Montag, 2. November 2009

Miss Handicap

Es gibt eine Miss Schweiz, eine Miss Ostschweiz, eine Miss Zürich und eine von Bern, eine Miss Bodensee, eine Miss Tuning. Eine Miss Sixty, eine Miss Marple und eine Miss Issippi. Seit Samstag haben wir nun eine Miss Handicap. Corinne Parrat, schön und jung. Und spielt Golf. Ah, nein, das ist gar nicht ihr Handicap. Sie hört nichts. Aber das sieht man nicht. Hingegen die anderen attraktiven Frauen, die an der Miss Handicap-Wahl teilnahmen, waren offensichtlich handicapiert. An den Rollstuhl gebunden oder – gar nicht harmlos – armlos. Wieso hat denn nicht eine von denen gewonnen, frag ich. Jede der tollen Frauen hat ihr Handicap, sagt mir darauf die Initiantin der Veranstaltung Michelle Zimmermann, hätte eine Rollstuhlfahrerin gewonnen, man hätte gesagt: typisch Klischee! Und dazu brauchen wir diese Wahl nicht. Stimmt. Da hat sie recht. Diese Wahl brauchts tatsächlich nicht. Schliesslich hat schon mit der diesjährigen Miss Schweiz Wahl eine Schönheit gewonnen, der man ihr Handicap nicht ansieht: Das mangelnde Allgemeinwissen...

Freitag, 30. Oktober 2009

Clooney's Kuss

Wir sitzen bei einer Tasse Filterkaffee. Da ist er eben Amerikaner, durch und durch, der George. Unter uns, das ganze Nespressozeug, das ist gut fürs Geschäft, aber privat, da mag ers lieber gefiltert. Und ihr habt euch tatsächlich geküsst, frag ich ihn. Ich wusste es ja, schliesslich hatte ich das Foto in der Zeitung gesehen. Wie die schöne Elisabetta ihren trainierten Arm um seine Schultern legt, sich zu ihm neigt, um den George innig zu küssen. Ja, gibt Clooney zu, wir mussten es zwar ein paar Mal wiederholen, bis der Paparazzo endlich abdrückte. Aber es hat sich gelohnt, die italienische Presse spricht nun nicht mehr von einem Bruder-Schwester-Verhältnis, sondern von echter Liebe, schmunzelt George. Und wie wars, will ich wissen. Oh, ganz ok, Elisabettas starke, fast maskuline Arme hatten mich im Griff, die Augen hielt ich geschlossen und dachte an Max. Da ist er aufgestanden und zur Tür hinaus. Max ist mein verstorbenes Hausschwein, ruft er mir noch lachend zu, what else!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Amy’s Körbchen

Das Telefon klingelt schrill. Ob ich denn ihre neuen Brüste gesehen hätte, ruft Victoria Beckham aufgeregt in den Hörer. Amy Winehouse hat sich ihre Körbchengrösse von B auf D überdimensionieren lassen, unglaublich! Ihr Vater Mitch Winehouse schwärmt gar öffentlich vom fantastischen Busen seiner Tochter, das ist doch nicht normal, regt sich Vicky laut auf. Vielleicht freut er sich wirklich, geb ich zurück, immerhin war das arme Kind genug gebeutelt vom Drogenschicksal, unzähligen Tattoos auf ihrem feinen Körper, da sind doch zwei neue Brüste etwas Wunderbares, fast Unschuldiges! Ein Geschenk aus dem Chirurgenhimmel, setz ich noch obendrauf. Für das sie knapp 60'000 Dollar hat bezahlen müssen, kräht Victoria, zudem passen sie gar nicht zu ihrem Erscheinungsbild! Vielleicht hat sie einfach einen Airbag gebraucht, geb ich zurück, die Bienenstockfrisur hat sie ja dauernd aus dem Gleichgewicht gehauen, so fällt sie zumindest etwas weicher. Vierzig Kilo Körpergewicht, dünne Beine und nun so riesige Brüste, wer will schon so aussehen, fragt mich Victoria leicht gereizt. Stimmt, denk ich mir, und grad wos mir einfällt, wer der Amy von der Statur her sehr ähnlich sieht, hat Victoria bereits aufgelegt.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Polansiks viele Stimmen

