Freitag, 19. September 2014

Bouteille Depardieu


 
Gérard Depardieu hat ein Geständnis gemacht. Vierzehn Flaschen Wein trinkt er pro Tag. Seine Leber so gross wie die Altglasdeponie vor seinem Haus. Mit einer Flasche Champagner läute er gerne den Vormittag ein, danach eine gute Flasche Rotwein, zum Mittagessen passt selbstverständlich formidable le vin rouge zum Wildschwein-Ragout, eine Flasche oder zwei vielleicht, dann ein kurzes Nickerchen zur Erholung und zum Wachwerden ein Fläschchen Rosé et voilà schon fühle er sich „frisch wie ein Gänseblümchen“. So Depardieus Worte.
Am Nachmittag ein weiteres Tröpfchen Rotwein und ab und zu ein Schlückchen Pastis parce que „Vive la France“ und überhaupt, da zieht er den nächsten Korken aus der Bordeaux-Flasche, es ist ja bereits wieder fast Abend und darauf sollte eine Bouteille getrunken werden und weils so schön ist noch eine und noch eine und zum Ausklingen des perfekten Tages wirken Whiskey oder Wodka Wunder. Wirklich besoffen sei er nie, sagt Depardieu ganz nüchtern mit seinen 800 Kilos verteilt auf einer Körpergrösse von 4 Metern 50, wobei er sich bis heute nicht recht erinnern kann, wie er zur franko-russischen Freundschaft mit Putin kam und wer damals im Flugzeug in den Mittelgang pinkelte. Er sei höchstens mal ein bisschen beschwipst, lächelt er charmant, nach vierzehn Flaschen. Und was lernen wir daraus? Es gibt immer einen, der mehr trinkt als du.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Biss zum Abpfiff

WM-Halbzeit in Brasilien. Die Achtelfinalisten stehen noch nicht alle fest. Spanien, der Welt- und Europameister, ist bereits wieder zu Hause gelandet. Ausgeschieden, bevor er richtig starten konnte. Auch Rooney kämmt sich in der Abflughalle von Rio seine neuen Haare und der Rest bleibt beim Alten, England fliegt raus und damit über den grossen Teich. Gleichzeitig haben Italien gegen Uruguay ein Unentschieden, am liebsten ein Null zu Null erstehen wollen. Das hätte tipptopp gepasst, Italien dann im Achtelfinal und bye-bye Uruguay. Doch die Italiener haben nicht mit dem Schiedsrichter gerechnet: Marco Rodriguez, genannt Klein-Dracula, anscheinend, weil er gerne mal die rote Karte zückt. So auch in diesem Spiel, eine kurze Verhedderung italienisch-uruguayanischer Art im Mittelfeld, ein hübsch hochgehaltenes italienisches Füsschen, die Sohle am Schienbeinknochen entlang des Gegners herabgefräst, keine Frage, ein grobes Faul. Gelb und der Italiener wäre gewarnt, doch Klein-Dracula sieht rot, zieht rot und weg vom Platz der Italiener. Da warens nur noch zehn. Das Laufpensum deshalb nicht wirklich erhöht, der einzige Italiener, der die meisten Meter auf dem Platz abgespult hat, ist Meister Buffon! Immer wieder aus seinem Tor gerannt, um seine Amici zu retten und dann subito zurück, wenn der Uruguayaner die Torchance im leeren Viereck gewittert hat. Ihr Goalgetter, der Superstar Suarez (sein Markenzeichen übrigens ein markanter Überbiss des Oberkiefers...) wirft sich gen Italiens Tor und gleichzeitig an die Schulter seines Gegenspielers Chiellini und der Zuschauer denkt, shit, ein Kopfstoss gegen den Italiener, Bilder kommen hoch, Zidane und Materazzi an der WM 2006, doch nein, kein Kopfstoss, eher ein Schulterstoss – und dann die Zeitlupe: Ein Schulterbiss! Suarez beisst dem Italiener in die Schulter! Der Hannibal Lecter auf dem grünen Rasen! Danach hält Suarez seine Hände schützend vor seinen Überbiss, mein Gott, wieso sagt mir keiner, dass die italienische Schulter so bitter ist? Chiellini rennt zum Schiri, zieht das Leibchen von der Schulter, schau her, ich blute, Suarez hat mich gebissen! Und der unparteiische Rodriguez? Sieht das rote Blut auf dieser weissen Haut, leckt sich die Lippen, und denkt an alles, nur nicht an die rote Karte. Dergestalt paralysiert geschieht das Fassbare: Uruguay trifft zum 1:0, auch Italien fährt nach Hause und der unparteiische Rodriguez nach Transsilvanien, das neue Erholungsgebiet blutleerer Schirikollegen.

