwer wirke sie im Moment auf ihren Gatten, das schade dem Präsidenten-Image vielleicht mehr als es nütze. Lieber eine Herrscherin in einem Zwergenstaat als eine Herrscherin über einen Zwergen in einem grossen Staat, seufzte Charlène tief, lächelte ihrem Albert zu und so feierten sie danach eine rauschende Party durch die ganze Nacht. Glücklich und zufrieden. Bis eben auf diese Vaterschaftstests, die Seine Durchlaucht durchlaufen muss. Aber das hat Zeit bis nach den Flitterwochen. Die Fürst und Fürstin übrigens am Kap der Guten Hoffnung verbringen. Das wiederum lässt gut hoffen. Auf die gute Hoffnung der Fürstin. Und überhaupt.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Ein Wiener in Amerika

Was haben wir schon gar wilde Geschichten von Männern gehört. Wie sie eine Frau bedrängen. Kachelmanns Begehren mit einem Messer. Strauss-Kahns Stolperei aus der Dusche in das Zimmermädchen. Und Schwarzenegger, der seiner Haushälterin einen kleinen Zustupf unters Herz legt. Inzwischen ist er fast elf Jahre alt. Dafür Nöldis Ehe im Keller. Als Österreicher kann er damit umgehen.
Wer früher nackt unterm Trenchcoat durch die Gassen lief und zwischendurch das Revers auseinanderzog, um ein Mütterchen unterwegs zu erschrecken, der macht das heute easy von daheim aus. Ein little pic von seinem best stick und schickts geschickt in die weite Welt hinaus. Eh ja, im Zeitalter von Twitter und Facebook ist nichts unmöglich.
Der US-Abgeordnete Anthony Weiner gesteht einen virtuellen Seitensprung. Auf Twitter hat er ein Foto verteilt. An weibliche Followers. Ein Bild von seiner Unterhose. Gut bestückt. Sichtlich erkennbar. Ja aber saperlott. Sein Hirn dabei sichtlich nicht erkennbar. In Amerika wird Weiner als Wiener ausgesprochen, Wieners Wiener in der Unterhose, ha ha, ein Schenkelklopfer. Weiner als Weiner ausgesprochen bedeutet im amerikanischen ‚Schlappschwanz’. Ha ha, auch dies ein Brüller. So einfach gestrickt das Ganze. Wäre da nicht noch Weiners Frau. Huma Abedin. Weltgewandt. Zurückhaltend. Elegant. Blitzgescheit. Und rechte Hand von Hillary Clinton. Beide gelten als arbeitssüchtig. Dies zur Erklärung, weshalb so wenig über das Privatleben bekannt ist. (Ihre beiden Ehemänner hatten da ein wenig mehr Spielraum...) Hillary vertraue ihrer Beraterin in fast allen Belangen, spricht man hinter hervorgehaltener Hand, und konsultiere sie immer, wenn es um politische Fragen im Mittleren Osten geht. Jetzt sind ein paar im mittleren Westen zu klären. Huma, die praktizierende Muslimin, die ihren Ehemann sogar dazu brachte, keinen Alkohol mehr zu trinken und den Ramadan durchzuhalten, hat wohl nicht mit dessen Nebenwirkungen gerechnet. Und Weiner? Hat sich weinerlich entschuldigt. Seine Frau soll nun schwanger sein. Vermutlich von seiner Unterhose.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Sepp ist Trumpf

Selbst der Prinz ist von der Rolle. William, der Ehrenvorsitzende des englischen Fussball Verbandes, ist not amused. Im Hallenstadion am Fifa-Kongress hat er eine Verschiebung der Wahl gefordert. Dass zumindest noch ein weiterer Kandidat mit Joseph in den Fifa-Ring steigen sollte. Nichts da. Die Delegierten von Haiti, Kongo, Benin, Fidschi und Zypern, also die grossen Fussballländer, haben zu einer sofortigen Wahl aufgerufen. Jeder mit einem Lunchsäckli versehen. Mit allerlei Währschaftem und vielen Nötli drin. Somit ist Blatters Wiederwahl nichts mehr im Wege gestanden. 186 von 203 Stimmen haben gereicht, der 75jährige Walliser ist der neue alte Präsident. Ich freue mich, dass es gelungen ist, Solidarität und Einheit wieder in die Fifa einziehen zu lassen, sagt ein strahlender Sepp, der liebe Gott gibt mir dazu die Kraft, mein Werk fortzuführen. Wunderbar. Und der liebe Gott hat auch die Million Dollar gesegnet, die der Präsident einsetzen darf beim Concacaf. Als irdischen Joker. Würde ein anderer spenden, wärs ja Bestechung. So aber bloss ein schlauer Trumpf. Im Fifa-Sumpf. Tschau Sepp.