Was haben wir doch in den letzten Tagen nicht alles gehört und gelesen, was mit dem armen Künstler passiert ist, fast jeder und jede hat sich sich zur Affäre geäussert. Einen Roman könnte man darüber schreiben. Den Polanski Roman.
Die Liste seiner Unterstützer ist lang. Und prominent. Rolf Lyssy, der Schweizermacher-Macher, ist von Romans Unschuld überzeugt. Hat er doch die Polanski-Autobiografie gelesen und weiss daher, dass das damalige Verbrechen an diesem dreizehnjährigen Mädchen eher eine verdrehte Geschichte ist, in der Polanski am Ende beinahe verführt wurde. Das Opfer der Täter? So wie der Gärtner immer der Mörder ist? Bevor er zum Bock wurde? Ein dreizehnjähriges Mädchen soll auch nicht allein in einem fremden Haus mit einem fremden Mann in einem fremden Whirpool sitzen, es soll nicht Champagner trinken und auch keine Drogen nehmen. Das kann nicht gut gehen. Aber deswegen von einem Schwerstverbrechen sprechen? Nein, findet Herr Lyssy, ein Schwerstverbrechen ist vielleicht Mord. Und schon sind wir wieder beim Gärtner, dem Bock. Der Zeitpunkt von Polanskis Verhaftung ist willkürlich, klönt Daniel Binswanger, der grosse Schreiber (zirka zwei Meter) im Magazin des Tagesanzeigers, Willkür ist das Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit, die Verhaftung mithin verwerflich. Von mangelndem Feingefühl spricht unsre Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Roger de Weck schielt auf das amerikanische Rechtsverständnis, die Ungleichbehandlung von Angeklagten sei enorm, die US-Justiz wenig Vertrauen einflössend, vom Strafvollzug ganz zu schweigen. Man dürfe drum den Roman diesem Schurkenstaat nicht ausliefern. Und Alt-Bundesrat Christoph Blocher beanstandet das Verhalten seiner Nachfolgerin Eveline Widmer-Schlumpf. In einer Kosten-Nutzen-Rechnung zahle die Schweiz nur drauf, wettert Blocher, der Imageschaden ist im Ausland viel zu gross, folglich hätte er ihn selbst vor der Einreise gewarnt, um die Verhaftung zu vermeiden. Fragt sich der Bürger, ob er sich in seiner verkürzten Amtszeit öfters so aktiv um das Image der Schweiz gesorgt hat? Jedoch diese Rechtspraxis wird von seiner Nachfolgerin nicht befolgt. Schliesslich, stellt Widmer-Schlumpf fest, gelte das Gesetz für jeden gleich. Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger will nichts von einer Vorzugsbehandlung für Polanski wissen, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen, redet er mit sonorer Stimme. Steve Lopez, ein amerikanischer Journalist, hat sich die Mühe gemacht, die „Gerichtsakten Polanski“ aus den Siebziegerjahren in Los Angeles zu studieren. Je länger er las, desto zorniger ist er geworden. Vielleicht auch, weil er selbst Vater einer Tochter ist. Wie Bänz Friedli, der Migros-Hausmann: Ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder ist ein Kinderschänder. Und Marco Rima: Wer vergewaltigt, gehört in den Knast!
Alle haben sie also etwas dazu gesagt. Prominent und weniger. In Funk und Fernsehen und Zeitungen. Nur mich hat niemand gefragt...

Sonntag, 13. September 2009

Nadine at home

Natürlich denke sie jetzt nicht an eine Rückkehr in die Schweiz, gesteht Nadine Vinzens, erst müsse sie noch intensiv an ihrer amerikanischen Schauspielkarriere arbeiten. Wir sitzen an unsrem Küchentisch, Nadine knabbert an einem Rüebli. Seit sie damals fürs Schweizer Fernsehen mit ein paar anderen Swiss-Promis um das „Goldene Rüebli“ kochte, hat sie die Karotte für sich entdeckt. Gesund, günstig und vor allem kalorienarm. Dabei war sie schon schlank bei der Miss Schweiz Wahl im Jahr 2002. Das Krönchen setzte man ihr damals nicht auf den Kopf, sondern man stülpte es ihr über und zog es um ihre Taille fest. Dieses Siegerfoto ging um die Welt, sorgte selbst im magerwahnsinnigen Hollywood für Aufsehen und öffnete Nadine ein Türchen nach Los Angeles. Kurz nach ihrer Ankunft heiratete sie dort einen Punk-Rock-Gitarristen. Jedoch die Ehe ging bald in die Brüche. Ich habe sie noch gewarnt: Überlegs dir gut, ob du Neshawn Hubbard heiraten willst, sein Name ist sehr, sehr schwierig auszusprechen! Doch, doch, wir lieben uns, hat sie gesagt. Nach nur drei Jahren hat ers nicht mehr ertragen, dass sie ihn immer und immer wieder falsch angesprochen hat. Wir haben uns getrennt, lächelt Nadine tapfer, trotzdem bleib ich weiterhin in L.A und arbeite intensiv an meiner Schauspielkarriere.“ Nur nicht aufgeben. Und so durfte Nadine in einem Musikvideo von Britney Spears als Britney Spears-Double mitmachen. Sie spielte eine von dutzenden Doppelgängerinnen, die eine Horde Paparazzi von der echten Britney ablenken sollen. „Das war extrem schwierig. Wir trugen alle blonde Perücken, sexy Kleidchen und mussten wild herumtanzen“, erklärt mir Nadine. Auf diese schauspielerische Meisterleistung hin wurde sie für CSI New York entdeckt. Darin durfte sie eine Prostituierte mimen, die leicht bekleidet auf der Flucht vor Verbrechern ist. Ohne umgebracht zu werden, not easy, präzisiert Nadine. Gar den Text habe sie gut gekonnt, sie musste einfach ganz, ganz laut schreien. Aber im richtigen Moment, strahlt sie mich an. Auch das ein weiterer Schritt in ihrer amerikanischen Schauspielkarriere. Kurz darauf machte sie in einem Werbeclip-Wettbewerb für die Steuererklärungsfirma Taxslayer mit: Eine, die sich auszog, das Fürchten zu lernen. Geschauspielert wars gut, nur hat sie mit ihrem Grisons-English an der Zielgruppe vorbei gesprochen. Die 25 000 Dollar Gewinnsumme somit nicht an sie. Inzwischen klopfte ein neuer Auftrag an: Ein hüllenloses Geräkel im „Girls Gone Wild“-Magazin. Das gehört einem Freund von mir, klärt sie mich auf, daher hab ich gewusst, auf was ich mich einlasse. Ein gewisses Interesse an ihr zeige inzwischen sogar der Playboy. Apropos, ihre neue Liebe, das hat sie nicht nur mir, sondern der ganzen Schweiz verraten, ist ein Gärtner. Ein gutaussehender Gärtner. Der in Wirklichkeit ein berühmter Schauspieler ist. Liiert ist vielleicht ein wenig übertrieben, gesteht sie, ich kenn ihn aus Desperate Houswifes, wir sind uns über den Weg gelaufen, wie das halt so üblich ist in Hollywood, und sind uns äh, näher gekommen. Es ist Jesse Metcalfe! Wow, ich schlucke leer. Wieder so ein schwieriger Name, das kann ja nicht gut gehen...