Montag, 23. Juni 2014

Der Wolf ist tot!

Das ist doch zum Heulen
Kürzlich ist zum ersten Mal in Zürich ein Wolf entdeckt worden! Ein wildes Tier mitten in der Stadt! Nun aber ist es tot. Überfahren von einer S-Bahn. Woher der junge Wolf gekommen ist, muss noch abgeklärt werden. Denn ein Jungtier, so die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung, kann in kurzer Zeit grosse Distanzen zurücklegen. Natürlich, antworten die Bündner, wir haben den kleinen Wolf ja erst am Abend zuvor losgeschickt. Aus dem Calanda-Gebiet direkt nach Zürich. Mit der kleinen Mission, den Zürchern dort unten ein wenig Angst einzujagen, haben wir doch genug von den grosszürcherischen Tönen, von wegen so ein bisschen Wolf vorm Haus, im Garten oder auf den Weiden, ein Schaf mehr oder weniger auf der Alp, das merke eh keiner! Der Wolf kommt zu nah an die Dörfer, haben die Bündner nämlich gerufen, der benimmt sich heut schon wie der ehemalige Problem-Bär. Bleibt locker, sind die Zürcher den Bündnern ins Wort gefallen, die putzigen Tierchen wollen bloss spielen, Honig schlecken oder etwas Früchte aus den Picknick-Körben klauben! Und als Beweis ihrer Entspanntheit sind die Zürcher damals in Karawanen zum Nationalpark gezogen, so einen echten Bären sieht man ja sonst nur im Zoo. Ein schöner Hauch von Wildnis, der rechtfertigt noch den Kauf des All New Range Rover, mit automatisch ausfahrbarer Anhängerkuppel versteht sich, der sonst bloss vorm Haus auf zwei Parkfeldern steht oder die Strasse vor der Kinderkrippe blockiert! Wenn das so ist, haben die Bündner zurückgegeben, dann schauen wir mal, wie weit des Zürchers Tierliebe wirklich geht, lassen wir einfach mal ein echtes wildes Tier auf vier Beinen durch die Stadt spazieren. Also hat man den Calanda-Wolf ins Unterland geschickt, ihm aufgetragen, ein wenig in den Vorgärten zu schnuffeln und sich mit dem einen oder andern Züri-Sack anzulegen. Vielleicht findet sich durchaus etwas Essbares darunter. Das hingegen war zu viel, ein Wolff, der in der Stadt herum regieren will, geht schliesslich gar nicht... So haben die Zürcher schnell eine S-Bahn geordert und die hat ihn dann voll erwischt. Zack und weg mit dem Wolf. Der Test mit der Tierliebe somit abgebrochen. Vorerst. Denn Teil zwei ist in Arbeit: Ist doch eben ein Bündner frühzeitig aus Brasilien heimgekehrt (etwas Gutes soll das Debakel mit der Schweizer Fussball-Nati auch haben..) im Gepäck ein niedlicher kleiner Alligator aus dem Amazonas, der sich jetzt schon auf seine ersten Runden am seichten Züri-See-Ufer freut...

Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Giraffe ist tot

In Kopenhagen wurde eine junge Giraffe vor versammelten Gaffern erschossen. Ein Bolzenschuss fadengerade ins Hirn des Giraffenbuben Marius und zack, weg das gute Tier. Nicht weil er krank war, nein, kerngesund soll er gar gewesen sein. Jedoch der Verdacht der Inzucht hing im Raum. Das ist natürlich ungut, denn sollte der Marius eines Tages ins freudige Begattungsalter vorstossen und mit seinen Giraffen-Genen Giraffenfreundinnen beglücken, wäre dieser Akt zwar ein schöner, aber ein illegaler. Und Illegales mögen wir nicht. Also wurde der Marius niedergestreckt. In Einzelteile zerlegt und den Löwen zum Frass vorgeworfen. Das Inzestproblem ab- und Marius weggeschafft. So einfach. Und soviel zu den Dänen. Wir Schweizer hätten das ganz anders gelöst. Marius würde noch leben, wäre nach der Abstimmung vom letzten Sonntag nicht abgeschafft aber ausgeschafft worden. Als nicht-einheimischer Giraffenbub ist er ja damals seiner Verwandtschaft nachgezogen und hat sich in einem Schweizer Zoo eingenistet. Leider stammt er nicht aus der gutverdienenden angelsächsischen Expat-Schicht sondern aus einer sozialleistungsabhängigen Familie subsaharisch-afrikanischer Herkunft und muss vom Staat durchgefüttert werden. So gesehen hätte Marius unsren Schweizer Zoo ganz klar auch verlassen müssen, jedoch lebend. Der frontale Bolzenschuss für ausländische Gattungen – dazu braucht es doch noch eine weitere SVP-Initiative.