Dienstag, 31. Mai 2011

Im Zweifel für den Mann

Jetzt ist es also verkündet. Das Urteil. Im Fall Kachelmann. Freispruch für den Wetterfrosch. Wobei sich die Richter ja nicht ganz einig sind, ob Kachelmann vielleicht nicht eben doch seine damalige Freundin bedrängt und ein wenig viel vergewaltigt hat. Und hat eventuell die Freundin darauf (und weil er sie schon längst betrogen hat) ihm diese Geschichte bloss an den Hals hängen wollen, bzw. sich die Verletzungen an dem ihrigen grad selbst zugefügt? Unklar das Ganze. Die Indizien reichen nicht aus. Das Landgericht Mannheim hat gesprochen: Im Zweifel für den Angeklagten. Kachelmann wird nun für seine Zeit in der Untersuchungshaft entschädigt, heisst es weiter in dem Urteil, die Einnahmen seiner täglichen Prognosen „Das Wetter in der Zelle“ darf er behalten, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Die deutsche notabene. Da haben wir Schweizer nochmals Schwein gehabt.
Dominique Strauss-Kahn soll bereits mit Kachelmanns Anwälten in Kontakt stehen. Ein Freispruch ist das mindeste, was er zu erwarten hat, sind sich die Franzosen sicher. In dubio pro reo auch in diesem Fall. Schliesslich könne das Zimmermädchen nur schwer beweisen, dass sie zu diesem Akt gezwungen wurde. Und es nicht aus freiwilligen Stücken mitgemacht habe. Apropos beweisen, apropos Stück: Eine Frau in Bangladesh hat als Beweis den Penis eines männlichen Artgenossen abgetrennt und zur Polizei gebracht. So schreibts eine seriöse Zeitung dieser Tage. Die 40jährige Mutter dreier Kinder wurde in ihrem Haus von einem Mann im Schlaf überrascht. Als er versuchte, sie zu vergewaltigen, schnitt sie ihm kurzerhand mit einem Messer den Zipfel ab. Schnipp und weg. Danach habe sie das Corpus Delicti fein säuberlich in Klarsichtfolie eingerollt und es der Polizei überbracht. Der mutmassliche Täter befindet sich inzwischen im Spital. Das Beweisstück passt exakt an die verletzte Stelle. Da besteht kein Zweifel. Für den Mann...

Dienstag, 24. Mai 2011

Der Franzose in Amerika

Dominique Strauss-Kahn, DSK genannt (die Franzosen lieben Abkürzungen, Kürzungen überhaupt – das erklärt auch, weshalb sie so einen Kurzen zum Präsidenten gewählt haben), hat im fernen Amerika ein paar Spermatropfen auf dem Kleid der eventuell angegriffenen afrikanischen Hotelangestellten hinterlassen. So berichten es mehrere US-Medien. Das Zimmermädchen beschuldigt DSK, er habe sich nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen. Französisch halt, da ist er Nationalist. Auch in einem fremden Land. Sie jedoch aus Westafrika, habe damit wenig anfangen können und das Zeug sofort wieder ausgespuckt. Dabei über ihre Bluse und den Teppich in der Suite gekleckert. Die Polizei hat die Spuren entdeckt. Und DSK mit Handschellen abgeführt. Da sind sie rigoros, die Amerikaner. Die Anwälte von DSK arbeiten nun mit Hochdruck an der Verteidigungsstrategie. Seine Zukunft sieht schwarz aus. Schwärzer als das Zimmermädchen selbst.
Und in Frankreich? Viele sehen DSK unschuldig in seinem Appartement mit Fussfesseln sitzen. Hat nicht das amerikanische Hotel gesagt, Mitarbeitern sei der private Umgang mit einem VIP untersagt? Weshalb hält sich dann die Afrikanerin nicht daran? Wurde DSK gar ein Ei gelegt? Seine Schwäche zum weiblichen Geschlecht schamlos ausgenutzt? Schliesslich sei keine Frau vor ihm sicher gewesen. Was nicht nietfest war, wurde von ihm, pardon, fest genagelt.
Aber dann gibt es auch noch die anderen Franzosen. Die sich auf die Seite des Opfers stellen. Am Wochenende gar auf die Strasse gingen, um ihr Mitgefühl öffentlich zu demonstrieren: ‚Wir sind alle ein Zimmermädchen’ haben sie gerufen (den Slogan übernimmt danach der Zürcher Verkehrsverbund) und ‚Wenn eine Frau Nein sagt, dann heisst das auch Nein’! Alors, vielleicht hatte DSK bloss ein verbales Problem und Ophelia halt ein orales – die Ehefrau von DSK kümmert dies wenig. Schliesslich sei sie unheimlich stolz auf ihren Charmeur, ein Zeichen von Männlichkeit, dass er hie und da unter den Jupes von attraktiven Frauen grabscht. So ähnlich soll sie sich dazu geäussert haben. Ihn deswegen zu verlassen, käme für sie überhaupt nicht in Frage. Darauf reibt sich Arnold Schwarzenegger die Augen, seine Gattin Maria Shriver hat ihm unlängst Goodbye gesagt und dies bloss wegen eines Geplänkels mit seiner nicht wirklich attraktiven Hausangestellten (in der Nacht sind alle Katzen schwarz) und aus welchem ein inzwischen 10jähriges Söhnchen entsprungenen ist. Aber eben, die Amis ticken einfach anders als die Franzosen.