Donnerstag, 10. September 2009

Kulturlabor

Es gibt ja verschiedene Arten, sich der Kunst zu nähern. Eine davon, man lässt sich von Jürg und Raquel Marquard in ihre Turmsuite des Badrutt’s Palace einladen. Um die kunstvolle Kunstmesse ART-Masters mitten in St. Moritz zu bestaunen. Einlass erhält, wer einerseits zum Jetset gehört und andrerseits eine grosse Menge Botox injiziert hat. Weil es doch eine Art Art-in-Art Ausstellung ist, gebildete vor bildender Kunst sozusagen.
Ein anderer Weg führt ins neu eröffnete Thalwiler Kulturlabor. In „Family by Thomas Ott and Peter Lüthy“ stellen zurzeit der Thalwiler Künstler Lüthy und sein Schwiegersohn Ott, der renommierte Zürcher Comic-Zeichner mit seinen wunderbar düsteren schwarz-weissen Bildern, gemeinsam aus. Ich hab mich für Letzteres entschieden, aus vier Gründen: Erstens erinnern mich Otts schaurige Portraits an den St. Moritzer Jetset, zweitens gehör ich diesem leider nicht an, drittens liegt das Kulturlabor direkt vor Ort und viertens sorgt dort ‚cultur4dinner’ für Speis und Trank. Vermutlich reichhaltiger als in St. Moritz. Sollten sich dabei ein paar Pfunde dazukultivieren, was solls. Ich werde sie als Faltenfüller einsetzen, die Botoxspritzen damit ersetzen und das dafür freigewordene Geld im Thalwiler Kulturleben umsetzen.

Freitag, 14. August 2009

Müssen Missen wissen?

Glanz und Gloria des SF 1 prüfte die Miss Schweiz Kandidatinnen. Auf Herz und Verstand. Sie mussten Schweizer Wahrzeichen benennen. Das Matterhorn zum Beispiel. Als Berg erkannt (1 Punkt), jedoch nicht wie er heisst (da war der Punkt wieder weg). Unglaublich für den Wallis-Tourismus Direktor, er hat die jungen Frauen eingeladen, damit sie sich vor Ort das Horn einprägen können. Karina Berger, die Ur-Miss, hatte ihre Mädchen verteidigt: Es war eine ungewohnte Perspektive des Matterhorns. Stimmt. So gross und von vorn...
Das Bundeshaus als wichtiges Gebäude gesehen (plus 1 Punkt), eine Kirche vielleicht (minus 1 Punkt). Hans Rudolf Merz ein Bundesrat (1 Punkt), der Kleine aus dem Appenzell (2 Punkte), als Christoph Blocher demaskiert (2 Punkte weg). Das Genferwappen als Schweizer Wappen (1 Punkt), dem Kanton Bern zugedacht (adieu 1 Punkt). Der Vierwaldstättersee als See vermutet (1/2 Punkt). André Reithebuch als Mister Schweiz sammelte für alle Punkte. Und auch die Murmeltiere wurden richtig identifiziert. Die putzigen Tiere (plus 1 Punkt), die so lustige Geräusche machen: oink, oink (minus 1 Punkt). Daraufhin hat der Tourismusdirektor von Graubünden eine Einladung an die jungen Frauen geschickt: sie dürfen sich eine Woche lang auf dem Murmelpfad im Avers auspfeifen lassen!