Montag, 21. März 2011

Ein Essen im Puff

Die Sonntagszeitung geht jede Woche mit irgendwem irgendwo essen und schreibt darüber in einer ihrer nächsten oder übernächsten Ausgabe. Das ist eine lustige Idee, denn so haben alle etwas davon. Der Eingeladene, weil er sich gut genährt in der Zeitung präsentiert, der Journalist, weil er etwas Anständiges in den Magen bekommt und seine Zeitung ihm das zahlt und der Leser, der sich einfach freut für beide und obendrein über die gute Geschichte. Eine lehrreiche wie diese:
Das Mittagessen im Puff: Ingo Heidbrink betreibt das ‚Globe’, der grösste und atemberaubendste Sex Club der Schweiz, wie er ihn bescheiden nennt. Bescheiden auch seine Wahl, nämlich Magerquark zum Lunch. Dafür wird an einem Salontischchen mitten in seinem Lusttempel gesessen und gegessen, im Hintergrund eine Frau im weissen Spitzenhöschen, die sich etwas unzüchtig um eine Stange windet. Das verleiht gar einem Magerquark ein wenig Schärfe. Die Freier sind meist Schweizer Geschäftsleute, sie kommen angestrengt rein und treten entspannt aus, meint Heidbrink, er würde jedem empfehlen, die Mittagspause so zu nutzen. Am Nachmittag erscheinen die Familienväter, die abends selten aus dem Haus können. Oder dürfen. Neun von zehn Männern gehen ins Puff. Das spricht keineswegs gegen die Frau, weiss Heidbrink, sondern für die Genetik des Mannes, er kann kaum anders. Das sind ja beruhigende Perspektiven. Heidbrink selbst hat dieses Bedürfnis übrigens nicht. Wenn man in diesem Business arbeitet, verliert nackte Haut an Reiz, gesteht er. Vermutlich ähnlich dem Chirurgen, der schnetzelt ja auch nicht in seiner Freizeit wild herum. Geschäftsmänner, Familienväter – sollte der Liebste heut Abend völlig entspannt heimkehren, wäre die Frage nach dem Mittagslunch durchaus eine legitime. Sagt er dazu ‚Nur was Leichtes, Schatz, ein bisschen Magerquark..’, dann, liebe Frauen, dann haben wir den Salat.

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